LONDON (IT BOLTWISE) – Samsung steht vor einem großen Schritt im Foldable-Markt: Erwartet wird ein neues, kürzeres und breiteres Fold-Formfaktor-Design neben neuen Fold- und Flip-Varianten. Der Hintergrund ist klar: Apples erstes Foldable rückt näher und könnte den Markt vom Nischenstatus in die Breite ziehen. Gleichzeitig erhöht eine zu frühe oder zu ähnliche Kopie das Risiko, wenn sich das neue Design beim Publikum nicht durchsetzt. Genau diese Abwägung zwischen Timing, Differenzierung und Lernkurve entscheidet diesmal über Samsungs nächste Dominanzphase.

Mit dem für morgen angekündigten Galaxy Unpacked rückt ein Detail in den Fokus, das Samsung bisher bei der Foldable-Entwicklung eher vermieden hat: ein breiteres Fold-Design, das kürzer ausfällt und dem Tablet-ähnlichen Hochformat entgegentritt. Das wirkt auf den ersten Blick wie ein reines Geometrie-Update, ist aber im Kern eine strategische Entscheidung. In der Vergangenheit war Samsungs Linienführung ziemlich eindeutig: die kleinen Flip-Geräte als Kompaktlösung und die großen Fold-Geräte als größere, rechteckige Alternative. Nun soll sich dieses Verhältnis erneut verschieben – offenbar, weil der Marktwechsel durch Apples erwartetes erstes Foldable zunehmend als realistische Wette verstanden wird.
Technisch betrachtet berührt eine „wider“ gedachte Faltlogik mehrere Engineering-Trade-offs gleichzeitig. Breitere Formfaktoren verlangen nach anderer Scharniergeometrie, anderem Innenraum-Layout und einer Neuausrichtung bei Routen, Kabelwegen und Kühlung, damit die Hardware nicht in der Mitte „auf Spannung“ geht. Dazu kommt die Frage, wie gut eine breitere Außenseite im Alltag genutzt wird: Display-Text, Tastatur-Layouts und Bedienflächen müssen stimmig sein, bevor das große Innen-Display überhaupt relevant wird. Samsung hat seine jüngsten Foldables bereits stark in Richtung alltagstauglicher Abdeckung optimiert – etwa mit deutlich dünneren Geräten und einer näher an den Kanten geführten Cover-Screen-Nutzung, die den Nutzen zwischen geöffnet und geschlossen spürbar verbessert. Ein breiteres Fold-Format wäre in diesem Kontext der nächste Schritt, um das Gerät nicht nur technologisch, sondern auch ergonomisch neu zu positionieren.
Der Marktkontext macht die Dringlichkeit deutlich: Samsung war über Jahre der dominante Taktgeber im Foldable-Segment, weil Größe, Herstellkompetenz und Zulieferkette die entscheidenden Vorteile lieferten. In den letzten Jahren wurde diese Rolle jedoch angreifbar, sobald konkurrierende Ansätze bei Display-Strukturen und bei Robustheit gegenüber Staub oder Alltagseinflüssen verlässlicher wurden. Damit verlagerte sich Samsungs Arbeit zunehmend in den Bereich „Aufholen und Feinjustieren“, obwohl die Plattformkompetenz weiterhin hoch ist. Parallel dazu zeigt die Historie, dass breitere Foldables nicht komplett neu sind: Huawei setzte dieses Jahr bereits auf eine deutlich breitere, passformähnliche Variante, und frühere Versuche anderer Hersteller – etwa Googles erstes Pixel Fold, Samsungs Wettbewerber wie Oppo mit Find-N-Formen oder auch Microsofts eher experimentelle Dual-Screen-Philosophie – gingen in Richtung mehr Breite. Interessant ist dabei die Rückbesinnung: Gerade Samsung selbst hatte diese Richtung zeitweise wieder verlassen, offenbar weil sich die Marktakzeptanz für ein optimiertes Verhältnis aus schlanker Außenseite und „quadratigerer“ Innenfläche als stabiler erwies.
Genau hier liegt der Kern der aktuellen Wette. Analysten verweisen schon länger darauf, dass Apples Einstieg die für die Mainstream-Adaption entscheidende Hebelwirkung haben könnte. In einem Ausblick, der Apples mögliche Marktanteile für das erste Jahr im Foldable-Segment hochrechnet, heißt es, die Firma könne im Startjahr etwa 34 Prozent des Marktes gemessen am Wert erreichen. Das wäre nicht nur ein Wettbewerbsargument, sondern auch ein Verschiebesignal: Wenn Premium-Nachfrage aus dem Apple-Ökosystem entsteht, profitieren zuerst vor allem die, die Timing und Produktform perfekt treffen. Für Samsung klingt „Versuch einer ähnlichen Form“ daher wie Versicherung gegen den Worst Case, in dem das Apple-Foldable den Standard setzt, während andere Segmente darunter leiden.
Dennoch wäre es falsch, das als Kopierstrategie zu betrachten, ohne die Risiken sauber zu benennen. Der Quasi-Gegenbeweis liegt in Samsungs eigener Vergangenheit: Mit Experimenten, die sehr nah an erwarteten Apple-Entwicklungen lagen, zeigte sich, dass „kurz vor dem großen Konkurrenten“ keine Erfolgsgarantie ist. Beim Galaxy S25 Edge war die Idee eines sehr schlanken Ausweichprodukts zeitlich eng mit den späteren Apple-Impulsen verbunden – und der Markt hat die erhoffte Nachfrage nicht in dem Maß abgerufen, das den Aufwand gerechtfertigt hätte. Auch bei Foldable-Experimenten wie dem Galaxy Z TriFold, der in den USA nur für einen sehr kurzen Zeitraum verfügbar war, blieb am Ende vieles offen. Übertragen heißt das: Breite als Formelement reduziert nicht automatisch die Unsicherheit; sie kann sie auch verschärfen, wenn das Produkt zwar technisch stimmig wirkt, aber im Kaufprozess nicht die erwartete Traktion erreicht.
So bleibt für morgen und die nächsten Monate eine harte Prüfungslogik. Samsung muss beweisen, dass das neue Fold-Format nicht nur „anders“ ist, sondern im Alltag Vorteile liefert, ohne dabei die Stabilität, die ein Foldable-Käufer erwartet, zu kompromittieren. Gleichzeitig muss die Produktlinie so aussehen, dass sie nicht nur ein neues Risiko nach vorn schiebt, sondern die bestehenden Flip- und Fold-Varianten als Abdeckung weiter stärkt. Denn wenn Apple tatsächlich einen Markttrend auslöst, wird die Auswahl nicht kleiner, sondern anders: Nutzer entscheiden dann stärker nach Formfaktor, Langzeiterfahrung und Ökosystemintegration. Samsung kann es sich folglich nicht leisten, erst abzuwarten, bis die Antwort aus Cupertino sichtbar ist – die Expansion ist ein Gamble, doch still zu stehen könnte das größere Problem werden.
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