KÖLN / LONDON (IT BOLTWISE) – Die Uniklinik Köln startet mit 220.000 Euro Förderung das Projekt AKiPal, um den Einfluss von Akupressur auf die Lebensqualität Schwerstkranker zu untersuchen. Im Fokus steht dabei nicht nur die Symptomlage, sondern auch die veränderte Körperwahrnehmung. Die Behandlung erfolgt ohne Nadeln: Gezielter Fingerdruck auf bestimmte Körperpunkte soll Beschwerden wie Schmerzen, Übelkeit oder Unruhe lindern. Ergänzend zeigt die Studie, wie stark pflegerische und medizinische Angebote in der letzten Lebensphase zunehmend ganzheitlich gedacht werden.

Kölner AKiPal-Studie: Akupressur soll Lebensqualität in der Palliativmedizin verbessern
Kölner AKiPal-Studie: Akupressur soll Lebensqualität in der Palliativmedizin verbessern (Foto: IT BOLTWISE)
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Die Kölner AKiPal-Studie greift ein Problem auf, das in der Palliativmedizin seit Jahren im Alltag spürbar ist: Am Lebensende reichen klassische medikamentöse Strategien bei vielen Patientinnen und Patienten nicht aus, um Belastungen wirklich abzufedern. Gewichtsverlust, funktionelle Einschränkungen und damit einhergehende Brüche im Selbstbild können das psychische Wohlbefinden ebenso stark beeinträchtigen wie sichtbare körperliche Symptome. Vor diesem Hintergrund untersucht die Uniklinik Köln mit einer Förderung von 220.000 Euro, ob Akupressur die Lebensqualität Schwerstkranker verbessern kann – und zwar über den Weg der Körperwahrnehmung.

Technisch und praktisch ist der Ansatz bewusst einfach: Akupressur stammt aus der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM), verzichtet aber im Unterschied zur Akupunktur auf Nadeln. Stattdessen übt eine medizinische Fachkraft gezielten Druck mit den Fingern auf spezifische Körperpunkte aus. Genau dieser Unterschied ist für die Machbarkeit im Versorgungsalltag zentral: Wenn sich Effekte in der Klinik wie auch in der Pflege reproduzieren lassen, kann die Methode als ergänzendes Element in bestehenden Behandlungsketten aufgenommen werden. Die Studie zielt darauf ab, ob der gesteuerte Druck spürbare Verbesserungen bei Symptomen wie Schmerzen, Übelkeit oder Unruhe bewirken kann.

Studienleitung ist Priv.-Doz. Dr. Dr. Julia Strupp am Zentrum für Palliativmedizin. Das Vorhaben wird von der Karl und Veronica Carstens-Stiftung finanziert. Damit verbindet sich auch eine konkrete Forschungsfrage: Welche Veränderungen in der Körperwahrnehmung treten nach den Anwendungen auf, und wie stark spiegeln sich diese in der gemessenen Lebensqualität der Teilnehmenden wider? Gerade bei Schwerstkranken sind solche Outcomes wichtig, weil die Therapieerfolge oft nicht nur daran gemessen werden, ob ein einzelnes Symptom kurzfristig weniger wird, sondern ob die Betroffenen sich insgesamt wieder besser orientieren, ihren Alltag ertragen und zwischenmenschliche Nähe als entlastend erleben können.

Die Kölner Initiative steht damit in einem breiteren Bewegungstrend der letzten Jahre: weg von einer rein medikamentösen Sicht auf das Symptom, hin zu ganzheitlicher Betreuung. In der Veranstaltungssphäre rund um hospizliche Begleitung wird dieser Bedarf ebenfalls betont: Im Juli feierte der Verein „Endlich e.V.“ sein 20-jähriges Bestehen im Zentrum für Informationsökonomie der Uniklinik Köln. Rund 155 Gäste stellten dabei die Relevanz hospizlicher Begleitung und palliativer Versorgung in den Mittelpunkt. Zudem wurde am 10. Juli der Heinz-Pichlmaier-Preis verliehen, der Arbeiten auszeichnet, die das Zusammenwirken von Medizin und hospizlicher Begleitung fokussieren; geehrt wurden Dr. Elena Rakuša und Dr. Carolin Wilharm.

Auch außerhalb von Köln wird der Ausbau der Versorgung spürbar. In Würzburg plant „Hilfe im Kampf gegen Krebs“ den Aufbau eines neuen Zentrums für Patienten- und Angehörigenbegleitung im historischen Rotkreuzhof. Das Vorhaben ist mit rund 6 Millionen Euro veranschlagt und soll ab 2027 eine Lücke zwischen Klinikaufenthalt und häuslicher Versorgung schließen. Parallel dazu startete im Juli ein weiteres Forschungsprojekt der HFH Hamburger Fern-Hochschule und der FH Dresden, das bis Mitte 2027 Daten zur Kurzzeit- und Verhinderungspflege analysiert. Der Fokus liegt darauf, Entlastungsangebote für pflegende Angehörige besser sichtbar zu machen – ein Punkt, der in vielen Familien die Versorgungsrealität unmittelbar bestimmt.

Für die Praxis bedeutet das: Wenn Akupressur tatsächlich messbare Verbesserungen bei Lebensqualität und Symptomlast liefert, könnte sich ein Ergänzungsbaustein ergeben, der sowohl in stationären Settings als auch in der Pflege anwendbar ist. Die Methode bleibt dabei niedrigschwellig, weil sie ohne spezielle Geräte auskommt und mit Fingerdruck in bestehende Behandlungsschemata eingebunden werden kann. Gleichzeitig zeigt der Gesamtzuschnitt der Projekte, dass Palliativmedizin zunehmend als System aus medizinischer Behandlung, hospizlicher Begleitung und sozialer Unterstützung verstanden wird. Genau diese Kopplung dürfte auch die Akzeptanz bei unterschiedlichen Berufsgruppen erhöhen – von der ärztlichen Leitung bis zur pflegerischen Durchführung.

Konkrete Grenzen bleiben dennoch Teil der wissenschaftlichen Klärung: Studien müssen Effekte über geeignete Messgrößen nachweisen, und Ergebnisse hängen von Implementierung, Dosierung der Anwendungen sowie Auswahl der Patientinnen und Patienten ab. Bis dahin ist das Projekt AKiPal ein Signal dafür, dass neue therapeutische Impulse in der letzten Lebensphase nicht nur aus der Pharmakologie kommen, sondern ebenso aus komplementären Ansätzen wie Akupressur – eingebettet in kontrollierte Forschung. Parallel zur klinischen Prüfung rücken damit auch Strukturen in den Blick, die die Betreuung über den Krankenhausrand hinaus tragen, etwa durch Zentren wie in Würzburg und durch bessere Entlastungsangebote für Angehörige.

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