LONDON (IT BOLTWISE) – Steigende Ausgaben für Künstliche Intelligenz und ein wieder über 100 US-Dollar je Barrel kletternder Ölpreis haben die US-Börsen am Donnerstag belastet. Nach einer kurzen Erholung am Dienstag drehten viele Anleger zurück in eine Abwarteshaltung und verkauften vor allem Technologiewerte. Besonders bei Alphabet und Tesla zeigten sich Enttäuschungen über die zu erwartende Kostenkurve. Damit verschiebt sich der Fokus bei Investoren stärker auf Gewinnmargen, nicht nur auf Wachstum.

Die US-Börsen haben den Handelstag mit spürbarem Risikoabbau beendet, nachdem sich die Stimmung bereits nach der kurzen Erholung am Dienstag wieder gekippt hatte. In der Wochenmitte blieb die Zurückhaltung zunächst intakt, doch am Donnerstag stießen viele Anleger Aktien ab – vor allem solche, die in den vergangenen Monaten stark von der KI-Story profitiert hatten. Der Nasdaq-100-Index schloss mit einem Abschlag von 1,87 % bei 28.454,81 Zählern, während der Dow Jones Industrial um 0,97 % auf 51.711,65 Punkte zurückging. Auch der marktbreite S&P 500 verlor 1,21 % und beendete den Tag bei 7.408,30 Zählern.
Ein zentraler Treiber für die sinkende Risikobereitschaft kam dabei aus dem Energiemarkt. Der Ölpreis der Nordseesorte Brent stieg erstmals seit zwei Monaten wieder über 100 US-Dollar je Barrel. Diese Schwelle ist für Märkte nicht nur wegen der direkten Kostenbelastung relevant, sondern auch, weil sie erneut Inflationssorgen und damit die Erwartung an mögliche Zinsanhebungen durch die US-Notenbank Fed befeuern kann. Wenn höhere Energiepreise in Prognosen durchschlagen, werden Marktteilnehmer häufig vorsichtiger bei Aktien mit langen Bewertungszeiträumen – und genau diese Gruppe findet sich im Technologie-Cluster stark wieder.
Auf der Unternehmensseite trafen die Sorgen über steigende KI-Budgets und deren zeitliche Wirkung auf die Ergebnisrechnung die Investoren besonders deutlich. Alphabet, die Google-Mutter, musste einen Kursrutsch von 7,1 % hinnehmen, nachdem Umsatzseitig zwar die Erwartungen übertroffen wurden, der Markt jedoch offenbar stärker auf die Kapitalausgaben für den Ausbau der KI-Infrastruktur reagierte. Damit wurde die bisherige Annahme, dass mehr KI-Ausgaben automatisch kurzfristig in sichtbaren Effekten münden, zumindest kurzfristig infrage gestellt. Entsprechend groß war der unmittelbare Bewertungsdruck: Umgerechnet wurden damit rund 300 Milliarden US-Dollar Börsenwert vernichtet.
Noch deutlicher fiel die Reaktion bei Tesla aus: Die Aktie gab um 14,5 % nach. Zwar verwies der Markt auf steigende Absatz- und Umsatzzahlen, doch die Investitionslast führte nach Einschätzung von Marktteilnehmern zu einem deutlich geringeren Gewinn als erwartet. Damit zeigt sich ein Muster, das bei vielen KI- und Wachstumswerten bereits in der Vergangenheit wiederholt wurde: Hohe Investitionen können die operative Hebelwirkung kurzfristig verschieben, insbesondere dann, wenn die Finanzierung über höhere Ausgaben statt über schnellere Margeffekte erfolgt. Auf Ebene der gesamten „Magnificent Seven“ sank der Index um 4,8 %; für diese Gruppe ging an einem einzigen Tag ein Börsenwert von fast 800 Milliarden US-Dollar verloren.
Während die Mega-Caps an Aufmerksamkeit dominierten, setzte sich der Druck auf breiterer Ebene fort – zum Teil aus anderen Gründen. Für Texas Instruments ging es dennoch um 3,1 % ab, obwohl Zahlen stark ausfielen und der Ausblick auf das dritte Quartal die Erwartungen übertraf. Der Mechanismus dahinter wirkt in einem solchen Umfeld typisch: Nach einem kräftigen Lauf bei Halbleiterwerten werden Gewinne mitgenommen, sobald die Gesamtstimmung durch Makrofaktoren oder die Bewertung großer Tech-Konzerne einbricht. Auch T-Mobile verlor knapp 11 %; der Mobilfunkanbieter hatte zwar im zweiten Quartal mehr neue Kunden als erwartet gewonnen, lag beim Niveau im Vergleich zum Vorjahr jedoch schwächer als zuvor und damit auch hinter dem Tempo eines zentralen Wettbewerbers zurück.
Andere Technologietitel wirkten hingegen weniger stark, dafür aber mit konkreten Unternehmenshinweisen. IBM schloss nach zwischenzeitlichen Ausschlägen mit plus 0,4 %, nachdem das Unternehmen nach einem enttäuschend verlaufenen Quartal seine Umsatzprognose für 2026 leicht gesenkt und gleichzeitig signalisiert hatte, die Kosten stärker zu drücken als ursprünglich geplant. Das Ziel: den Zahlungsmittelzufluss um eine Milliarde US-Dollar zu steigern. Parallel dazu endete Intel mit minus 2,3 % im Minus, nachdem der Chip-Hersteller nachbörslich über sein Quartal berichtet hatte – auch hier spielt offenbar weniger das absolute Ergebnis als vielmehr die erwartete Profitabilitäts- und Kostenentwicklung eine Rolle für die kurzfristige Neubewertung.
Auch jenseits von Software und Hardware kam es zu deutlichen Bewegungen. Intel und IBM standen sinngemäß für den Tech-Teil, American Airlines dagegen für den zyklischen Rest des Marktes: Die Aktie fiel um 8,4 %; der Kursrutsch zog die in ähnlicher Konjunkturphase betrachteten Airlines nach unten, darunter United Airlines, Jetblue und Delta Air Lines. Die Begründung ist unmittelbar: Wegen hoher Treibstoffpreise schließt American Airlines in diesem Jahr einen Verlust nicht aus. In einem Umfeld, in dem Energiepreise wieder anziehen und Zinsnarrative empfindlicher werden, rechnen Investoren in solchen Fällen schneller mit verschlechterten Margen – selbst wenn die operativen Kennzahlen kurzfristig noch stabil wirken.
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