LONDON (IT BOLTWISE) – Der Roborock Rockneo Q1 positioniert sich als kabelloses Einstiegsmodell für kleinere Rasenflächen und setzt auf RTK, VSLAM sowie Stereo-Vision zur Hinderniserkennung. Im Alltag zeigt sich: Die Navigation wirkt solide, aber der Kantenschnitt bleibt selbst mit optionalem Randschnittmodul deutlich hinter der Erwartung zurück. Für Nutzer stellt sich damit die Frage, ob RTK ohne Begrenzungskabel in diesem Preissegment wirklich den Komfort bringt, den Hersteller versprechen. Entscheidend ist am Ende, wie stark der Garten von Randsteinen, Terrassenplatten und „engen“ Übergängen geprägt ist.

Roborock Rockneo Q1 im Test: Kabellose RTK-Navigation für kleine Gärten
Roborock Rockneo Q1 im Test: Kabellose RTK-Navigation für kleine Gärten (Foto: IT BOLTWISE)
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Der Trend zu „kabelloser“ Gartenautomation ist vor allem bei kleineren Grundstücken spürbar: Wer nicht erst Begrenzungskabel verlegen will, sucht nach Alternativen wie kamerabasierten Ansätzen oder GNSS-gestützter Navigation. Mit dem Rockneo Q1 versucht Roborock genau diese Lücke zu schließen und kombiniert RTK-Genauigkeit mit visueller Umfelderkennung. Dadurch will der Mäher in Deutschland ohne klassisches Drahtsystem auskommen und sich stattdessen über die App einrichten lassen. Die Zielgröße nennt der Hersteller dabei recht konkret: Die in Deutschland besonders relevante Variante Rockneo Q105 ist für Rasenflächen bis 500 m² ausgelegt.

Technisch setzt der Rockneo Q105 auf eine Kombination aus RTK und VSLAM für die Navigation sowie zwei Kameras mit Stereo Vision für die Hinderniserkennung. Das klingt nach einem „Hybrid“, der die klassischen Grenzen von GNSS in Gärten abfedern soll: Gerade unter Bäumen oder zwischen Gebäuden ist das Signal nicht immer konstant. Im Test zeigt sich außerdem, dass der Mäher nicht nur theoretisch „smart“ ist, sondern gleichmäßige, überlappende Bahnen fährt und Hindernisse in vielen Fällen zuverlässig umgeht oder stoppt. Gleichzeitig wird die Abhängigkeit vom RTK sichtbar, denn Nutzer kommen faktisch um die Platzierung einer RTK-Referenzstation nicht herum. Diese benötigt möglichst freie Sicht Richtung Himmel, und enge Innenhöfe oder dichter Baumbestand können die Genauigkeit reduzieren.

Bei der Umsetzung im Gehäuse setzt Roborock auf ein kompaktes Format, das nicht an die „großen“ Geräte für mehr Fläche erinnert: Die in Deutschland angebotene Variante bringt 12,2 kg auf die Waage und misst 63 × 42 × 27 cm (L × B × H). Vorn sitzen die Kameras und die Sensorik, oben folgen Regensensor, Display, Bedienelemente und die große Stopptaste. Das Design wirkt funktional statt verspielt; positiv fällt außerdem die gut ablesbare Anzeige bei direktem Sonnenlicht auf. Der Rockneo Q105 ist nach IPX6 geschützt, darf also Regen abbekommen und lässt sich laut Schutzklasse auch mit einem Gartenschlauch reinigen. Beim Schneidwerk arbeitet ein rotierender Mähteller mit drei Klingen, die Schnittbreite beträgt 22 cm, und die Schnitthöhe wird mechanisch zwischen 20 und 60 mm verstellt.

Gerade hier entscheidet sich jedoch, ob das Gerät im Premium-Umfeld bestehen kann: Der Kantenschnitt ist das größte Thema. Ohne das optionale PreciEdge-Randschnittmodul bleibt bauartbedingt mindestens rund 10 cm am Rand ungemäht. Mit PreciEdge sinkt dieser Wert zwar deutlich auf etwa 3 cm – und an überfahrbaren Kanten macht das im Ergebnis spürbar etwas aus. Problematisch bleibt aber die Sicherheitslogik rund um seitliche Hindernisse: Der Roboter hält konstruktionsbedingt und algorithmisch einen großen Abstand zu größeren Objekten am Rand, was je nach Situation zu deutlich sichtbaren Reststreifen führt. Im Test wurden dabei selbst nach Fortschritten in der App noch Randbereiche beobachtet, die insgesamt zu viel Fläche stehen lassen. Für viele Haushalte ist das der Punkt, an dem „kabellos“ nicht automatisch „komfortabel“ bedeutet, denn der Nutzen des RTK-Setups wird am Rande durch den unbefriedigenden Schnitt relativiert.

Auch die App wirkt zwar grundsätzlich ausgereift, zeigt aber typische Unterschiede zwischen Einstiegsmodell und Spitzenklasse. Die Einrichtung erfolgt über die Roborock-App, der Nutzer scannt den QR-Code am Gerät, fügt den Mäher hinzu und folgt den Schritten in der Software. Dabei fallen einzelne ungenaue oder fehlerhafte Übersetzungen auf – ein Detail, das in einem Segment, das stark auf Bedienkomfort setzt, auffällt. Positiv ist die Steuerung mit einem oder zwei virtuellen Sticks sowie die Einstellmöglichkeit der Empfindlichkeit. Zudem bietet die App Funktionen wie Mehrzonenverwaltung, Zeitpläne, Sperrbereiche und den Wildtiermodus, der das Mähen in festgelegten Zeiten pausiert. Interessant ist auch, dass der Funktionsumfang in Richtung Komfort für „moderne“ Anforderungen weitergeht, etwa mit einer Beta-Funktion für besseren Randschnitt und der Option, erkannte Hindernisse nicht nur als Piktogramm, sondern als Foto anzuzeigen. Für den konkreten Nutzen am Rand bleibt aber entscheidend, was der Roboter tatsächlich fährt – und das ist offenbar weiterhin der Engpass.

Im Alltag zeigt sich außerdem, dass das Mähverhalten nicht in jedem Grenzbereich „perfekt“ ist. Für schmale Passagen nennt Roborock eine Mindestdurchfahrtsbreite von 70 cm; im Test gelang eine solche Passage erst zuverlässig ab etwa 80 cm. Und obwohl der Mäher mit RTK, VSLAM und Kameraunterstützung in der Regel gleichmäßige Bahnen fährt, wurde ein etwas erratisches Muster beobachtet: Anfangs weicht der Roboter einzelne Bahnen ab und holt sie später nach, was Zeit kostet. Bei Hindernissen wird zudem sichtbar, dass sehr flache Gegenstände wie etwa ein Gartenschlauch häufig übersehen werden. Vertikale Hindernisse soll der Rockneo Q1 bis etwa 4 cm überwinden können; im Test klappte das mit einer Dachlatte, die 3,6 cm hoch war. Für den Käufer bedeutet das: Der Rockneo Q105 ist für viele reale Gartensituationen solide, aber er verzeiht weniger als manche Konkurrenz, wenn es um „feine“ Randbedingungen und schwer erkennbare Objekte geht.

Abgerundet wird das Bild durch Eckdaten, die im Budgetsegment relevant sind: Beim Akku nutzt der Rockneo Q105 einen Lithium-Ionen-Akku mit 4 Ah, die Laufzeit gibt der Hersteller mit bis zu 100 Minuten an, die Ladezeit mit etwa 95 Minuten. Eine 500-m²-Fläche bewältigte der Mäher im Test innerhalb eines Tages. Die Herstellerangabe von bis zu 1.000 m² bezieht sich laut Einordnung vermutlich auf standardisierte Bedingungen über 24 Stunden und inklusive Nachtfahrten, von denen im Heimbetrieb üblicherweise abgeraten wird. Bei Preisen liegt der Rockneo Q105 in Deutschland bei 799 Euro UVP; als niedrigster Straßenpreis wurden 739 Euro genannt (Stand 07/2026). Das optionale PreciEdge-Modul schlägt mit rund 150 Euro zu Buche. Genau diese Preiskalkulation ist letztlich die Kaufentscheidung: In der getesteten Kombination aus RTK-Setup und Zusatzmodul wirkt der Gesamtpreis relativ hoch, während die Kernschwachstelle – der Randschnitt – nicht im gleichen Maß mitzieht. Wer einen Garten mit gut überfahrbaren Kanten hat und primär die kabellose Navigation ohne Begrenzungsdraht sucht, bekommt ein interessantes Einstiegspaket. Wer hingegen vor allem an sauberen Übergängen entlang von Randsteinen, Terrassenplatten und gemischten Randzonen misst, sollte die Mehrkosten für die RTK-Ausstattung und das PreciEdge-Modul kritisch gegen die zu erwartende Verbesserung abwägen.


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