TICINO (BASED IN SOUTHERN SWITZERLAND) / LONDON (IT BOLTWISE) – BancaStato ermöglicht Bitcoin-Handel direkt über die bestehenden E-Banking-Apps. Die Bank bindet dazu die Sygnum-B2B-API an ihr Avaloq-Core-Banking an, sodass Kunden Käufe, Halten und Verkäufe über denselben Kanal wie klassische Konten auslösen können. Im Startumfang sind Marktaufträge auf Bitcoin (BTC) sowie weitere Krypto-Assets vorgesehen. Für die Betreiber steht dabei vor allem die Frage im Vordergrund, wie sich Verwahrung, regulatorischer Rahmen und Systemkomplexität im laufenden Banking-Betrieb zusammenbringen lassen.

BancaStato, die kantonale Bank des Tessin, geht mit einem neuen Angebot in den regulierten Krypto-Handel: Kunden können Bitcoin über die vorhandenen Web- und Mobile-Apps der Bank kaufen, halten und verkaufen. Der entscheidende Punkt ist nicht nur das Produkt, sondern die Integrationstiefe in die bestehende Banking-Wertschöpfung. Laut Meldung verbindet BancaStato die Anwendungsprogrammierschnittstelle von Sygnum mit dem Avaloq-Core-Banking-System und den digitalen Kanälen der Bank. Dadurch entsteht ein durchgängiger Weg: BTC-Transaktionen laufen innerhalb derselben Oberflächen, über die normalerweise auch Konten und andere Investmentprodukte verwaltet werden.
Technisch betrachtet verschiebt sich damit der Schwerpunkt weg von einer separaten Krypto-Börsenanbindung hin zu einer banknahen Ausführung. Beim Start können Nutzer Bitcoin (BTC) und weitere Kryptowährungen über Marktaufträge handeln – entweder als Angabe der Stückzahl oder als fixer Wert in US-Dollar. Dass Sygnum hierfür seine B2B-API nutzt, ohne ein zusätzliches Order-Management-System einzuziehen, ist für IT-Verantwortliche besonders relevant: Weniger Komponenten bedeuten in der Regel weniger Schnittstellen, weniger Betriebsaufwand und weniger Fehlerflächen in der Verarbeitungskette. Die Bausteine sitzen damit näher am klassischen Zahlungs- und Wertpapierbetrieb, statt einen komplett neuen Handelsstack parallel aufzubauen.
Für das Risikoprofil im Hintergrund ist die Verwahrstruktur ebenso zentral wie die App-Funktionalität. Sygnum beschreibt die Kundenvermögen in einer mehrschichtigen Custody-Lösung, die auf Hardware- und Softwarekontrollen basiert, ergänzt durch Governance-Prozesse sowie unabhängige externe Audits. Laut Anbieter sollen die Assets regulatorisch und rechtlich off-balance-sheet geführt werden. Genau diese Trennung adressiert ein Kernargument für Anleger: Ein als Inhaberwert gehaltener, bearer-artiger Vermögenswert, der nicht in der Bilanz der Bank steht, soll im Insolvenzfall unabhängig von den Forderungen der Gläubiger der Bank bleiben. In der Praxis heißt das für die Systemarchitektur, dass die Schnittstelle zur Verwahrlogik und die rechtliche Zuordnung der Vermögenswerte von Beginn an in das Produktdesign integriert werden müssen.
Dass die Integration auf dem Avaloq-Umfeld erfolgt, positioniert die Bank zugleich innerhalb eines breiteren europäischen Trends. Bitcoin fungiert dabei als Ankerasset, der in vielen Angeboten zuerst auftaucht: Kunden erhalten Exposure auf die Kryptowährung über einen regulierten Bankkanal statt über eine eigenständige Handelsplattform. BancaStato reiht sich damit in die Reihe Schweizer Institute ein, die BTC-Zugänge aufbauen oder erweitern. Zuvor hatten unter anderem Zürcher Kantonalbank Bitcoin-Handel und Custody ausgerollt, St. Galler Kantonalbank den Kauf und die Verwahrung auch für Retail-Kunden geöffnet und UBS Bitcoin-Handelsmöglichkeiten für ausgewählte Wealth-Kunden geprüft. In diesem Umfeld ist Sygnums Rolle als Infrastruktur-Provider ein wiederkehrendes Muster: Neben dem Handel wird die Plattform auch für weitere Use-Cases wie BTC-gestützte Kredite genutzt, etwa über Partnerschaften im Umfeld von Relai sowie über ein syndiziertes, bitcoin-gesichertes Darlehen in Höhe von 50 Millionen US-Dollar für Ledn.
Für die strategische Einordnung lohnt sich ein Blick auf den regulatorischen Rahmen: Sygnum verfügt über eine Schweizer Banklizenz und zusätzlich – seit dem 30. Juni 2026 – über eine Lizenz als Crypto-Asset Service Provider nach dem EU-Regime Markets in Crypto-Assets (MiCA), erteilt von der Finanzmarktaufsicht aus Liechtenstein. Diese Einstufung erlaubt es EU-Banken, Sygnums Infrastruktur als Grundlage für eigene digitale Asset-Services zu verwenden. Damit entsteht ein Pfad, den bereits andere Anbieter aus derselben Jurisdiktion eingeschlagen haben. Im Kern reduziert das für Banken die Zeit bis zur Produktivsetzung, weil die regulatorische Basis und die betriebliche Custody-Implementierung nicht bei jedem Partner neu erfunden werden müssen.
Auch in die operative Realität passt das Modell: Sygnum hebt hervor, dass zahlreiche Partnerbanken über seine B2B-Plattform einen Zugang schaffen und damit laut Anbieter mehr als ein Drittel der Schweizer Bevölkerung eine Route erhalten, digitale Assets zu besitzen. BancaStato nutzt dabei Avaloq nicht als Projekt, sondern als Plattform im Software-as-a-service-Modell. Die Bank wurde 1915 gegründet und fährt ihre Kernbankenprozesse sowie die digitalen Kanäle auf Avaloq. Entsprechend ordnet Curzio De Gottardi die Einführung als Erweiterung des bestehenden Produktportfolios ein: „Our seamless integration of traditional assets, investment solutions – and now digital assets – further enhances our group’s future-ready offering, “ sagte er. Fritz Jost, Chief B2B Officer von Sygnum, betont derweil die Reife und Skalierbarkeit der regulierten digitalen Asset-Infrastruktur: „BancaStato, becoming the first bank on Avaloq’s SaaS environment to enable clients to buy, hold and sell crypto via API with Sygnum directly from within its e-banking platforms, marks a significant step in the maturity and scalability of regulated digital asset infrastructure, “ lautet seine Aussage.
Für Unternehmen und Plattformanbieter dürfte vor allem die Kombination aus Standardisierung und Integrationstiefe interessant sein. Wer im Bankenumfeld arbeitet, weiß: Der größte Hebel liegt häufig nicht in einer neuen Benutzeroberfläche, sondern in konsistenten Datenflüssen, in der Orchestrierung von Verwahr-, Abwicklungs- und Meldeprozessen sowie in der Auditierbarkeit der End-to-End-Kette. Wenn die Bitcoin-Funktion innerhalb der gleichen Apps wie das klassische Banking startet, sinkt zudem die Hürde für den Rollout und die Kundenerfahrung wirkt weniger „zusätzlich“ und mehr wie ein normaler Bestandteil des Anlage-Ökosystems. Offen bleibt dabei, wie sich der Funktionsumfang nach dem Launch erweitert, etwa bei weiteren Ordertypen, bei Limits oder bei zusätzlichen Asset-Klassen – doch die Architektur, die jetzt mit Avaloq und Sygnum gelegt wird, ist jedenfalls darauf ausgelegt, neue digitale Asset-Features eher inkrementell anzudocken.
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