WASHINGTON / LONDON (IT BOLTWISE) – Die Schweiz steht weiterhin auf der US-Beobachtungsliste für mögliche Währungsmanipulationen. Grundlage ist der halbjährliche Report des US-Finanzministeriums, der die Devisen- und Wirtschaftspolitik zentraler Handelspartner bewertet. Laut aktueller Einstufung erfüllt die Schweiz nur noch eines von drei Kriterien – damit wächst die Chance, bei der nächsten Veröffentlichung von der Liste zu verschwinden. Gleichzeitig bleibt unklar, welche konkreten Anpassungen die Wahrscheinlichkeit einer Streichung im nächsten Zyklus erhöhen.

Schweiz bleibt auf US-Beobachtungsliste für Währungsmanipulation – mit Chance auf Streichung
Schweiz bleibt auf US-Beobachtungsliste für Währungsmanipulation – mit Chance auf Streichung (Foto: IT BOLTWISE)
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Die Schweiz bleibt vorerst auf der US-Beobachtungsliste für mögliche Währungsmanipulationen: In dem aktuellen halbjährlichen Bericht führt das US-Finanzministerium neben neun weiteren Ländern insgesamt zehn Staaten, deren Devisen- und Wirtschaftspolitik eine erhöhte Aufmerksamkeit verdient. Im Kern geht es dabei nicht um einen sofortigen formellen Vorwurf, sondern um eine laufende Bewertung nach klar definierten Kriterien, die über Jahre hinweg festlegen sollen, ob ein Handelspartner durch Währungseingriffe unfairen Wettbewerbsvorteile schafft. Für Schweizer Unternehmen und Finanzmarktteilnehmer ist die Einordnung vor allem deshalb relevant, weil sich der Status direkt darauf auswirken kann, wie US-Seite Risiken und Exportbedingungen in den nächsten Zyklen einordnet.

Der Mechanismus ist bewusst hart getaktet: Der Report erscheint alle sechs Monate und untersucht die Praktiken größerer Handelspartner der USA. Diese Gruppe macht laut Bericht insgesamt rund 80 Prozent des US-Außenhandels aus. Dabei nutzt das US-Finanzministerium ein Raster aus drei Kriterien, von denen für eine vertiefte Untersuchung offenbar alle drei erfüllt sein müssen. Im aktuellen Zyklus stellt das Ministerium fest, dass keiner der größeren Handelspartner sämtliche drei Kriterien für eine vertiefende Prüfung im Jahr 2025 erfüllt. Trotzdem werden zehn Länder auf die Beobachtungsliste gesetzt, wenn sie zwei von drei Kriterien erreichen – und bleiben dort mindestens für zwei weitere halbjährliche Reports, um sicherzustellen, dass politische Maßnahmen nicht nur kurzfristig wirken.

In der aktuellen Liste taucht die Schweiz neben China, Japan, Süd-Korea, Taiwan, Thailand, Singapur, Vietnam und Irland auf. Auffällig ist jedoch die konkrete Lage der Schweiz innerhalb des Bewertungsrasters: Laut Bericht erfüllt das Land derzeit nur noch eines von drei Kriterien. Das unterscheidet die Schweiz zugleich von der Logik mancher Beobachtungsfälle, bei denen die wiederholte Erfüllung mehrerer Kriterien den Verbleib verstetigt. Entscheidend ist jetzt die Formulierung des US-Finanzministeriums: Die Schweiz sowie Thailand und Singapur sollen von der Beobachtungsliste entfernt werden, wenn sie bei der nächsten Ausgabe weniger als zwei Kriterien erfüllen.

Dass diese Passage überhaupt Spielraum eröffnet, hängt auch mit dem Zeitpunkt der letzten Einstufung zusammen. Die US-Seite hatte die Schweiz im Juni 2025 auf die Beobachtungsliste gesetzt. Der aktuelle Report zeigt demnach, dass sich mindestens ein Teil der relevanten Indikatoren oder Bewertungen gegenüber dem damaligen Stand verändert hat. Für die Schweizer Perspektive ist zudem zentral, dass die Schweizerische Nationalbank (SNB) den Vorwurf der Währungsmanipulation stets zurückgewiesen hat. Gerade bei einer SNB, die seit Jahren über Devisenmarktinterventionen ihren geldpolitischen Rahmen stabilisieren will, ist das Spannungsfeld häufig weniger die Absicht als vielmehr die Auslegung: Die USA fragen nach potenziellen Wettbewerbswirkungen, während die SNB darauf verweist, dass Interventionen ein Instrument zur Sicherung angemessener monetärer Rahmenbedingungen sind und der gesetzlichen Aufgabe der Preisstabilität dienen.

Ein wichtiger Kontextpunkt ist dabei die gemeinsame Erklärung, die im vergangenen September unterzeichnet wurde. In dieser Vereinbarung haben das Eidgenössische Finanzdepartement, die Nationalbank und das US-Finanzministerium die Position zu makroökonomischen und wechselkursbezogenen Themen festgehalten. Darin bekräftigen die Schweiz und die USA, Wechselkurse nicht dazu zu benutzen, Zahlungsbilanzanpassungen zu verhindern oder sich unfaire Wettbewerbsvorteile zu verschaffen. Zugleich wird bestätigt, dass eine Devisenmarktintervention für die SNB ein wichtiges geldpolitisches Instrument ist. Für Unternehmen, die regelmäßig mit Währungsvolatilität, Hedge-Kosten und Exportkalkulation zu tun haben, bedeutet das: Die offizielle Argumentationslinie bleibt kohärent, aber die US-Bewertung entscheidet am Ende nach dem von der US-Seite festgelegten Kriterienkatalog und dessen Ergebnis in den jeweils gemessenen Parametern.

Technisch betrachtet steht hinter dem Beobachtungsmechanismus weniger ein einzelner Eingriff als vielmehr die wiederholte Kombination aus Wechselkursentwicklung, wirtschaftspolitischem Kontext und Bewertung der Devisenmarktaktivität. Genau deshalb wirkt die Regel „zwei von drei Kriterien“ pragmatisch, aber auch potenziell volatil: Ein Land kann auf der einen Seite durch veränderte makroökonomische Rahmenbedingungen Punkte verlieren, auf der anderen Seite aber auf der Liste bleiben, wenn sich eine Kombination von Faktoren erneut als „erklärungsbedürftig“ erweist. Dass die US-Regierung für mindestens zwei weitere halbjährliche Reports am Status festhält, soll politische Maßnahmen und Bewertungen verstetigen. Für die Schweiz heißt das: Selbst wenn sich die Indikatoren verbessern, kommt der Effekt in der Regel erst im nächsten Zyklus vollständig sichtbar an.

Marktseitig ist die nächste Veröffentlichung damit mehr als ein formales Update. Sie beeinflusst, wie Risikoteams in Banken und Unternehmen das regulatorische Narrativ in ihre Szenarien einpreisen, etwa bei der Bewertung potenzieller Handels- oder Finanzmarktrisiken. Auch die Kommunikation wird dadurch wichtiger: Zwar werden die Vorwürfe nicht als abgeschlossenes Verfahren formuliert, aber die Beobachtungsliste erzeugt dennoch Aufmerksamkeit. Für die Schweiz dürfte es daher vor allem darum gehen, die eigene geldpolitische Strategie und deren Interpretationsrahmen gegenüber der US-Kriterienlogik sauber abzugleichen, damit aus „aktuell ein Kriterium erfüllt“ im nächsten Report wirklich „weniger als zwei Kriterien“ wird.


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