HAMBURG / LONDON (IT BOLTWISE) – Eine aktuelle Umfrage von CRIF zeigt, dass 61 Prozent der Unternehmen in Deutschland die unsicherste Phase ihrer bisherigen Laufbahn erleben. Gleichzeitig blicken 87 Prozent der Firmen mit Sorge auf die nächsten 12 Monate, während 70 Prozent langfristige Planungen als deutlich erschwert einstufen. Als Haupttreiber nennen viele Befragte steigende Kosten, hohe Inflation und geopolitische Spannungen. Besonders auffällig: 46 Prozent der Unternehmen nutzen bereits KI, um Effizienz und Kosten zu verbessern.

Die wirtschaftliche Lage trifft Unternehmen in Deutschland derzeit nicht nur bei einzelnen Kostenpositionen, sondern vor allem bei der Planbarkeit. 61 Prozent der Befragten stimmen der Aussage zu, dass sie aktuell die unsicherste Zeit ihrer bisherigen unternehmerischen Laufbahn erleben. Damit liegt Deutschland über dem internationalen Durchschnitt von 57 Prozent und auch spürbar vor mehreren Vergleichsländern: 60 Prozent in Großbritannien, 55 Prozent in Italien sowie Werte in Irland und Polen, die zwar hoch bleiben, aber darunter. Diese Verteilung ist für Entscheider relevant, weil sie zeigt, dass sich die Unsicherheit nicht als lokales Detailproblem versteht, sondern als breites Stabilitäts- und Steuerungsrisiko.
Dass die Sorgen so stark ausfallen, schlägt sich bereits in den Erwartungen für den kurzen Horizont nieder. Laut Umfrage blicken 87 Prozent der Unternehmen in Deutschland mit Sorge auf die kommenden zwölf Monate; 70 Prozent sehen dadurch langfristige Planungen erschwert. Die größten unmittelbaren Treiber sind dabei aus Sicht der Unternehmen steigende Kosten: 54 Prozent erwarten, dass die eigenen Betriebskosten deutlich zunehmen. Ergänzend berichtet jedes vierte Unternehmen (25 Prozent), sinkende Gewinne befürchten zu müssen. Parallel taucht auch ein technologiebezogenes Risiko auf: 25 Prozent äußern die Sorge, bei der Entwicklung von KI-Anwendungen und neuen technologischen Möglichkeiten ins Hintertreffen zu geraten. Damit entsteht ein klassisches Management-Dilemma aus Kostendruck und Wettbewerbsdruck, bei dem KI in den nächsten Planungszyklen nicht mehr nur „Experiment“ bleibt.
Auch die Liquiditäts- und Finanzierungsseite wird in der Studie konkretisiert. 21 Prozent sehen Risiken bei der Erfüllung laufender Zahlungsverpflichtungen wie Gehältern, Krediten oder Lieferantenrechnungen; weitere 20 Prozent erwarten Herausforderungen bei der Aufrechterhaltung eines gesunden Cashflows. Während 18 Prozent mit einer generellen Verschlechterung der finanziellen Situation rechnen, sorgen sich 17 Prozent um den Zugang zu Finanzierungen und Krediten. Solche Werte sind für Unternehmen besonders deshalb sensibel, weil sie den Abstand zwischen strategischen Vorhaben und operativer Ausführung verkürzen: Wenn Cashflow und Kreditzugang unsicher werden, werden Budgets häufiger umgeschichtet, Prioritäten neu sortiert und Programme beschleunigt oder gestoppt. In diesem Kontext ist es weniger erstaunlich, dass neben der internen Kostenlage auch der Blick nach außen stark dominiert.
Als größte externe Risiken nennen die Unternehmen vor allem Inflation, wirtschaftliche Abschwächung und internationale Konflikte. Mit 48 Prozent wird eine anhaltend hohe Inflation zusammen mit steigenden Kosten als größter Risikofaktor genannt; Deutschland liegt damit deutlich über Großbritannien und Polen (jeweils 37 Prozent) sowie über Italien (33 Prozent). Darüber hinaus sorgen sich 39 Prozent um eine Abschwächung der deutschen Wirtschaft, während 36 Prozent negative Auswirkungen durch eine schwächere konjunkturelle Entwicklung in Europa befürchten. Geopolitische Risiken gewinnen ebenfalls an Gewicht: 33 Prozent nennen Konflikte und Instabilität im Nahen Osten, weitere 31 Prozent rechnen mit negativen Effekten durch die angespannten Beziehungen zwischen Europa und den USA, etwa durch neue Handelsbarrieren oder zusätzliche Zölle. Der gemeinsame Nenner dieser Punkte ist, dass sie Ketteneffekte auslösen können – von Inputkosten bis zur Nachfrage – und damit sowohl die Umsatzseite als auch die Planungslogik beeinflussen.
Die Unsicherheit schlägt sich in unmittelbaren Anpassungen nieder, und zwar sichtbar auch in der Unternehmenspraxis. 65 Prozent der deutschen Unternehmen sind der Ansicht, dass die aktuelle wirtschaftliche und geopolitische Lage die Konsumnachfrage reduziert. 73 Prozent sehen hohe Kosten und Inflation als zunehmende Hürde für die Unternehmensführung, 57 Prozent betrachten geopolitische Spannungen als zusätzlichen Unsicherheitsfaktor. Entsprechend verändern viele Firmen ihre Umsetzungsschritte: 32 Prozent überarbeiten Wachstumspläne, 32 Prozent pausieren oder verschieben Neueinstellungen, 30 Prozent konzentrieren sich stärker auf Kosteneffizienz und 24 Prozent passen Expansions- oder Investitionspläne an beziehungsweise verschieben sie. Parallel zeigt sich, dass das Thema KI in dieser Phase deutlich mehr Zugkraft bekommt: 46 Prozent der Unternehmen setzen KI gezielt ein, um Kosten zu senken – im internationalen Vergleich ist das eine Spitzenposition. Diese Zahlen deuten darauf hin, dass KI in der deutschen Unternehmensrealität zunehmend als Steuerungshebel verstanden wird, nicht nur als Innovationsprojekt.
Bemerkenswert ist zudem, wie Unternehmen KI begründen und welche Art von Nutzen sie erwarten. Die Motive sind in der Studie vor allem betriebswirtschaftlich: 57 Prozent setzen KI ein, um administrative Prozesse effizienter zu gestalten; auch bei der Automatisierung operativer Abläufe ist Deutschland mit 55 Prozent vorne. Daneben sehen 53 Prozent KI als wichtigen Faktor zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit. Für die Markt- und Kundenschnittstelle erwarten 45 Prozent Verbesserungen beim Kundenerlebnis, etwa durch intelligentere digitale Interaktionen oder automatisierte Prozesse. Gleichzeitig bleibt der Blick nicht nur auf Effizienz gerichtet, sondern auch auf Risiko und Governance: 77 Prozent der Unternehmen finden, dass KI-basierte Entscheidungen weiterhin menschlich überprüft werden sollten. 47 Prozent erwarten, dass KI Finanzentscheidungen beschleunigen und individuellere Angebote ermöglichen kann, während 48 Prozent Bedenken hinsichtlich möglicher Fehlentscheidungen äußern und 44 Prozent potenzielle Betrugsrisiken sehen. Nur 43 Prozent halten die zuständigen Regulierungsbehörden für ausreichend vorbereitet, was in der Summe zeigt, dass Vertrauen und Kontrollmechanismen derzeit nicht automatisch mit der Technologieverbreitung mitwachsen.
Auch das Verhältnis zum Finanzsystem bleibt ein zentraler Teil der Bewertung. 52 Prozent stimmen der Aussage zu, dass Europas Finanzsystem stark genug ist, Unternehmen auch in Zeiten globaler Krisen zu unterstützen. Gleichzeitig sorgen sich 55 Prozent um die finanzielle Widerstandsfähigkeit einzelner Banken und Finanzdienstleister. 24 Prozent glauben sogar, dass ihr Unternehmen die kommenden zehn Jahre möglicherweise nicht überstehen wird; mehr als die Hälfte lehnt diese Einschätzung dagegen ab. Damit entsteht ein zweigeteiltes Bild: Während viele Unternehmen das System grundsätzlich nicht infrage stellen, sehen sie auf der Ebene einzelner Institutionen und im operativen Tagesgeschäft ein deutlich höheres Risiko. Für die nächsten Monate heißt das: KI-Nutzung wird zwar ausgeweitet, aber Unternehmen bauen parallel stärker an ihrer operativen Resilienz – über Kostensteuerung, Prozessautomatisierung und eine engere Beobachtung von Cashflow und Finanzierungszugängen.
Die Studie selbst ordnet sich über die Methode ein: Opinium befragte zwischen dem 20. März und dem 7. April 2026 insgesamt 500 Unternehmensentscheider in Europa, darunter in Deutschland, Irland, Italien, Polen und dem Vereinigten Königreich. Für IT- und Strategieentscheider ist dabei besonders die Kombination aus Ergebnissen relevant: Hohe Unsicherheit, konkrete Kostenerwartungen und gleichzeitig messbar zunehmende KI-Nutzung. In der Praxis spricht das für eine zweite Phase der KI-Einführung – weg von reinem Pilotieren hin zu messbaren Produktivitäts- und Effizienzprogrammen, die in schwierigen Budgetjahren bestehen müssen. Ob der erwartete Effekt tatsächlich eintritt, hängt dann an Faktoren wie Datenqualität, Automatisierungsgrad, interner Modell-Governance und daran, wie gut Unternehmen KI-Entscheidungen in bestehende Prozesse integrieren, ohne die Kontrolle zu verlieren.
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