NÜRNBERG / LONDON (IT BOLTWISE) – Die weltweite Bierproduktion sinkt weiter: 189,6 Milliarden Liter bedeuten im Vergleich zum Vorjahr minus 0,7 Prozent. Besonders spürbar fallen die Rückgänge in Europa, während in Afrika und Teilen Südamerikas neue Mengen zulegen. Gleichzeitig zeigt die Hersteller-Rangliste eine bemerkenswerte Kontinuität: zehn Brauereien decken 66,5 Prozent des globalen Absatzes ab. Auffällig ist dabei, dass keine deutsche Brauerei in den Top 10 der verkaufsstärksten Hersteller landet.

Brauereiranking: Heineken führt – Deutschland bleibt ohne Top-10-Platz
Brauereiranking: Heineken führt – Deutschland bleibt ohne Top-10-Platz (Foto: IT BOLTWISE)
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Der Biermarkt kommt nicht zur Ruhe, und das spiegelt sich sowohl in den Produktionszahlen als auch in der Rangliste der Absatzstärksten Hersteller. Laut einer Analyse des Hopfenhändlers BarthHaas ging die weltweite Bierproduktion im vergangenen Jahr um 0,7 Prozent auf 189,6 Milliarden Liter zurück. In dem Gesamtwert ist auch alkoholfreies Bier enthalten, das in einigen Regionen zuletzt deutlich an Bedeutung gewonnen hat. Gleichzeitig wird damit sichtbar, dass der Rückgang nicht nur ein saisonales Randphänomen ist, sondern sich durch mehrere Kontinente zieht.

Regional betrachtet verschiebt sich das Bild spürbar, obwohl die globale Bilanz insgesamt eher nach unten zeigt. Australien und Ozeanien verzeichneten ein Minus von 2,4 Prozent; dort werden allerdings nur rund 1,8 Milliarden Liter nachgefragt und produziert. In Europa fiel der Ausstoß um 1,6 Prozent auf 51 Milliarden Liter, wobei insbesondere Rückgänge in Deutschland und Polen auf die Zahlen drücken. Die Bundesrepublik konnte dennoch den sechsten Platz der größten Bierproduzenten behaupten – mit 7,9 Milliarden Litern hinter China, den USA, Brasilien, Mexiko und Russland. Genau hier wird das Spannungsfeld deutlich: Selbst wenn ein Land im globalen Vergleich noch stark genug produziert, reicht die Dynamik offenbar nicht aus, um sich im Tagesgeschäft gegen den weltweiten Abschwung abzusetzen.

Dass ausgerechnet Deutschland zwar beim Produzieren präsent bleibt, aber im Absatz-Ranking nicht dominant wirkt, hängt auch mit der Lieferkette und dem Vorleistungsmarkt zusammen. BarthHaas ordnet Deutschland weiterhin als wichtigstes Hopfenanbauland ein: 18.962 Hektar sind weltweit die Nummer eins, selbst wenn die Anbaufläche um 6,5 Prozent zurückging. Die USA folgen mit 17.057 Hektar. Für Betriebe bedeutet das: Wer über Hopfenanbau und Verarbeitung ein Qualitätsprofil aufbaut, muss gleichzeitig mit schwankenden Mengen und einer verschärften Marktbalance umgehen, in der weniger Bier insgesamt auch den Druck auf die Produktivität erhöht. Im Hintergrund steht damit ein ganz praktischer Zielkonflikt zwischen Erntemenge, Nachfrage und Lagerhaltung.

Auf der Ebene der Brauereien zeichnet der Bericht ein konsolidiertes Marktbild. Zehn Hersteller tragen laut der Rangliste 66,5 Prozent zum gesamten Bierausstoß weltweit bei. Aus Europa schafft es Heineken auf Platz zwei; ebenso schaffen Carlsberg (Dänemark) und BGI/Groupe Castel (Frankreich) den Sprung in die Top 10. Zu den Marken der Groupe-Castel-Gruppe gehören unter anderem Beck’s und Stella. Gleichzeitig bleibt die Reihenfolge im Vergleich zum Vorjahr „kaum“ verändert: Lediglich Platz zehn und elf wurden getauscht, weil Efes Group zuvor in den Top 10 stand und Constellation Brands im vorherigen Jahr auf Platz elf geführt wurde. Für deutsche Marktteilnehmer ist das Signal klar: Selbst wenn deutsche Produktionskapazität international sichtbar ist, entscheidet bei der Absatzskala offenbar die globale Vertriebs- und Portfolio-Strategie über die Top-Platzierungen.

Auch Asien zeigt, dass Nachfrage- und Produktionsdynamik auseinanderlaufen können. Der Ausstoß sank dort um 1,2 Prozent auf 59 Milliarden Liter, während ein Anstieg in Indien Rückgänge in China, Vietnam, Japan, Südkorea und Myanmar mehr als kompensieren musste. China bleibt dennoch mit großem Abstand größter Produzent und kommt auf mehr als ein Sechstel des globalen Volumens. Nordamerika folgt mit einem Minus von 1,9 Prozent auf 34 Milliarden Liter: Allein in den USA gingen fast eine Milliarde Liter auf „gut 17 Milliarden Liter“ zurück, was durch den Zuwachs in Mexiko auf knapp 15 Milliarden Liter nicht ausgeglichen werden konnte. Südamerika hingegen stieg um 1,7 Prozent auf 25 Milliarden Liter, vor allem dank Brasilien mit gut 15 Milliarden Litern. Am deutlichsten positiv ist die Entwicklung in Afrika mit einem Plus von 2,6 Prozent auf knapp 17 Milliarden Liter – ein Hinweis darauf, dass Wachstum in Regionen mit späterer Marktsättigung gerade die Rückgänge in reiferen Märkten zumindest teilweise überdecken kann.

Der Blick auf den Hopfenmarkt unterstreicht zusätzlich die strukturelle Lage: Weltweit ging die Anbaufläche um 5,5 Prozent auf 52.660 Hektar zurück, die Erntemenge sank um 3,8 Prozent auf 109.188 Tonnen. Damit bewegen sich sowohl Fläche als auch Ernte nach unten, aber die Experteneinschätzung fällt dennoch skeptisch aus: Heinrich Meier von BarthHaas sagt, die Produktion habe auch 2025 den Bedarf überstiegen. Das ist für die Praxis relevant, weil sich in solchen Konstellationen Preiserwartungen, Vertragsmodelle und Qualitätsstrategien verschieben. Für Unternehmen bedeutet das zugleich: Selbst wenn in einzelnen Regionen mehr Bier produziert oder nachgefragt wird, bleibt der Kosten- und Beschaffungsdruck über die Rohstoffseite spürbar.

Was heißt das für 2026? BarthHaas erwartet laut Angaben für das laufende Jahr kein Wachstum beim Bierausstoß: „weitgehend gleichbleibende, tendenziell etwas niedrigere Produktion“ lautet die Prognose. Thomas Raiser verweist darauf, dass Wachstum in Afrika, Asien sowie Mittel- und Südamerika durch Rückgänge in Europa und Nordamerika aufgezehrt werden dürfte. Im Hopfenmarkt bleibt die Lage deshalb angespannt. Für die Branche heißt das: Hersteller müssen ihre Kapazitätsplanung, Markenarbeit und Exportausrichtung weiter feinjustieren, während gleichzeitig das Portfolio rund um alkoholfreie Produkte als Flexibilitätshebel an Gewicht gewinnt – und die Frage, wer im Absatz-Ranking nachziehen kann, damit zunehmend vom Zusammenspiel aus Produktion, Distribution und Rohstoffstrategie abhängt.


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