LONDON (IT BOLTWISE) – David Schwartz, CTO Emeritus bei Ripple und Mitarchitekt des XRP Ledgers, sagt in einem Rückblick, dass er den Verkauf von XRP und Ethereum zu einem früheren Zeitpunkt bedauert. Der Kern seiner Aussage ist weniger eine Marktprognose als vielmehr seine konsequente Risikomeidung: Er verkaufte jeweils, wenn Kurse neue Allzeithochs erreichten. Gleichzeitig ordnet der Beitrag XRP in eine Sequenz aus früheren ATHs, regulatorischen Fortschritten und einem späteren Kurseinbruch ein. Für Anleger und Enterprise-Teams wird damit erneut sichtbar, wie stark persönliche Risikopräferenzen mit Timing und Ergebnisgrenzen zusammenhängen.

David Schwartz, CTO Emeritus von Ripple Labs und einer der Gründungsväter des XRP Ledgers, nennt in einem Rückblick nur einen zentralen Punkt, den er bereut: den Verkauf von XRP. Auslöser war eine Frage eines Kryptonutzers, die am 29. Januar 2026 gestellt wurde, ob Schwartz das Verkaufen von XRP zu einem damaligen Preis von 0,10 US-Dollar sowie Ethereum (ETH) zu 1 US-Dollar bereue. Schwartz antwortete rund sechs Monate später und machte dabei klar, dass es ihm vor allem um sein persönliches Risikoprofil geht – nicht um die Frage, ob er „falsch“ gelegen habe.
Inhaltlich ist sein Ansatz bemerkenswert konkret. Schwartz schildert, dass er Risiken hasse und deshalb verkauft habe, wann immer die Kurse in neue Allzeithochs (ATHs) stiegen. Er verweist dabei auf eine Vereinbarung mit seiner Ehepartnerin, die den Verkaufsimpuls bei jedem neuen ATH mechanisch verstärkt hat. Gleichzeitig betont er den inneren Zielkonflikt: Er wünscht sich, in Zukunft „risikofreudiger“ zu sein, sieht sich aber als jemanden, der mit Risiko nicht wirklich komfortabel ist. Genau diese Spannung – zwischen regelbasiertem Handeln und dem Wunsch nach mehr Offenheit – macht seine Aussage für viele Investoren nachvollziehbar, die Strategien mit menschlichen Grenzen vergleichen müssen.
Während Schwartz’ Begründung stark psychologisch geprägt ist, liefert der Beitrag die marktseitige Einbettung, die den „Regret“-Moment erst verständlich macht. XRP hatte in der Vergangenheit mehrfach ATH-Phasen erlebt: Im Januar 2018 lag der Kurs laut Text bei 3,40 US-Dollar, bevor er auf frühere Tiefs zurückfiel. Im April 2021 erreichte XRP erneut ein Allzeithoch von 1,84 US-Dollar. Das letzte genannte ATH datiert auf den 17. Juli 2025 mit 3,65 US-Dollar – in einem Zeitraum, in dem sich der regulatorische Status in den USA laut Darstellung nahezu geklärt habe. Diese Abfolge zeigt, wie eng bei Krypto-Assets kurzfristige Bewertungsrallys häufig an Narrativen hängen, die sowohl Marktstimmung als auch Rechtslage umfassen.
Nach dem erwähnten ATH kam jedoch der Bruch: Ein Flash-Crash am 10. Oktober führte laut Text zu einem Kursrückgang, von dem sich XRP bis zum Zeitpunkt der Veröffentlichung noch nicht wieder vollständig erholt hatte. Im aktuellen Snapshot wird außerdem eine Dynamik im sehr kurzfristigen Verlauf genannt: In den letzten 24 Stunden sei der Wert um 3,7 % gestiegen und bei 1,14 US-Dollar gehandelt worden. Für Unternehmen und technische Entscheider ist das weniger eine Frage „ob XRP steigt“, sondern eher, wie stark die Preisbildung in Krypto-Ökosystemen zwischen Phasen scheinbarer Stabilisierung und plötzlichen Marktspannungen schwanken kann.
Bemerkenswert ist zudem, dass der Text XRP als Asset innerhalb der Gesamtlandschaft verortet: XRP gilt als sechstgrößte Kryptowährung nach Marktkapitalisierung, die dort mit 71,16 Milliarden US-Dollar beziffert wird. In der Praxis bedeutet das, dass selbst bei hoher Unternehmensrelevanz von Zahlungs- und Ledger-Technologie der operative Nutzen häufig von Marktliquidität, Volatilität und der Frage abhängt, wie sich Preisbewegungen auf Adoption, Buchhaltung und Risikobudgets auswirken. Das erklärt auch, warum Aussagen wie die von Schwartz in der Krypto-Welt so viel Resonanz bekommen: Sie liefern nicht nur eine persönliche Geschichte, sondern eine indirekte Skizze der Trade-offs, die bei Krypto-Portfolios permanent neu ausgehandelt werden.
Der Beitrag macht dabei noch einen weiteren Strang sichtbar: Während XRP historisch ATHs erreichte, tauchen parallel immer wieder Themen auf, die auf neue Use-Cases zielen. So wird im Kontext des Ökosystems erwähnt, dass Ripple KI-Agents im Zahlungsverkehr mit XRP sowie RLUSD adressieren will. Gleichzeitig heißt es auch, dass XRP in den vergangenen Jahren nach mehreren ATHs keine nachhaltige Erholung geschafft habe. Für professionelle Anwender stellt sich damit ein technisches und strategisches Gesamtbild: Ledger- und Token-Innovationen müssen sich nicht nur gegen andere Infrastrukturansätze durchsetzen, sondern auch gegen die Tatsache, dass Nutzer und Unternehmen bei Volatilität zusätzliche Sicherheits- und Timing-Fragen einplanen müssen.
Aus Sicht der Marktmechanik passt Schwartz’ „Regel verkaufen bei ATH“-Logik gerade in Umgebungen, in denen Allzeithoch-Phasen häufig durch zusammengesetzte Treiber entstehen und danach schnelle Korrekturen folgen. Wer konsequent aussteigt, reduziert Drawdowns, verfehlt aber potenziell die Fortsetzung eines langfristig tragfähigen Trends. Schwartz’ Satz, dass er sich mehr Risiko-Komfort wünschte, wirkt deshalb wie eine Bilanz über Strategiegrenzen: Selbst wenn Regeln rational klingen, trifft sie am Ende eine persönliche Risikopsychologie. Für Anleger bedeutet das: Nicht nur die Strategie zählt, sondern auch die Frage, ob sie im entscheidenden Moment psychologisch durchgehalten wird – und ob die Mechanik der Regeln wirklich zu dem passt, was man langfristig erreichen will.
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