SINGAPUR / LONDON (IT BOLTWISE) – Zoom verlagert seine Wachstumsarbeit in Asien in eine neue Führungsrolle: Carlos Quaderi übernimmt ab dem 1. August 2026 den Posten als Head of APAC. Damit soll die nächste Phase des KI-gestützten Ausbaus koordiniert und die Marktstrategie in mehreren Wachstumsländern gezielt umgesetzt werden. Gleichzeitig zeigen die Zahlen, dass KI-Funktionen wie der AI Companion stark nachgefragt sind. Besonders auffällig sind ein 184-prozentiger Anstieg bei den monatlich aktiven Nutzern in Bezahl-Abos und ein schneller Zuwachs bei MyNotes.

Zoom reagiert auf den strukturellen Wandel in der Videokonferenz: Der Wettbewerb verschiebt sich zunehmend weg vom reinen „Meeting-Tool“ hin zu kollaborativen Arbeitsumgebungen, in denen KI automatisch Inhalte ordnet, zusammenfasst und in Workflows integriert. Genau an diesem Punkt setzt die aktuelle APAC-Umstrukturierung an. Carlos Quaderi wird zum 1. August 2026 als Head of APAC eingesetzt und soll in dieser Funktion die nächste Wachstumsphase mit KI-Unterstützung koordinieren. Das ist weniger eine reine Organisationsmeldung, sondern signalisiert, dass Zoom seine Vertriebsschwerpunkte in der Region enger mit der KI-Produktstrategie verzahnen will.
Inhaltlich baut Quaderi auf einem bereits laufenden Länder-Setup auf: Er leitet seit Oktober 2025 das Asiengeschäft von Zoom und übernimmt in der neuen Rolle die direkte Linie zu Graeme Geddes, Chief Sales and Growth Officer. Auffällig ist dabei das Profil des Managers: Aus der Vergangenheit nennt der Text konkrete Stationen bei Microsoft, AWS und Workday, also Konzernumfelder, die stark auf Enterprise-Vertrieb, Plattformdenken und Partnerkanäle setzen. Quaderis Fokus liegt laut Angaben künftig auf Kundenlösungen für kleine und mittlere Unternehmen (SMB) sowie auf der Erweiterung des Partner-Ökosystems. Praktisch bedeutet das eine Verschiebung weg von „nur“ Produktverfügbarkeit hin zu Skalierung über Vertriebspartner, Systemhäuser und integrierte Angebote.
Unterstützt wird dieser Plan durch mehrere regionale Beschleuniger, die wie Bausteine ineinandergreifen. Zoom eröffnet demnach ein neues Büro in Singapur, nachdem die physische Präsenz dort bereits im August 2025 verstärkt wurde, um als lokaler Hub zu dienen. Zusätzlich wurde im April 2026 Frank Skiffington als Leiter für Australien und Neuseeland (A/NZ) berufen, um die Vertriebsstrukturen zu festigen. Solche Personal- und Standortentscheidungen sind in APAC oft entscheidend, weil Kaufprozesse häufig fragmentiert sind und Laufzeiten von Pilotprojekten bis zum Rollout in einzelnen Ländern stark variieren. Wenn Zoom zugleich die KI-Fähigkeiten zentral priorisiert, kann ein regionaler Ausbau die Time-to-Expansion verkürzen.
Die Produktseite liefert dafür die wichtigsten Ankerpunkte. Berichten zufolge zeigt der Zoom AI Companion zuletzt ein deutliches Nutzungswachstum: Die Zahl der monatlich aktiven Nutzer (MAUs) in den Bezahl-Abos stieg um 184 Prozent. Zusätzlich sticht MyNotes hervor, das innerhalb von vier Monaten mehr als 1,5 Millionen aktive Nutzer erreicht haben soll. Solche Kennzahlen sind in diesem Kontext relevant, weil KI-Features bei kollaborativen Tools in der Regel erst dann wirtschaftlich wirken, wenn sie wiederkehrend genutzt werden und nicht nur bei einzelnen Experimenten. MAUs und aktive Nutzer pro Funktion sind daher ein direkter Indikator dafür, ob KI im Alltag der Anwender verankert wird.
Parallel dazu nennt der Text auch solide Unternehmenskennzahlen. Im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027 meldete Zoom einen Umsatz von rund 1,24 Milliarden US-Dollar, entsprechend einem Plus von 5,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im Enterprise-Segment gelang sogar ein Wachstum von 7,2 Prozent. Beim Ergebnis übertraf der Gewinn pro Aktie (EPS) mit 1,55 US-Dollar die Markterwartungen von 1,42 US-Dollar. Dazu kommt die Aufstockung des Aktienrückkaufprogramms um 1,0 Milliarden US-Dollar, was den Aktienkurs kurzfristig stützen kann, aber vor allem als Vertrauenssignal in die eigene Cash-Generierung gelesen wird.
Auch der Kapitalmarkt deutet an, dass die Entwicklung nicht nur als kurzfristiger KI-Hype betrachtet wird. Laut Angaben hat die KBC Group NV ihre Position in Zoom-Aktien im ersten Quartal 2026 um 69,1 Prozent ausgeweitet und hält insgesamt mehr als 1,19 Millionen Anteile. Der Konsens bewertet die Aktie derzeit mit „Moderate Buy“ und nennt ein durchschnittliches Kursziel von 109,33 US-Dollar. An der Börse wird Zoom aktuell bei 79,12 Euro geführt; das entspricht 5,02 Prozent über dem gleitenden Durchschnitt der letzten 200 Tage (75,34 Euro). Gegenüber dem Stand vor zwölf Monaten liegt die Aktie damit laut Text 24,23 Prozent im Plus.
Für Unternehmen lässt sich aus der Gemengelage eine einfache Logik ableiten: Zoom versucht, seine KI-Fähigkeiten nicht isoliert als Add-on zu verkaufen, sondern sie über Vertrieb, Partner und regionale Umsetzung in konkrete Kundensegmente zu bringen. In APAC wird das besonders wichtig, weil Organisationen dort häufig schneller Pilotteams aufstellen, aber die Skalierung an lokale Prozesse, Sprachen und Compliance-Anforderungen bindet. Wenn die MAU-Wachstumsraten der Bezahl-Abos tatsächlich anhalten und die Funktionen wie MyNotes wiederkehrend genutzt werden, verbessert sich die Grundlage für ein nachhaltigeres Umsatzwachstum. Gleichzeitig bleibt für Investoren und Entscheider entscheidend, ob die KI-gestützte Kollaboration die Enterprise-Logik wirklich durchdringt – oder ob es bei Zusatznutzen bleibt. Genau hier setzt die neue APAC-Führung an.
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