LONDON (IT BOLTWISE) – Xiaomi korrigiert sein Smartphone-Absatzziel für 2026 nach oben und nennt 110 Millionen Einheiten als neue Zielmarke. Der Schritt kommt, weil sich die Speicherpreise laut Einschätzung des Konzerns stabilisieren dürften, nachdem DRAM und NAND zuvor stark angezogen haben. Gleichzeitig soll ein stärkerer Mix aus günstigen Einstiegsmodellen die höheren Stückzahlen ermöglichen. Neben dem Handysgeschäft treiben zudem Fortschritte in Robotik und der Ausbau der Auto-Sparte die Gesamtstory.

Xiaomi hebt Smartphone-Ziel auf 110 Millionen – Treiber sind Speicherpreise und Einstiegsmodelle
Xiaomi hebt Smartphone-Ziel auf 110 Millionen – Treiber sind Speicherpreise und Einstiegsmodelle (Foto: IT BOLTWISE)
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Der nächste Kursschub für Xiaomi hängt weniger an einzelnen Modell-Updates als an der Verfügbarkeit eines Engpasses: Speicher. Das Unternehmen hebt sein Smartphone-Absatzziel für 2026 von rund 90 Millionen auf 110 Millionen Einheiten an – das entspricht etwa +16 Prozent. Damit setzt Xiaomi nach zwei früheren Korrekturen eine klare Gegenbewegung: Das ursprüngliche Ziel von 170 Millionen Geräten war bereits auf 135 Millionen und später auf ungefähr 95 Millionen reduziert worden. Für Anleger ist diese Anhebung damit vor allem ein Signal, dass die bisher als Kostendruck wahrgenommenen Effekte nicht mehr im gleichen Ausmaß weiterwirken.

Unmittelbarer Hintergrund sind die Entwicklungen bei DRAM und NAND. Nach Angaben, wie sie in der Berichterstattung aufgegriffen wurden, stiegen DRAM-Preise im ersten Quartal 2026 um 90 bis 95 Prozent, während NAND um 55 bis 60 Prozent teurer wurde. Gleichzeitig verschieben große Speicherhersteller wie Samsung, SK Hynix und Micron nach dieser Darstellung einen Teil ihrer Kapazitäten in Richtung High-Bandwidth-Memory und Server-DRAM. Für den Consumer-Bereich bedeutet das: Die Nachfrage aus Rechenzentren und KI-nahe Anwendungen konkurriert um dieselben Produktionslinien, wodurch Smartphones trotz guter Nachfrage nicht beliebig schnell günstiger produzieren lassen. In derselben Erwartungslage wird zudem für den globalen Smartphone-Markt 2026 ein Rückgang um 13 bis 14 Prozent genannt – Xiaomi muss also nicht nur liefern, sondern in einem insgesamt schwierigeren Marktumfeld profitabel skalieren.

Genau hier setzt die Strategie an, die Xiaomi nach der Zielkorrektur in den Mittelpunkt rückt: eine stärkere Gewichtung günstiger Einstiegsmodelle. Berichten zufolge soll der Zuwachs vor allem aus dem Absatz entsprechender Produktsegmente kommen. Der Mechanismus ist aus Kostensicht plausibel: Wenn Standard-DRAM und NAND mittelfristig wieder entspannter werden, sinken die Stückkosten, und ein höherer Anteil preisbewusster Geräte lässt sich mit besseren Margen umsetzen als in der Phase, in der Speicherpreise explodieren. Dass der Konzern das Thema trotz eines insgesamt angespannten Lieferumfelds offensiv adressiert, passt auch zu Aussagen aus der Branche, wonach das aktuelle Preisniveau als ungewöhnlich hoch eingeordnet wird, aber gleichzeitig 2027 vor einer historisch schweren Angebotsknappheit bei KI-Speicherchips gewarnt wird. Für Xiaomi als Abnehmer von Massenware ist entscheidend, dass die spezifische Speicherklasse für Consumer-Geräte nicht in dieselbe Knappheitslogik gerät wie KI-Spezialprodukte.

Welche Produktlogik dahintersteht, macht Xiaomi mit dem Hinweis auf das Redmi 17 4G greifbar. Das Einstiegsmodell wird mit einem 7.500-mAh-Akku, einem 6,9-Zoll-Display und dem MediaTek Helio G91 Ultra Chipsatz beschrieben – genau das Segment, das bei volumengetriebenen Prognosen häufig die meiste Hebelwirkung entfaltet. Technisch ist dabei nicht nur der Chipsatz relevant, sondern auch der gesamte Geräte-Build: Displaygröße, Akkukapazität und die Workload-Optimierung bestimmen, wie stark der Speicherbedarf in der Praxis skaliert. Wenn sich die Kosten bei Standardkomponenten stabilisieren, können Hersteller zudem aggressiver im Preisbereich bleiben, ohne sofort in eine reine Umsatz-aber-Margen-Kurve abzurutschen. Für Xiaomi bedeutet die Anhebung daher nicht nur eine höhere Stückzahl, sondern eine Planungsannahme, dass das Kosten-Niveau im kommenden Jahr mehr Spielraum bietet als zuvor.

Während die Smartphone-Zahlen strategisch wirken, spiegelt sich der Ton auch an der Börse. Der Xiaomi-Kurs zeigte zuletzt eine spürbare Gegenbewegung: Am Montag schloss das Papier bei 3,15 Euro, das entspricht einem Plus von 3,82 Prozent gegenüber dem Vortag. Auf Sicht der vergangenen 30 Handelstage summiert sich der Gewinn auf 18,87 Prozent. Dennoch bleibt die Aktie weit von der Erholung auf dem Niveau entfernt, das im September 2025 mit 6,51 Euro markiert wurde: Von diesem 52-Wochen-Hoch liegt Xiaomi aktuell um 51,61 Prozent darunter. Diese Lücke ist wichtig, weil sie zeigt, dass der Markt die jüngste Verbesserung zwar honoriert, aber die länger wirkenden Risiken – schwächerer Smartphone-Markt, Speichervolatilität und die Reife der neuen Produktmix-Strategie – noch nicht vollständig auspreist.

Parallel zum Handyszenario baut Xiaomi seine zweite Wachstumsflanke weiter aus: Robotik. Auf der WAIC-Messe in Shanghai (17. bis 20. Juli) stellte das Unternehmen Berichten zufolge einen humanoiden Roboter vor, der in einer Autofabrik eingesetzt wird. Besonders auffällig ist die Leistungsangabe beim automatisierten Eindrehen von Blechschrauben mit einer Erfolgsquote von 98 Prozent, nahe an der menschlichen Vergleichsquote von 99 Prozent. Bei neueren Aufgaben wie dem Sortieren von Abdeckungen und dem Falten von Behältern lag die Erfolgsrate bei 90 Prozent. Solche Kennzahlen sind in der Industrie nicht nur Marketing, sondern stehen für die reale Integration in Arbeitszyklen: Greifen, Positionieren und Handling müssen mit wechselnden Teilen umgehen, und genau diese Robustheit entscheidet über Akzeptanz in der Fertigung.

Auch das Autogeschäft liefert zusätzliche Impulse. Im Mai habe Xiaomi mehr als 30.000 Fahrzeuge verkauft und bewege sich damit im Umfeld von Wettbewerbern wie XPeng und Li Auto, während Marktführer Leapmotor mit 81.000 verkauften Einheiten deutlich vorne bleibt. Für die internationale Expansion wird zudem genannt, dass Xiaomi einen neuen Regierungsbeziehungs-Manager für Malaysia eingestellt hat, um einen geplanten Marktstart außerhalb Chinas im Jahr 2027 vorzubereiten. Entscheidend ist: Diese Projekte laufen parallel, aber sie entlasten sich gegenseitig nicht automatisch. Robotik und Mobility sind kapital- und datenintensiv, während Smartphones den größten Teil der Cash-Generierung in der Gruppe stellen. Genau deshalb wirkt die Speicher-Story für 2026 so strategisch: Sie schafft kurzfristig die finanziellen Voraussetzungen, damit Xiaomi in den kommenden Jahren gleichzeitig Skalierung im Kerngeschäft und Umsetzung in neuen Plattformen vorantreiben kann.


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