WALL STREET / LONDON (IT BOLTWISE) – Die erneute Eskalation im Konflikt zwischen den USA und Iran beschäftigt Anleger weniger kurzfristig an der Börse, weil der S&P 500 zuletzt nahe an seinem Allzeithoch blieb. Gleichzeitig steigen jedoch die Wahrscheinlichkeit höherer Energiepreise und länger hoher Zinsen, sobald Rohöl und die 10-jährige Staatsanleihe weiter klettern. Die Diskussion verschiebt sich damit von der reinen Kriegsdauer hin zu den Folgen für Inflationserwartungen und die Geldpolitik. Entscheidend wird, ob sich höhere Sprit- und Energiekosten in die Kerninflation übertragen.

US-Iran-Krise: Ölpreise und Renditen rücken wieder in den Fokus der Märkte
US-Iran-Krise: Ölpreise und Renditen rücken wieder in den Fokus der Märkte (Foto: IT BOLTWISE)
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Wall Street blickt trotz der jüngsten Zuspitzung im Konflikt zwischen den USA und Iran zunächst gelassen auf die Kursentwicklung. Nach einer Serie von Angriffsnächten wurden die Erwartungen an den wirtschaftlichen Effekt zwar erneut diskutiert, der S&P 500 gab aber am Montag nur marginal nach und blieb damit rund 2% unter seinem im Juni erreichten Allzeithoch. In der Argumentation der Marktteilnehmer spielt dabei vor allem eine Annahme hinein: Weder Washington noch Teheran wollen den Sprung in einen offenen, wirtschaftlich voll durchschlagenden Krieg, weil dann die globale Rezession wahrscheinlicher würde. Parallel dazu unterstützen Kurs- und Gewinnmomentum das Bild, denn die Ertragsstärke der Unternehmen hat sich laut der Beschreibung im Ausgangstext seit Beginn der zweiten Quartalsberichtssaison beschleunigt, und auch die zuletzt schwächeren Inflationssignale wirkten als zusätzlicher Beruhigungsfaktor.

Technisch betrachtet entscheidet der Markt allerdings nicht nur über die Dauer, sondern über die “Persistenz” bei Energie und Zinskurve. Brent Crude stieg am Montag zeitweise über 90 US-Dollar pro Barrel und pendelte am Dienstag knapp darunter. Noch stärker wirkt häufig die Kombination aus steigenden Rohölpreisen und höheren Renditen auf die Erwartungsketten: Die 10-jährige US-Treasury rentierte am Montag über 4,6% und blieb nahe diesem Niveau. Wenn sich dieser Zustand weiter verfestigt – also Rohöl nicht schnell zurückkommt und die Renditen “oben” bleiben – müssen Anleger mittelfristig Anpassungen bei Inflationsannahmen und bei der künftigen Ausrichtung der Geldpolitik einpreisen. Genau hier setzt die in der Vorlage zitierte Logik an: Art Hogan, Chief Market Strategist bei B. Riley Wealth, bringt den Zusammenhang auf den Punkt mit dem Hinweis auf die “Dauer” und darauf, dass bei anhaltenden Ölpreisen über 85 oder 90 US-Dollar zum Jahresende Gewinnschätzungen im Extremfall nach unten korrigiert werden könnten.

Der Einfluss auf einzelne Branchen folgt aus dem Zusammenspiel von Energieintensität, Nachfrageseite und dem relativen Gewicht im Index. Das Szenario höherer Energiekosten macht nicht alle Unternehmensmodelle gleich verwundbar: Der Ausgangstext hebt hervor, dass Tech im S&P 500 mit 38% relativ gut positioniert sei, während Energie mit nur 3% im Indexvergleich eine geringere Rolle spiele – zugleich aber als Sektor strukturell unter Druck geraten dürfte. Diese Logik lässt sich in der Praxis gut nachvollziehen: Ein Energietreiber-Rückschlag schlägt zwar über Transport- und Produktionskosten auf viele Wertschöpfungsketten durch, doch er trifft börsennotierte Gewinner und Verlierer unterschiedlich, weil Kostenstruktur und Preissetzungsmacht variieren. Als mögliche Verlierer werden daher insbesondere der Energie- und Logistikblock sowie Unternehmen genannt, die stark auf Treibstoffkosten angewiesen sind; als Beispiel führt der Text Ryanair an, das schwächere Erstquartalsprofite mit verzögerten Buchungen in Folge der Nahost-Krise begründet hat.

Auch geopolitisch steckt der Hebel nicht nur im “Ob”, sondern im “Wie schnell” – etwa wenn Routen durch kritische Seewege betroffen wären. Im Text wird explizit die Beobachtung der Region um den Persischen Golf und den Strait of Hormuz als Schlüsselfaktor genannt: Sollte eine weitere Eskalation den Schiffsverkehr beeinträchtigen, könnten Öl- und Transportrisikoprämien deutlich schneller steigen als reine Spotbewegungen vermuten lassen. Marko Papic, Macro- und Geopolitik-Stratege bei BCA Research, richtet die Aufmerksamkeit auf die Frage, ob Hardliner in Iran an Einfluss gewinnen oder ob die USA die Truppenpräsenz in der Region erhöhen. Dem stellt sich ein anderer Deutungsstrang gegenüber: Teile des Marktes rechnen damit, dass sich die geopolitische Lage in der zweiten Jahreshälfte eher entspannt oder zumindest besser bepreist, was unter anderem JPMorgan-Strategien stützen könnte, die laut Vorlage die Strategie verfolgen, Rücksetzer in der Konflikt-Nachrichtennutzung für Zukäufe zu verwenden.

Für Volkswirtschaften und Verbraucher ist der entscheidende Punkt die Frage nach der Übertragungskette von Spritpreisen zu Breiteinflation und damit zur realen Kaufkraft. Ökonomen sehen hier klarere Risiken als an der Börse: Mark Zandi, Chief Economist bei Moody’s Analytics, argumentiert, dass bei einem erneuten Anstieg der Kraftstoff- und Energiekosten für die US-Verbraucher und für Unternehmen mit Dienstleistungsketten “nur” eine negative Richtung plausibel sei. Der Ausgangstext quantifiziert dies mit einem Verlust von rund 1.100 US-Dollar pro Durchschnittshaushalt bis in die Gegenwart, unter anderem durch steigende Energiekosten und höhere Militärausgaben. Gleichzeitig sinkt der Puffer: Die persönliche Sparquote wird im Text für Mai mit 3% angegeben und damit als fast 2 Prozentpunkte niedriger als im Vorjahr. Der Jahresverlauf wird damit weniger “automatisch” abfedert, und wenn die Erholung der Ausgaben später nicht mehr über Ersparnisse funktioniert, steigt der Druck, dass Konsumnachfrage und Unternehmensgewinne unter höheren Energiekosten leiden.

Damit stellt sich für die Geldpolitik eine sehr konkrete, datengetriebene Frage: Bleiben Energiepreisschocks im Bereich der Volatilität oder sickern sie in die Kerninflation durch? Im Ausgangstext wird genannt, dass Gasolinepreise am Montag erstmals seit mehr als einem Monat die Marke von 4 US-Dollar pro Gallone erreicht hätten, gestützt durch die Dynamik der Rohölkurve. Erwartet wird zudem ein erneuter Aufwärtsdruck auf den Verbraucherpreisindex, während die Kernkomponente (ohne volatile Nahrungsmittel- und Energiepreise) möglicherweise nicht im selben Maß steigt. Luke Tilley, Chief Economist bei M&T Bank und Wilmington Trust, formuliert die politische Relevanz genau so: Für die Fed ist entscheidend, ob der Impuls bis in die Kerninflation durchschlägt. Laut Vorlage preisen Fed Funds Futures mit über 83% Wahrscheinlichkeit ein, dass der Leitzins beim nächsten Treffen unverändert bleibt; sollte sich der Kernwert allerdings drehen, könnte diese Marktannahme schnell anpassen müssen.

Für Unternehmen zeigt sich der “All-downside”-Effekt somit vor allem in der Nachfrage- und Preissetzungslogik: Wertorientierte oder stark fahr- und nutzungsabhängige Kundensegmente könnten selektiver einkaufen, wenn Öl und Kraftstoff lange über dem Komfortbereich bleiben. Der Text verweist auf Consumer Edge und nennt Michael Gunther, der eine mögliche Dämpfung für verschiedene Retail- und Konsumnahe Geschäftsmodelle ableitet – von Discount- und Landhandelsspezialisten bis hin zu Freizeitanbietern, die stark auf ein verfügbares Budget angewiesen sind. Gleichzeitig entstehen Gewinnerfenster: Warehouse Clubs wie Costco und Sam’s Club könnten Marktanteile gewinnen, wenn Autofahrer nach günstigeren Optionen suchen; als Hinweis wird genannt, dass Costco laut Angabe im Text “rekordbrechende” Gasvolumina zum Ende des dritten Fiskalquartals gemeldet hat. Unterm Strich werden Verbraucher laut Vorlage zwar weiterhin konsumieren und einzelne Kaufanreize etwa durch Veranstaltungen oder Sportformate sehen, aber das Polster durch Steuerrückerstattungen dürfte in der zweiten Jahreshälfte weniger tragen, sobald Energiepreisdruck fortbesteht.


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