KÄRNTEN / LONDON (IT BOLTWISE) – In Entsorgungsanlagen häufen sich Brände, weil Lithium-Ionen-Batterien immer häufiger im Restmüll landen. Allein für Deutschland werden dabei täglich rund 30 Brände in der Abfallwirtschaft als Schätzwert genannt. Neue Ansätze aus der Sortiertechnik setzen darauf, Akkus weniger zu beschädigen und damit Hotspots zu vermeiden. Parallel steigt der politische Druck, Rücknahmesysteme und finanzielle Anreize gesetzlich zu verankern.

Batterie-Brände im Recycling: Falsch entsorgte Lithium-Ionen-Akkus treiben das Risiko stark
Batterie-Brände im Recycling: Falsch entsorgte Lithium-Ionen-Akkus treiben das Risiko stark (Foto: IT BOLTWISE)
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Wer heute Batterien in den Wertstoffkreislauf bringen will, muss vor allem ein anderes Risiko verstehen: Nicht der Akku als Produkt ist das Problem, sondern die Kombination aus falscher Entsorgung, mechanischer Behandlung und unpassenden Brandbarrieren in Sortier- und Entsorgungsprozessen. Berichte aus der Abfallwirtschaft nennen als Kernursache Lithium-Ionen-Batterien im Restmüll. Das ist insofern kritisch, weil diese Akkus bei Beschädigung in einen thermischen Gefährdungszustand geraten können, der sich bis zum Brand hochschaukelt – besonders, wenn nachgelagerte Prozesse wie Zerkleinern oder Fördertechnik Material weiter aufbereiten. Allein für Deutschland wird als grober Schätzwert genannt, dass es rund 30 Brände pro Tag in der Abfallwirtschaft gibt.

Die Dimension dahinter wird greifbar, wenn man die Fehlwürfe quantifiziert: Innerhalb von zehn Jahren sei die Zahl falsch entsorgter Lithium-Batterien im Restmüll um 300 Prozent gestiegen. Umgerechnet steckten im Schnitt acht Batterien pro Tonne Restmüll; das entspricht rund 70 potenziellen Brandherden pro Müllfahrzeug. Auf betrieblicher Ebene heißt das: Die Risikobewertung kann nicht mehr nur mit „gelegentlichen Ausreißern“ planen, sondern muss mit einer deutlich höheren Eintrittswahrscheinlichkeit arbeiten. Dass die Gefahr nicht theoretisch bleibt, zeigen dokumentierte Ereignisse wie eine Explosion im Juli 2026 in Kärnten, ein Brand in Troisdorf an einem Sicherungsbehälter für Batterien auf einem Wertstoffhof sowie Einsätze der Feuerwehr bei Bränden in Recyclingbetrieben in Dummerstorf, Bochum und Essen.

Technisch setzt der Ansatz „weniger Kontakt, weniger Schaden“ an einer Stelle an, die in der Praxis oft unterschätzt wird: Vorzerkleinerer und andere mechanische Schritte erhöhen die Wahrscheinlichkeit von inneren Schäden, selbst wenn die Batterie danach „nur“ als Materialbestandteil weiterverarbeitet wird. Genau hier kommt Bag-Öffner-Technik in Sortieranlagen ins Spiel. Laut einer Studie von einer Fachhochschule Münster zusammen mit dem Unternehmen BRT HARTNER sollen Bag-Öffner das Brandrisiko senken, weil Batterien anders als bei Vorzerkleinerern kaum in direkten Kontakt mit Zerkleinerungs- oder Schnittmechanismen kommen. In dieser Logik geht es weniger um „Batterien herausfiltern“, sondern darum, das Schadensrisiko während des Transports und der Aufbereitung so gering wie möglich zu halten.

Die betriebliche Wirkung lässt sich dabei offenbar an der Häufigkeit von Hitzemeldungen festmachen: Anlagen mit Bag-Öffnern melden maximal drei bis vier Hitzemeldungen pro Monat, während Vorzerkleinerer im Schnitt auf etwa drei Hitzemeldungen pro Tag kommen. Zusätzlich nennt der Hersteller bzw. Betreiber-Kontext eine weitere harte Kennzahl: Bei über 800 verkauften Einheiten sei bislang kein Brand gemeldet worden. Für Sicherheitsverantwortliche verschiebt das die Gewichtung in der Gefährdungsbeurteilung im Brandschutz. Denn statt nur auf organisatorische Maßnahmen und Notfallketten zu setzen, rückt eine messbare technische Prävention in den Vordergrund: Durchsatz, Materialfluss und mechanische Beanspruchung werden zu Stellhebeln, die direkt auf die Eintrittsbedingungen für thermische Ereignisse wirken.

Neben der Technik wirkt auch die Markt- und Politikseite: Die Sammelquote für Lithium-Ionen-Batterien wird in den vorliegenden Zahlen mit 13 Prozent als sehr niedrig beschrieben. Verbände wie die Wirtschaftskammer Niederösterreich (WKNÖ) sowie der Verband österreichischer Entsorger (VÖA) fordern deshalb ein gesetzlich verankertes Rücknahmesystem mit finanziellen Anreizen. Genannt wird eine Spanne von 0,50 bis 50 Euro pro Batterie, weil ein höherer ökonomischer Impuls die Rücklaufquoten merklich steigern soll. Modellrechnungen gehen dabei sogar davon aus, dass eine solche Regelung die EU-Sammelquote von 73 Prozent übertreffen und innerhalb von fünf Jahren Brandschäden in Höhe von 480 Millionen Euro verhindern könnte. Für die Umsetzung ist zudem wichtig, dass gleichzeitig regulatorische Änderungen bereits konkret anstehen: Ab dem 1. Januar 2027 sollen Einweg-E-Zigaretten mit Lithium-Batterien verboten werden.

Dass Batteriesicherheit kein isoliertes Thema ist, zeigt der Blick auf gefährliche Abfälle insgesamt: Für Deutschland werden für 2024 rund 23,1 Millionen Tonnen gefährliche Abfälle ausgewiesen, ein Plus von 2,4 Prozent zum Vorjahr. Bau- und Abbruchabfälle machen dabei mit 8,9 Millionen Tonnen den größten Anteil aus (38,8 Prozent). In so einem Umfeld ist Brandschutz mehr als das Aushängen von Verboten; er wird zu einem fortlaufenden System aus Stoffstromanalyse, Prozesskontrolle und Dokumentation. Der Hinweis auf eine kostenlose Excel-Vorlage zur Gefährdungsbeurteilung im Brandschutz passt genau in dieses Muster: Sicherheitsfachkräfte sollen alle relevanten Faktoren und Rechtsgrundlagen nachvollziehbar zusammenführen können, statt sie über mehrere Dokumente zu verstreuen. Für Unternehmen mit Sortieranlagen oder Logistikprozessen bedeutet das: Wer die mechanische Behandlung, die Sensorik und die Verfahrensdokumentation zusammen betrachtet, kann Risiken nicht nur reduzieren, sondern auch gegenüber Prüfstellen konsistenter begründen.

Am Ende bleibt die Kernbotschaft: Die Brandlast in der Entsorgungswirtschaft ist kein Schicksal, sondern das Ergebnis von Fehlwürfen und Prozessdesign. Der Sprung von Fehlwürfen um 300 Prozent innerhalb eines Jahrzehnts zeigt, wie stark sich die Risikoprofile verändern, wenn Rücknahme- und Sammelmechanismen nicht ausreichend greifen. Gleichzeitig legen die beschriebenen Unterschiede zwischen Bag-Öffnern und Vorzerkleinerern nahe, dass technische Schutzkonzepte in der Sortierung kurzfristig messbare Effekte haben können. Wenn die Branche jetzt sowohl die Materialvermeidung durch Rücknahmesysteme als auch die Schadensminimierung im Prozess kombiniert, wird Brandschutz vom reaktiven Thema zur planbaren Sicherheitsarchitektur – und damit auch für Betreiber wirtschaftlich greifbarer.


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