LONDON (IT BOLTWISE) – Die Bundesregierung will ihre Startup- und Scaleup-Strategie am 22. Juli 2026 auf den Weg bringen und Bitkom meldet sich mit klaren Forderungen zurück. Der Verband drängt auf messbare Meilensteine, ein enges Zusammenspiel mit den Bundesländern und ein konsequentes Monitoring der Umsetzung. Besonders betont Bitkom die Ausrichtung auf Scaleups, plus Themen wie Wachstumsfinanzierung, Transfer aus der Wissenschaft und Internationalisierung. In den Fokus rückt der Verband zudem ausdrücklich Sicherheits- und Verteidigungs-Startups.

Bitkom schlägt bei der angekündigten Startup- und Scaleup-Strategie der Bundesregierung weniger eine grundsätzliche Debatte vor, sondern vor allem ein belastbares Umsetzungsdesign. Im Kern geht es darum, dass aus dem im Koalitionsvertrag angekündigten politischen Ziel nicht nur eine Sammlung von Absichtserklärungen wird, sondern ein Programm mit messbaren Ergebnissen. Laut der Stellungnahme sollte das Bundeskabinett die Strategie am 22. Juli 2026 beschließen; in der veröffentlichten Mitteilung wird allerdings kein konkreter Regionalbezug genannt. Genau diese Umsetzungslücke greift Bitkom auf und fordert, die Strategie in der Praxis sichtbar zu machen, statt sie lediglich auf der Ebene von Zielbildern zu belassen.
Der Verband setzt dabei auf mehrere Schwerpunkte, die sich wie eine Agenda für das gesamte Lebensprofil wachsender Technologieunternehmen lesen. Genannt werden Wachstumsfinanzierung, der Abbau von Bürokratie, der Transfer aus der Wissenschaft und eine stärkere Internationalisierung. Aus Sicht von Unternehmen ist die Mischung aus Finanzierung und Bürokratieabbau besonders relevant, weil sie zwei typische Engpässe adressiert: Kapitalzugang entscheidet oft über die Skalierungsphase, während administrative Reibung die Time-to-Market verkürzt oder verlängert. Für den Transfer aus der Wissenschaft bedeutet das konkret, dass Ausgründungen nicht am letzten Meter zwischen Labor und Produkt scheitern sollen, etwa durch Lücken in IP-Übergaben, Förderlogik oder Beteiligungswegen.
Ein deutliches Signal setzt Bitkom zudem bei der Ausrichtung: Die Strategie soll erstmals konsequent auch auf Scaleups fokussieren. Damit weicht der Ansatz vom häufigen Muster ab, bei dem vor allem Gründungen adressiert werden, während das Wachstum danach nur indirekt mitgedacht wird. Scaleups stehen jedoch in einem anderen Betriebsmodus als frühe Startups: Sie benötigen verlässlichere Beschaffungs- und Marktzugänge, skalierbare Prozesse in Vertrieb und Operations und eine Regulierungspraxis, die Entwicklung nicht unverhältnismäßig ausbremst. Bitkoms Forderung impliziert damit, dass die Maßnahmen nicht nur „Gründungsfreundlichkeit“, sondern „Wachstumsfähigkeit“ fördern müssen – und dass sich das auch in Kriterien, Reporting und Zuständigkeiten niederschlagen sollte.
Auch beim Governance-Teil bleibt Bitkom konkret. Der Präsident Dr. Ralf Wintergerst fordert für die Umsetzung Meilensteine, eine enge Abstimmung mit den Ländern sowie ein konsequentes Monitoring. Der Punkt mit dem Monitoring ist aus Unternehmenssicht mehr als ein technokratisches Detail: Ohne regelmäßige Fortschrittsmessung werden Finanz- und Transferprogramme häufig entweder zu langsam angepasst oder bleiben auf dem Papier stecken, obwohl sich Engpässe in der Praxis verschieben. Besonders wichtig wirkt dabei die Abstimmung mit den Ländern, weil viele realen Hebel – etwa bei Förderstrukturen, Standortpolitik oder Unterstützungsangeboten – in föderalen Zuständigkeiten liegen. Wenn Bund und Länder nicht frühzeitig ihre Rollen klären, entstehen leicht parallele Programme oder Förderlogiken, die sich im Alltag nicht sauber verzahnen.
Bemerkenswert ist außerdem, dass Bitkom Sicherheits- und Verteidigungs-Startups ausdrücklich als angesprochenen Bereich nennt. Das ist inhaltlich nicht nur ein politisches Feigenblatt, sondern betrifft typische Marktbedingungen: In sicherheits- und verteidigungsnahen Feldern sind Beschaffungswege, Nachweisführung und regulatorische Anforderungen oft komplexer als in rein zivilen Märkten. Gleichzeitig sind gerade dort Fähigkeiten gefragt, die im Technologie-Ökosystem schnell reifen müssen – etwa bei Bedarf an schneller Skalierung, Robustheit und verlässlichen Partnerschaften. Für die Strategie heißt das, dass Programme zur Wachstumsfinanzierung und zum Marktzugang so ausgestaltet sein müssen, dass sie die Besonderheiten dieser Domäne berücksichtigen, statt sie pauschal in ein allgemeines Startup-Schema zu pressen.
Insgesamt liest sich Bitkoms Stellungnahme als Plädoyer für eine Strategie, die nicht nur „Startups“ adressiert, sondern die komplette Wertschöpfungskette vom Transfer bis zur Skalierung operationalisiert. Der Verband bettet seine Forderungen in den Kontext der Wirtschaftspolitik ein, bei der Startups und Scaleups laut Koalitionsvertrag in den Mittelpunkt gerückt werden. Unternehmen können daraus vor allem zwei Erwartungen ableiten: Erstens müssen Maßnahmen so designt werden, dass Scaleups nicht erst am Ende der Förderung „auftauchen“, sondern bereits beim Übergang von Wachstum in Markt- und Produktionsreife mitgedacht werden. Zweitens muss die Bundesregierung den Umsetzungsfortschritt so dokumentieren, dass Steuerung möglich bleibt, falls bestimmte Instrumente zu kurz greifen.
Für IT- und Tech-Organisationen bedeutet das perspektivisch: Wenn Meilensteine, Monitoring und Länderabstimmung ernsthaft greifen, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Förder- und Transferprogramme planbarer werden. Gleichzeitig verschiebt sich der Fokus der Beobachtung weg von der Ankündigung hin zur Frage, welche konkreten Umsetzungsschritte folgen – etwa in Form von klaren Kriterien, Fördermechanismen für Wachstumsrunden und schnelleren Wegen in Richtung Marktzugang. Entscheidend wird sein, ob die Strategie am 22. Juli 2026 tatsächlich nur beschlossen wird oder ob sie danach auch in den operativen Prozess übersetzt wird. Genau hier setzt Bitkom mit dem Anspruch an, dass den politischen Versprechen messbare Taten folgen müssen.
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