LONDON (IT BOLTWISE) – Die Space Force steht unter Druck, schneller zu wachsen, doch eine Prüfung zeigt eklatante Lücken in der Personalplanung. Für das Fiskaljahr 2025 waren rund 18.000 Stellen als erforderlich identifiziert – besetzt wurden jedoch nur 13.509. Zusätzlich fehlen klare Prozesse, um den künftigen Personalbedarf verlässlich zu bestimmen. Damit wird es für die Organisation schwieriger, sowohl Cyber- und Intelligence-Talente zu halten als auch neue Missionen wie den Golden-Dome-Raketenabwehrbeitrag personell zu stützen.

Die Space Force will im luft- und raumgestützten Einsatzspektrum deutlich zulegen, doch eine Prüfung des US-Rechnungshofs (GAO) zeichnet ein deutliches Bild: Während die Führung argumentiert, die Vergrößerung sei für die nationale Sicherheit notwendig, fehlen nachvollziehbare Grundlagen, um den tatsächlichen Personalbedarf zu ermitteln. Im Fiskaljahr 2025 waren demnach etwa 18.000 Positionen als erforderlich identifiziert, besetzt wurden aber nur 13.509. Damit blieb rund ein Viertel der für die Aufgabenerfüllung vorgesehenen Stellen offen – und nicht nur die Quantität, sondern auch die Planungslogik steht zur Debatte.
Technisch und organisatorisch beginnt das Problem bei der Art, wie Personalbedarfe hergeleitet werden. Laut GAO hat die Space Force keinen etablierten Prozess, der den künftigen Bedarf präzise bestimmt, und es existiert keine strategische Workforce-Planung, die das Wachstum in eine belastbare Zielarchitektur übersetzt. Diese Lücke trifft die Organisation besonders in Phasen, in denen sich Missionen verschieben: Während neue Anforderungen im Weltraumumfeld zunehmen, arbeitet die Space Force daran, zusätzliche Aufgaben – unter anderem Unterstützung für das Pentagon-Programm „Golden Dome“ im Bereich der Raketenabwehr – personell abzusichern.
Hinzu kommt, dass die Space Force nicht allein mit zu wenigen Rekruten kämpft, sondern auch mit der Bindung und Besetzung spezifischer Rollen. GAO nennt ausdrücklich Herausforderungen bei der Rekrutierung und Retention von Cybersecurity- und Intelligence-Talenten. Gleichzeitig versucht die Organisation, die Zahl der Mannschaftsdienstgrade (enlisted ranks) zu erhöhen und mehr ziviles Personal einzustellen. Beides wird durch Wettbewerb aus der Privatwirtschaft erschwert – und durch jüngste Änderungen in der Personalpolitik des Verteidigungsministeriums. Für die Praxis heißt das: Selbst wenn die Gesamtzahl an Bewerbungen „ausreichend“ klingt, entscheidet der Engpass bei Spezialprofilen darüber, ob Fähigkeiten rechtzeitig und dauerhaft verfügbar sind.
Besonders deutlich wird der Personalstress bei der zivilen Belegschaft. Im Bericht heißt es, dass die Space Force nahezu 14 % ihres zivilen Personals verloren habe, im Zuge einer Initiative unter der Trump-Regierung zur Verringerung der Größe des Bundesdienstes. Ein großer Teil dieses Abflusses betraf das Space Systems Command – den zentralen Akquisitions- und Beschaffigungsbereich der Space Force. Gleichzeitig versucht die Führung gegenzusteuern: Im Rahmen der Haushaltsplanung strebt die Organisation eine starke Ausweitung des zivilen Personals an und beantragt für das Fiskaljahr 2027 etwa 2.800 zusätzliche zivile Positionen, um insgesamt auf rund 7.200 zivile Rollen zu kommen. GAO hält jedoch dagegen, dass das Füllen ziviler Stellen „schwieriger“ ist als die Besetzung militärischer Positionen – wegen Konkurrenz aus dem Markt und weil die DoD-Personalregeln die Planung zusätzlich verkomplizieren.
Auch die Art der Reaktion auf den Stellenrückgang ist Teil der Kritik. Die GAO-Befunde beschreiben, dass Kommandoführungsteams versuchen, Risiken zu managen, indem sie bewerten, wo sie Tätigkeit reduzieren, Workloads zurückfahren oder Aufgaben eliminieren können – und welche Funktionen als „inhärent staatlich“ oder militärisch unverzichtbar priorisiert werden müssen. Konkretes Beispiel: Beim Space Systems Command werden Ressourcen für kritische Funktionen priorisiert, während wichtige nichtkritische Aktivitäten pausiert werden sollen, etwa im Bereich der Personalentwicklung. Kurzfristig kann das drängende Missionen stabilisieren, langfristig dürfte es jedoch laut GAO die Entwicklung zukünftiger Fähigkeiten beeinträchtigen, weil Qualifizierungs- und Aufbauprozesse ins Stocken geraten.
Der GAO-Bericht zeigt zudem, warum sich die Lücken nicht nur als „offene Stellen“ interpretieren lassen. Die bereits vorhandenen Bedarfsberechnungen würden den tatsächlichen Umfang und die Zusammensetzung des benötigten Personals nicht korrekt abbilden. Ein wichtiger Grund: Manche Einheiten stützen ihre Anforderungen auf Legacy-Strukturen aus der Zeit des früheren Air Force Space Command sowie aus anderen Raum-Einheiten. GAO berichtet, dass Einheiten nach dem Übergang in die Space Force mit Anforderungen operierten, die nicht neu bewertet wurden, obwohl das Arbeitsvolumen durch gewachsene Missionen gestiegen ist. Dazu kommt ein weiterer Haken: Einzelne Einheiten verwenden unterschiedliche Analyseansätze, die über die Organisation hinweg nicht konsistent angewendet werden. Schließlich erfasst die Space Force laut Bericht auch die Zahl der eingesetzten Contractor-Personals nicht präzise genug, was die Bestimmung der gesamten Personalbedarfe zusätzlich limitiert – gerade dann, wenn ein erheblicher Teil der Unterstützung durch externe Kräfte geleistet wird.
Damit bekommt die Debatte über Wachstum eine strategische Dimension: Sie entscheidet darüber, ob die Space Force ihre Fähigkeiten planbar hochfährt, oder ob sie in einem permanenten Modus aus Ad-hoc-Ausgleich, Priorisierungsverschiebung und späterem Fähigkeitsaufbau verharrt. In der politischen Diskussion deutet sich parallel ein Haushaltshebel an: Unter Präsident Donald Trump ist eine große Budgetanhebung im Raum, wobei das Weiße Haus 71 Milliarden US-Dollar für das neue Militärressort im Fiskaljahr 2027 angefragt hat. Der designierte Space-Operations-Chef Douglas A. Schiess verwies in diesem Kontext gegenüber dem Senate Armed Services Committee darauf, dass die angefragte Summe in mehreren Bereichen genau das widerspiegele, was benötigt werde – unter dem Eindruck der Bedrohungen im Weltraum. Für Sicherheitsverantwortliche bedeutet das: Selbst wenn Mittel steigen, entscheidet die Qualität der Workforce-Planung darüber, ob zusätzliche Ressourcen tatsächlich in einsatzfähige Kapazitäten münden.
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