LONDON (IT BOLTWISE) – Substack führt eine Funktion ein, mit der Leser einschätzen können, welcher Anteil eines Beitrags menschlich oder per KI verfasst wurde. Dafür kooperiert die Plattform mit der Erkennungssoftware Pangram und scannt Posts, Kommentare und Antworten in der App. Nutzer erhalten damit eine neue Transparenzschicht über Schreibstile, bevor Inhalte in den Feeds landen. Gleichzeitig steht die Frage im Raum, wie sich solche Schätzwerte auf Vertrauen, Reichweite und Autoren-Strategien auswirken.

Substack integriert KI-Schreib-Erkennung mit Pangram für Newsletter
Substack integriert KI-Schreib-Erkennung mit Pangram für Newsletter (Foto: IT BOLTWISE)
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Substack setzt bei der wachsenden Zahl KI-gestützter Schreibprozesse auf eine eher direkte Gegenmaßnahme: Die Plattform integriert eine Erkennungslösung, die Besuchern zeigen kann, welcher Anteil eines Beitrags voraussichtlich von Menschen stammt. Konkret geht es um Scans in der Substack-App für Posts, Kommentare und Antworten, die dort als Schätzung für „Human“ versus „KI“ ausgegeben werden. Im Kern verschiebt Substack damit den Wettbewerb nicht nur in Richtung Verteilung, sondern auch in Richtung Vertrauensmanagement: Wer sich auf unabhängige Newsletter und Blogs verlässt, will wissen, ob ein Text die typische menschliche Handschrift trägt.

Technisch betrachtet basiert die Funktion auf einer Partnerschaft mit Pangram, die als Software für die Erkennung von KI-Texten beschrieben wird. Substack kündigt an, dass Nutzer Inhalte innerhalb der App mit dem Tool prüfen können, sobald der Textumfang eine bestimmte Schwelle überschreitet: verfügbar ist die Funktion für Beiträge, Notizen, Replies und Kommentare ab mehr als 100 Zeichen. Damit adressiert das Produkt ein typisches Modellproblem der Erkennung: Bei sehr kurzen Texten sinkt die Aussagekraft von Wahrscheinlichkeitsmustern, während für längere Sequenzen deutlich mehr statistische Signale beobachtbar werden. Leser bekommen so nicht automatisch eine „Wahrheit“, sondern eine Wahrscheinlichkeit, die in der Praxis eher als Leitplanke gedacht ist als als forensischer Beweis.

Für Substack kann das kurzfristig allerdings riskant wirken. Wenn das Tool auch Newsletter markiert, die nur teilweise oder überwiegend maschinell unterstützt entstehen, macht es die Plattform für Autoren und Leser sichtbarer „durchmischt“ als bisher. Genau diese Sichtbarkeit könnte das Ökosystem unabhängiger Stimmen treffen, das Substack historisch stark über das Versprechen von Echtheit, Perspektive und Qualität aufgebaut hat. Zudem besteht die Gefahr von Reputationsschäden, falls Nutzer Schätzwerte als harte Bewertung interpretieren; in Communitys können solche Labels schneller zu sozialen Signalen werden als zu differenzierten Informationen.

Auf der anderen Seite argumentiert Substack, dass KI-Erkennung als Qualitätsfilter dienen kann. Der langfristige Nutzen soll darin liegen, „KI-Schwemme“ zu vermeiden und das Vertrauen der Leser zu stabilisieren, indem klarer wird, wann ein Text vermutlich menschlich entstanden ist oder wann es zumindest Anzeichen für maschinelle Unterstützung gibt. Dieser Ansatz passt in eine breitere Bewegung in der Plattformlandschaft: Auch in sozialen Medien werden KI-generierte Fotos und Videos typischerweise als solche gekennzeichnet, und im Audio-Bereich sehen manche Dienste inzwischen strengere Regeln oder zusätzliche Kennzeichnungen für KI-generierte Inhalte vor. Substack reiht sich damit in eine Entwicklung ein, in der Transparenz nicht mehr nur vom Autor kommt, sondern durch technische Auswertung ergänzt wird.

Wichtig ist dabei die Abgrenzung, die Substack selbst vornimmt: Die Funktion soll KI-unterstütztes Schreiben nicht untersagen oder pauschal bestrafen. Stattdessen will die Plattform Autoren einen Anreiz geben, ihren Prozess offenzulegen. Dazu bietet Substack optional eine „AI Author’s note“ an, über die Creator transparent machen können, wie sie KI eingesetzt haben. Der Ton bleibt damit bewusst nicht repressiv, sondern prozedural: Wer KI nutzt, soll die Nutzung erklären und so die Erwartungen der Leser besser steuern. Substack Chief Executive Chris Best formuliert den Kern im Originalton: „This is good use of AI.“ Weiter sagt er: „When I used to pitch Substack to writers, one way I would do it is […] we’ll do everything for you except the hard part, “ und fügt hinzu, dass Schreibsoftware vor allem den „Rest“ erledigen dürfe, während der Autor die wertvolle harte Arbeit leiste.

Für Verlage ergibt sich zudem eine zweite Ebene: Substack erlaubt es Publishern, Pangram auch vor der Veröffentlichung auf eigenen Entwürfen laufen zu lassen. So können Autoren prüfen, wie ihre Texte voraussichtlich eingestuft werden, bevor sie öffentlich sichtbar werden. Außerdem kündigt Substack an, dass Scans aus eigener Initiative gemeldet und entfernt werden können, wenn ein Publisher die Ergebnisse für falsch hält. In Summe betrachtet zielt das Design damit auf einen „Ko-Regel“-Ansatz: Die Plattform liefert Werkzeug und Kennzeichnung, während Autoren die Verantwortung für die Darstellung ihres Einsatzes von KI übernehmen und zugleich Korrekturen bei mutmaßlichen Erkennungsfehlern anstoßen können.


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