MÜNCHEN / LONDON (IT BOLTWISE) – Die Telefónica-Tochter O2 plant bis Ende des Jahres deutlich weniger Personal: Vollzeitstellen sollen um bis zu 1.100 sinken. Gleichzeitig will das Unternehmen die Zahl der rund 800 eigenen O2-Shops um 60 reduzieren, während Franchise-Standorte nicht betroffen sein sollen. Für die Restrukturierung stellt die Firma 265 Millionen Euro bereit und will damit Organisation und Prozesse verschlanken. Beim weiteren Sparprogramm ab nächstem Jahr steht laut Mitteilung vor allem der Abbau in Callcentern und im Vertrieb im Fokus.

Telefónica Deutschland schiebt in seiner Mobilfunk-Tochter O2 eine umfassende Spar- und Umstrukturierungsrunde an, die nicht nur die Kostenbasis, sondern auch die Arbeitsorganisation treffen dürfte. In einer Mitteilung aus München heißt es, die Zahl der Vollzeitstellen soll bis zum Jahresende um bis zu 1.100 zurückgehen. Ausgangspunkt ist der Januar-Wert: Damals lag die Belegschaft bei 6.820 Vollzeitstellen. Für die Beschäftigten sollen Abfindungen und weitere Angebote den freiwilligen Wechsel erleichtern, was in der Praxis häufig ein Balanceakt zwischen betrieblicher Notwendigkeit und sozialer Abfederung ist.
Parallel zur Personalmaßnahme soll O2 auch im Vertrieb sichtbarer nachschärfen. Konkret plant das Unternehmen, die Zahl der aktuell rund 800 O2-Shops bis Jahresende um 60 zu senken; betroffen sind dabei eigene Standorte, nicht die Filialen von Franchise-Partnern. Damit wird die Kostenlogik entlang der eigenen Wertschöpfungskette verschoben: Während Franchise-Standorte wirtschaftlich stärker beim jeweiligen Partner liegen, bleiben eigene Shops direkter Teil der konsolidierten Kostenrechnung. Für das operative Geschäft bedeutet das vor allem einen veränderten Zuschnitt der lokalen Kundenansprache, etwa bei Vertragsverlängerungen und Neukundenprozessen.
Im Kern dieser Maßnahmen steht laut Unternehmen eine Vereinfachung der Organisation. Deutschlandchef Santiago Argelich Hesse verweist dabei explizit auf den Einsatz von Künstlicher Intelligenz in zentralen Abläufen. Das ist mehr als ein Schlagwort, weil Mobilfunkanbieter typischerweise mehrere Prozessschichten parallel betreiben: von Ticket- und Service-Workflows über Netz- und Störungslogik bis hin zu Vertriebsplanung und Kampagnensteuerung. Wenn solche Prozesse enger gebündelt werden, sinken nicht nur Laufzeiten, sondern auch die Koordinationskosten zwischen Teams und Schnittstellen. O2 kündigt zugleich an, dass die nächste Welle von Kürzungen und Kostensenkungen im kommenden Jahr fortgesetzt wird.
Der finanzielle Rahmen ist klar beziffert: Für die Restrukturierung sollen 265 Millionen Euro aufgewendet werden, dafür werden Rückstellungen gebildet. In der weiteren Phase spricht die Mitteilung zudem von Rückstellungen von bis zu 155 Millionen Euro für die zweite Sparrunde. Zusammengenommen zielt O2 darauf, nach Umsetzung beider Schritte ab 2028 die jährlichen Kosten um etwa 185 Millionen Euro zu senken. Genau in dieser Größenordnung wird erkennbar, wie stark der Konzern in der Wettbewerbsrealität der deutschen Telekommunikation reagiert: Margen im Mobilfunk sind eng, und Effizienzgewinne müssen oft schneller durchschlagen als reine Umsatzsteigerungen.
Dass die Restrukturierung nicht im luftleeren Raum erfolgt, zeigt auch der Markt- und Kundenkontext. O2 hatte seinen größten Firmenkunden verloren: 1&1 wechselte von einem jahrelangen Bezug über das O2-Netz hin zu einem Konkurrenten und ist inzwischen mit rund 12 Millionen Handykunden umgestiegen. Für O2 bedeutete das weniger Geld in der Kasse – ein Punkt, der in der Praxis besonders dann schmerzt, wenn sich gleichzeitig Fixkostenstrukturen kaum kurzfristig verändern lassen. Außerdem nennt der Text personelle Veränderungen: Der langjährige Firmenchef Markus Haas trat Ende des vergangenen Jahres zurück; Anfang 2026 übernahm Argelich Hesse die Leitung.
Auch die Netzperformance spielt bei der Bewertung des weiteren Kurs wichtig, weil sie direkt in Kundenwanderung, Pricing-Argumente und Vertragsabschlüsse hineinwirkt. Laut Bundesnetzagentur erreichte O2 im Dezember 88,6 Prozent der Fläche Deutschlands mit 4G und 76,2 Prozent mit 5G. Die Telekom liegt demnach bei 92,5 Prozent (4G) und 87,9 Prozent (5G), der Abstand ist damit sichtbar, aber vor allem bei 5G relevant. Vodafone kommt auf 91,7 Prozent bei 4G und 75,7 Prozent bei 5G. Bemerkenswert ist die Formulierung, die Entwicklung habe den Abstand zur Telekom deutlich verringert – zugleich bleibt die Lücke bei 5G groß genug, um die strategische Frage offen zu halten, wie schnell O2 die Versorgung weiter ausbauen kann, ohne noch mehr Kostensteigerungen zu riskieren.
Während das Hauptgeschäft von O2 im Mobilfunk liegt, ergänzt das Unternehmen zwar Festnetz-Internet-Verträge, nutzt dafür aber das Netz von Wettbewerbern; Festnetz bleibt damit ein Nebengeschäft. Vor diesem Hintergrund ist die nächste Zeit für O2 vor allem eine operative Bewährungsprobe: Die Kombination aus Standort-Reduktion, Personalabbau, Restrukturierungsbudget und KI-gestützter Prozesssteuerung muss messbar auf Effizienz einzahlen, ohne die Servicequalität zu beschädigen. Da O2 zudem plant, die Organisation bis 2028 „bedarfsgerecht“ weiter zu verschlanken, dürfte sich das Gewicht der Maßnahmen verstärkt auf Callcenter und Vertrieb konzentrieren. Für Unternehmen und Beobachter wird entscheidend sein, ob sich die Einsparungen tatsächlich in konsistente Prozesse übersetzen lassen und ob O2 gleichzeitig genug Investitionsspielraum behält, um die Netzposition im 5G-Geschäft zu verteidigen.
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