BREMEN / LONDON (IT BOLTWISE) – Panattoni und die Nagel-Group treiben im Güterverkehrszentrum (GVZ) Bremen einen neuen Food-Hub voran, der ab Oktober 2026 entsteht. Der Standort ist als Build-to-suit-Projekt auf temperaturgeführte Bereiche für Ambient, Frische und Ultrafrische ausgelegt und verfügt über ein Cross-Dock-Terminal. Mit einem fossilfreien Wärme- und Kälte-Konzept sowie einem Stromspeicher in Kombination mit Photovoltaik soll das Zentrum bereits die Weichen für eine DGNB-Gold-Zertifizierung stellen. Für Norddeutschland wird außerdem mit rund 400 neuen Arbeitsplätzen, darunter Ausbildungsstellen, gerechnet.

Im Güterverkehrszentrum (GVZ) Bremen entsteht ein neues Kapitel der Lebensmittellogistik: Panattoni und die Nagel-Group entwickeln gemeinsam einen modernen Food-Hub, der als Regionalstandort die Abläufe für Transport, Umschlag und Lagerung deutlich näher an die Nachfrage im Norden rückt. Geplant ist der Neubau auf dem letzten zusammenhängenden Grundstück innerhalb des GVZ-Areals mit einer Fläche von 90.510 m². Der Baubeginn soll im Oktober 2026 starten; Fertigstellung und Übergabe werden voraussichtlich im Dezember 2027 erfolgen. Schon die Dimensionierung des Gesamtprojekts macht klar, dass es nicht um eine kleine Erweiterung geht, sondern um den Aufbau eines neuen, skalierbaren Knotenpunkts.
Technisch und betrieblich steht dabei die maßgeschneiderte Build-to-suit-Logik im Vordergrund. Das Areal wird mit rund 29.500 m² Hallenfläche, 5.200 m² Büro- und Sozialflächen sowie 1.950 m² Mezzaninfläche projektiert. Für die Praxis der Food-Distribution sind zwei Komponenten besonders relevant: ein Cross-Dock-Terminal und ein Logistikgebäude mit temperaturgeführten Bereichen. Diese Unterteilung umfasst Ambient, Frische und Ultrafrische – also unterschiedliche Temperaturfenster, die in der Lebensmittellogistik nicht nur Komfort, sondern Qualitäts- und Prozessstabilität bestimmen. Damit kann der Umschlag näher am jeweiligen Temperaturprofil stattfinden, statt Ware nachträglich über längere Strecken mit unterschiedlichen Bedingungen zu bewegen.
Damit ein solches Modell im Tagesbetrieb funktioniert, gehört zur Immobilie mehr als ein Gebäudevolumen. Zum Konzept zählen ein repräsentativer viergeschossiger Bürovorbau sowie eine LKW-Werkstatt mit Waschstraße, ergänzt um eine Tankstelle. Außerdem entsteht eine Ladeinfrastruktur für unterschiedliche Nutzergruppen: LKW, PKW und Fahrräder sollen über die geplanten Flächen angebunden werden, und auf dem Betriebsgelände werden 68 LKW- und Trailerstellplätze geschaffen. Aus IT- und Betriebssteuerungssicht ist das ein Hinweis auf integrierte Abläufe entlang der gesamten Warenkette: vom Anlieferfenster über die Standzeiten bis hin zur Weiterleitung. Je besser die physischen Schnittstellen zwischen Verkehrswegen, Umschlag und Lager organisiert sind, desto weniger Reibung entsteht für Planungssysteme und Qualitätskontrollen.
Die Energieversorgung wird im Projekt ausdrücklich als Teil der Standortstrategie behandelt. Vorgesehen ist der Einsatz eines Stromspeichers zusammen mit Photovoltaikanlagen, sodass selbst erzeugter Solarstrom zwischengespeichert und dann bedarfsgerecht genutzt werden kann. Entscheidender Punkt ist dabei nicht nur die Erzeugung, sondern die Glättung von Lastspitzen und die bessere Ausnutzung der erneuerbaren Einspeisung im Tagesverlauf – ein Thema, das gerade bei temperaturgeführten Bereichen und mehrschichtigen Betriebszeiten relevant ist. Der geplante Batteriespeicher soll zudem durch eine sichere, wartungsarme und skalierbare Technologie überzeugen; außerdem wird der Einsatz überwiegend recycelbarer Rohstoffe ohne seltene Erden hervorgehoben. Für Wärme und Kälte ist eine fossilfreie Heiz- und Kälteanlage mit integrierter Gebäudeleittechnik vorgesehen, mit dem Ziel einer DGNB-Gold-Zertifizierung.
Aus Market- und Standortperspektive passt das Projekt in eine Region, die durch trimodale Anbindung als logistische Drehscheibe wahrgenommen wird. Das GVZ Bremen zählt dank Straßen-, Schienen- und Wasseranbindung zu den leistungsfähigsten Logistikstandorten Europas. Praktisch bedeutet das: Die Nähe zur A281 sowie kurze Wege zur A1 und A27 reduzieren Zeitverluste im Straßenverkehr, während die Lage zum Bremer Flughafen und die gute Erreichbarkeit von Bremerhaven, Wilhelmshaven und Hamburg den nationalen und internationalen Warenfluss unterstützen. Für einen Food-Hub ist das Zusammenspiel besonders wirksam, weil Frische- und Ultrafrische-Sortimente typischerweise auf verlässliche Transportzeiten angewiesen sind und zugleich eine wachsende Nachfrage nach planbarer Lieferqualität entsteht.
Die Rollenverteilung zwischen Projektentwicklung und Nutzerbedürfnissen wird in den Äußerungen der Beteiligten deutlich. Lars-Erik Poths, CEO der Nagel-Group, ordnet den Standort als Investition in die Zukunft der Lebensmittellogistik ein und betont die Verbindung modernster Logistikprozesse mit einem nachhaltigen Energiekonzept sowie die Voraussetzungen für weiteres Wachstum. Fred-Markus Bohne, Managing Partner Panattoni DACH & Nordics, hebt hervor, dass ein Konzept schon in einer frühen Planungsphase entstanden sei, das auf die Anforderungen der Nagel-Group zugeschnitten wurde und sowohl wirtschaftliche Ausrichtung als auch hohe Nachhaltigkeitsstandards mitgedacht habe. Auch von politischer Seite wird die Maßnahme als Beispiel für die Kombination aus wirtschaftlicher Stärke und Transformation eingeordnet: Kristina Vogt, Senatorin für Wirtschaft, Häfen und Transformation, verweist auf rund 400 neue Arbeitsplätze – viele davon in der Ausbildung – sowie auf die eigene Solarenergie und die fossilfreie Heizung. Andreas Heyer, Vorsitzender der Geschäftsführung der WFB Wirtschaftsförderung Bremen GmbH, beschreibt das Gewerbegrundstück im GVZ als mehrfach einzigartig und hebt hervor, dass mit Immobilienentwickler und Nutzer zwei Akteure für eine langfristige Erfolgsgeschichte gewonnen worden seien.
Für die nächsten Jahre ist weniger die Bauphase selbst entscheidend als die betriebliche Wirkung nach Inbetriebnahme. Ein Food-Hub mit Cross-Dock-Logik, klaren Temperaturzonen und integrierter Energiearchitektur kann zum einen die Lieferfähigkeit erhöhen und zum anderen Schwankungen im Transportnetz besser abfedern. Gleichzeitig entsteht ein Arbeitsmarktimpuls, der über die reine Beschäftigungszahl hinausgeht: Wenn, wie genannt, etwa 20 Ausbildungsplätze hinzukommen, wirkt das Projekt auch auf die Nachwuchsfrage in der Logistikbranche. Unterm Strich bündelt der neue Standort in Bremen Logik aus Immobilienentwicklung, Prozessdesign und nachhaltiger Energieversorgung zu einem Paket, das in europäischen Lieferketten vor allem dann zählt, wenn Verlässlichkeit und Skalierbarkeit zusammenkommen.
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