LONDON / LONDON (IT BOLTWISE) – Apple soll in den kommenden Monaten erstmals ein faltbares iPhone vorstellen. Für Samsung bedeutet das: Beim nächsten Galaxy Z Fold geht es nicht nur um Detail-Updates, sondern um die Rückeroberung von Marktvertrauen in einer Kategorie, die gerade erst breiter zugänglich wird. Zeitgleich verschärfen wachsende Konkurrenz und Materialengpässe den Wettbewerbsdruck. Welche Hebel Samsung jetzt anziehen muss, entscheidet sich an der Kombination aus Formfaktor, Ausdauer und Angebotstiefe.

Wenn in London wieder „Galaxy Unpacked“ über die Bühne geht, trifft Samsung auf einen Gegner, der noch nicht einmal technisch greifbar sein muss. Der Kern des Drucks ist dabei nicht nur die Erwartung, dass Apple zeitnah ein faltbares iPhone nachliefert, sondern die Tatsache, dass faltbare Smartphones weiterhin eine frühe Käufergruppe adressieren. In solchen Phasen ist die Wahrnehmung besonders empfindlich: Wer als Erste(r) ein stimmiges Gesamterlebnis liefert, prägt das Erwartungsniveau – und genau das will Samsung dieses Jahr absichern.
Samsung hat sich seit dem Markteintritt der ersten Galaxy Fold-Generation 2019 als Marktführer etabliert, doch die letzten Monate zeigen laut Counterpoint Research, wie schnell sich das Bild drehen kann. Für Nordamerika wird 2025 ein 28-prozentiger Anstieg der Auslieferungen im Jahresvergleich genannt – und gleichzeitig ein Rückgang der Dominanz von Samsung, während Motorola deutlich Boden gewinnt. Hinter den Zahlen steckt eine Wettbewerbsdynamik, die Samsung nicht mit reinen Reifungen der bestehenden Plattform abfedern kann: Der Preisabstand, die Variantenbreite und die Frage, wer „das bezahlbare Einstiegsgate“ in die faltbare Welt besetzt, werden stärker zu Marktgrößen.
Besonders anschaulich wird das an der Razr-Strategie: Motorola positioniert dort einen Flip im Stil des Galaxy Z Flip 7 und liegt laut Quelle rund 300 US-Dollar unter dem Preisniveau des Samsung-Pendants. Das Ergebnis ist auch messbar – für 2025 wird eine Marktanteilsentwicklung auf 44% genannt, plus etwa 14% gegenüber 2024, also in einer Größenordnung, die nahezu dem entspricht, was Samsung im gleichen Zeitraum verloren habe. Mit vier faltbaren Modellen in unterschiedlichen Preislagen, darunter auch ein erstes „Book“-Style-Gerät (Razr Fold), entsteht für Käufer ein viel klareres Portfolio-Angebot als zuvor. Für Samsung heißt das: Beim Galaxy Z Fold reicht es nicht, „gut“ zu sein; es muss spürbar besser oder zumindest deutlich anders begründbar sein.
Neben dem westlichen Wettbewerb wächst die internationale Lage durch weitere Akteure, darunter Google mit dem Pixel Fold sowie chinesische Anbieter wie Honor und Huawei. Zugleich verweist die Quelle auf die Erwartung, dass Apple innerhalb weniger Monate mit einem breiten, book-artigen faltbaren Gerät nachrückt und damit die Kategorie einem breiteren Publikum schmackhaft machen könnte. Gerade diese mögliche „Mainstreamisierung“ ist für Samsung die eigentliche Zündschnur. Counterpoint Research skizziert als Szenario, dass Apple am Ende des Jahres 28% Anteil am faltbaren Markt erreichen könnte; als Treiber werden vor allem bestehende iPhone-Nutzer genannt, aber auch Android-Käufer, die über den Wechsel zu einem book-style Faltgerät neu nachdenken.
Aus dieser Ausgangslage folgt die zentrale strategische Frage: Wie schützt Samsung seine Erfahrungs- und Lieferkettenvorteile, wenn ein Ökosystem wie Apples plötzlich im gleichen Formfaktor um Aufmerksamkeit kämpft? In der Quelle bringt Paolo Pescatore von PP Foresight das Risiko so auf den Punkt: „The eagerly anticipated Apple foray into this category threatens to reset consumer expectations.“ Mit anderen Worten: Apple könnte nicht nur Marktanteile verschieben, sondern die Bewertungskriterien selbst. Dazu passt seine zweite Aussage, die Samsung explizit fordert, die frühen Marktvorteile und die Tiefe der Erfahrung auszuspielen – einschließlich Partnerschaften wie Gemini – um „tightly integrated hardware, software and services as one seamless experience“ zu liefern.
Technisch verdichtet sich das auf eine sehr konkrete Umsetzungsidee: Samsung wird demnach mit einem breiteren, rechteckigeren Formfaktor rechnen lassen, der eher dem vermuteten Apple-Design ähnelt, und die dann entscheidenden Verbesserungen über das neue Seitenverhältnis in die Fold-typische Nutzerlogik übertragen muss. Genau hier entscheidet sich, ob die Falttechnik nur ein Marketingmerkmal bleibt oder zum produktiven Arbeitsgerät wird. Samsung kann außerdem auf Jahre gesammelt belegen, was Nutzer mit solchen Geräten tatsächlich tun – etwa wie sich Inhalte über die Klappfläche hinweg anordnen lassen, wie stabil sich Bedienkonzept und Tastatur- oder Multitasking-Logik anfühlen und wo die Unterschiede zwischen „mehr Display“ und „besserer Alltag“ liegen. In einem Markt, in dem faltbare Geräte weiterhin oft als „Early Adopter“ gekauft werden, ist diese Alltags-Validierung häufig der Kaufgrund Nummer eins.
Erhöht wird die Komplexität zusätzlich durch den im Text erwähnten RAMageddon-Effekt, also eine anhaltende Verknappung von Speicher-Ressourcen, die bereits dazu geführt habe, dass Samsung die Preise anheben musste. Material- und Komponentenlage schlagen dabei immer direkt auf die Produktarchitektur durch: Mehr Speicher kann die Varianten attraktiver machen, gleichzeitig aber Kosten und Verfügbarkeit beeinflussen. Für Samsung bedeutet das, dass das nächste Galaxy Z Fold nicht nur „technisch überzeugt“, sondern auch die richtige Mischung aus Leistung, Konfiguration und Lieferbarkeit trifft – sonst bleibt selbst ein starkes Formfaktor-Design ein Risiko. Wenn Samsung dieses Paket aus Hardware-Integration, Software-Erlebnis und einem klaren Preis-/Leistungsversprechen sauber ausrollt, könnte es im besten Fall erneut zum Referenzgerät werden, an dem sich Käufer in dieser Kategorie orientieren.
Damit wächst die Spannung für die kommenden Wochen: Nicht das „Faltbar“ allein wird über den Erfolg entscheiden, sondern ob Samsung die nächste Generation als geschlossene Antwort auf Apples erwarteten Markteintritt, die wachsende Konkurrenzlandschaft und die Engpassrealität positioniert. Es ist genau die Art von Moment, in der ein Unternehmen seine Marktführerschaft beweisen kann – oder sie dauerhaft verliert.
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