LONDON (IT BOLTWISE) – Samsung legt bei Galaxy Watch 9 und Galaxy Watch Ultra 2 den Schwerpunkt spürbar auf bessere Akkulaufzeit und präventive Gesundheitsfunktionen. Besonders der Ultra 2 steigt auf 800 mAh und kombiniert das mit einem deutlich helleren Display von 5.000 Nits. Gleichzeitig wandert mit Wear OS 7 mehr KI-orientierte Interaktion auf die Uhren, darunter Sprachaktionen ohne klassischen Wake-Word-Ansatz. Damit stellt sich das Duo direkt gegen etablierte Wearables von Garmin, Oura, Whoop und Fitbit.

Galaxy Watch 9 & Ultra 2: mehr Akku, neue Fitness- und Vitals-Metriken
Galaxy Watch 9 & Ultra 2: mehr Akku, neue Fitness- und Vitals-Metriken (Foto: IT BOLTWISE)
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Mit Galaxy Watch 9 und Galaxy Watch Ultra 2 liefert Samsung keine radikale Neupositionierung, sondern eine gezielte Reibungsbeseitigung: Dort, wo die eigenen Wearables aus Sicht vieler Nutzer schon länger besonders kritisch betrachtet werden – Akkulaufzeit und „präventive“ Gesundheitsfeatures – setzt das Unternehmen jetzt an. Der Ansatz wirkt wie ein konsequentes Weiterdrehen, was in den letzten Generationen ohnehin zu sehen war, aber diesmal mit mehr Druck von der Konkurrenzseite. Denn im Markt haben sich über die Jahre vor allem solche Anbieter behauptet, die nicht nur Fitnessdaten anzeigen, sondern daraus Alltagstauglichkeit und frühere Warnsignale ableiten.

Beim Akku ist der Unterschied besonders sichtbar: Die Galaxy Watch Ultra 2 mit 47 mm steigt auf 800 mAh und damit um 35 % gegenüber dem 590-mAh-Wert der ursprünglichen Ultra-Generation. Samsung hält dabei die Baugröße in Grenzen – das Gehäuse wird sogar etwa 12 % dünner und misst 10,7 mm. Erwartbar wäre eher ein „Paket“ aus mehr Zellen, mehr Masse und mehr Gewicht gewesen; die Nachricht ist deshalb vor allem für Nutzer relevant, die Ultra-Funktionalität wollten, aber nicht den Komfortverlust der ersten Modelle. Ein weiterer Ausreißer nach oben betrifft das Display: Die Ultra 2 bekommt eine 5.000-Nit-Anzeige mit schmaleren Einfassungen an den Seiten, um die Ablesbarkeit im direkten Sonnenlicht zu verbessern. In der Einordnung bleibt das aber nicht bloß Marketing; bei der Watch 9 nennt Samsung 3.000 Nits als Vergleichswert, wodurch die Ultra 2 die hellste Smartwatch-Fläche im aktuellen Samsung-Portfolio adressiert.

Auch die outdoor-lastigen Funktionen zeigen, in welche Richtung Samsung strategisch optimiert. Die Ultra 2 erhält ein Trail-Run-Tracking, das sich weniger wie ein reines Apple-Watch-Ultra-Feature liest, sondern eher wie ein Versuch, Garmin-nah zu werden: Nutzer können GPX-Dateien für GPS-Routen laden, um Navigation sowie Elevationsführung in Echtzeit zu erhalten. Ergänzend kommen eine geschätzte Abschlusszeit und Echtzeit-Hydration-Alerts hinzu. Technisch ist dabei wichtig, wie die „Hydration“-Information zustande kommt: Die Logik schätzt offenbar den Schweißverlust anhand von Trainingsintensität und demografischen Daten, die Sensorik misst also nicht direkt Elektrolyte oder tatsächlich verlorenes Wasser. Für Taucher zieht Samsung die Gegenrichtung weiter: Die Ultra 2 bringt IP69K sowie 10 ATM und erhält zusätzlich die EN 13319 Einstufung für Staub- und Wasserbeständigkeit. Dazu kommt später in diesem Jahr eine Tauch-App des Scuba-Ausrüsters Mares, die unter anderem Abstiegsgeschwindigkeiten überwacht, Zeitmessungen auf definierter Tiefe erfasst und Guidance für den Aufstieg liefert.

Bei der Galaxy Watch 9 fällt die Hardware-Story etwas konservativer aus, aber genau da liegt die zentrale Produktbotschaft: Das neue Modell ist mit 379,99 US-Dollar rund 30 US-Dollar teurer als die Watch 8 und bringt in den Spezifikationen vor allem schrittweise Verbesserungen. Eine entscheidende Änderung betrifft jedoch die Plattform: Samsung ersetzt im Watch 9- und Ultra-2-Duo den bisherigen Exynos-Ansatz durch Qualcomms Snapdragon Wear Elite. Samsung verbindet das mit Effizienz- und KI-Verarbeitungsvorteilen; Qualcomm hat den Chip zuvor als „AI-wearable first“-Plattform vermarktet. Für die Praxis kann das zwei Effekte haben: Zum einen sinkt bei gleichbleibender UI-Performance potenziell die Leistungsaufnahme, zum anderen werden KI-gestützte Workflows näher an die Geräteleistung gerückt statt über externe Latenzpfade zu laufen. Auffällig ist zudem das Wear-OS-7-Update: Nutzer sollen „raise to talk“ nutzen können, also mit einer Handbewegung sprechen können, ohne den Gemini-Wake-Word-Mechanismus. Samsung sagt außerdem, Gemini werde so abgestimmt, dass es nicht versehentlich startet, wenn man den Arm hebt, um auf die Uhr zu schauen. In ersten Beobachtungen bei Vorführzuständen zeigte sich bei Kollegen zwar eine mögliche Scroll-Latenz, das lässt sich unter Laborbedingungen aber schwer von Demo-Performance und Verbindungszustand trennen.

Auch die Akkus der Watch 9 werden moderater aufgestockt: Die 40-mm-Variante steigt grob um 20 % auf 390 mAh, während die 44-mm-Version von 435 mAh auf 445 mAh kommt. Komforttechnisch setzt Samsung auf leichtere Straps – 17 % weniger Gewicht – sowie eine neue „air pocket structure“, die eine definierte Lücke zwischen Stoff und Handgelenk schafft. Das klingt nach einem Detail, adressiert aber eine reale Nutzerfrage: Viele Wearables altern am Komfortmaßstab schon dann, wenn Hitze staut oder Stoff nicht ausreichend atmet, selbst wenn die Akkulaufzeit „eigentlich“ reicht. In derselben Richtung denkt Samsung bei den Gesundheitsfunktionen: Die Galaxy Watch 9 bekommt vier neue präventive Metriken, die parallel auch auf die Ultra 2 wandern.

Im Zentrum steht zuerst ein „Vitals“-Feature. Nach einer Woche kontinuierlichen Tragens im Schlaf erstellt die Samsung Health-App eine Baseline für Blut-Sauerstoff, Herzfrequenz, Herzfrequenzvariabilität, Hauttemperatur und Atemfrequenz. Am Morgen gibt es dann proaktive Hinweise, wenn Werte von dieser Baseline abweichen – inklusive Tipps, wie man wieder „in den Rahmen“ kommt. Danach folgen eine Heart-Health-Score-Bewertung und ein Daily Cardio Load-Ansatz: Der Heart-Health-Score wird täglich als Wert bis 100 ausgegeben, basierend auf einem Acht-Tage-Durchschnitt der Schlafdauer, dem Aktivitätsniveau moderat bis vigoros, dem BMI und einer „vascular load“-Komponente. Der Daily Cardio Load soll Training gegen Erholung abgleichen und damit Hinweise liefern, ob Übertraining, Untertraining oder ein ausgewogener Status vorliegt. Neuester und zugleich erklärungsbedürftiger ist der Fitness Index: Das Feature nutzt ein Radar-Chart, um Stärke, Flexibilität, Ausdauer, Cardio und Körperkomposition relativ zu anderen Samsung-Nutzern abzubilden – unter anderem anhand von VO2 Max, Herzrate, Schrittzahl, Aktivitätszeit und Bioimpedanzanalyse. Solche Visualisierungen sind kein Urteil über „gut“ oder „schlecht“, sondern ein Vergleichs- und Musterwerkzeug: Wer seine größten relativen Lücken erkennt, kann daraus Trainingsprioritäten ableiten.

In Summe wirkt das Upgrade von Samsung wie ein „Aufholen plus Feinjustierung“: Die neuen Metriken und Interaktionen sind nicht komplett neu in der Logik – ähnliche Ansätze findet man über Jahre bei Oura, Whoop und Fitbit/Google Health – aber Samsung bringt sie in ein kohärentes Ökosystem aus Uhrhardware, Wear OS 7 und der Samsung Health-Auswertung. Gleichzeitig bleibt das Produktanreiz-Problem: Alle Modelle werden teurer, während der Funktionszuwachs eher iterativ als disruptiv ausfällt. Für Unternehmen und technisch interessierte Nutzer bedeutet das vor allem eine Frage der Priorisierung: Wer vor allem Akkulaufzeit und outdoor-taugliche Tracking-Funktionen sucht, bekommt mit der Ultra 2 einen klaren Hardware-Boost. Wer dagegen bereits im Samsung-Health-Flow steckt, sieht bei Watch 9 und Ultra 2 vor allem in den präventiven Baseline-Mechaniken und KI-orientierter Interaktion einen unmittelbaren Mehrwert. Die Vorbestellungen starten heute, die Auslieferung ist ab dem 7. August erwartet.


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