SÜDKOREA / LONDON (IT BOLTWISE) – Ein südkoreanisches Berufungsgericht hat einen Teil der Forderungen im „Divorce of the century“-Streit zwischen dem KI-Milliardär Chey Tae-won und seiner Ex-Frau Roh Soh-yeong entschieden. Statt der angestrebten Summe nahe einer Milliarde US-Dollar muss Chey nun rund 645 Millionen US-Dollar in bar zahlen. Der Fall war über ein Jahrzehnt aufgebläht und verband den öffentlichen Ehebruch mit Streitigkeiten über die Herkunft von Vermögen innerhalb einer Unternehmensdynastie. Parallel machte der KI-Boom die Schlüsselrolle von SK Hynix für NVIDIA besonders sichtbar und damit auch die Größenordnung des Ex-Ehevermögens.

KI-Milliardär in Südkorea: Gericht kippt „Divorce of the Century“ auf 645 Mio. US-Dollar
KI-Milliardär in Südkorea: Gericht kippt „Divorce of the Century“ auf 645 Mio. US-Dollar (Foto: IT BOLTWISE)
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Das Urteil wirkt auf den ersten Blick wie eine Schlagzeile über Ehe und Vermögen. Tatsächlich zeigt es aber, wie eng in Südkorea Privatkonflikte, Unternehmensmacht und die jüngste KI-getriebene Börsenstory miteinander verflochten sind: Ein Berufungsgericht hat den Streit im sogenannten „Divorce of the century“ zwischen Chey Tae-won, Vorsitzender von SK Group, und seiner Ex-Frau Roh Soh-yeong auf eine Zahlung von rund 645 Millionen US-Dollar in bar zugespitzt. Damit bleibt die Zahlung deutlich unter dem Betrag, den Roh zuvor geltend gemacht hatte, und das Gericht beschneidet zugleich die bisherige Dynamik der jahrelangen Verfahren. Die Entscheidung soll einen möglichen Schlusspunkt setzen, auch wenn die Verteidigung Spielraum für weitere Instanzen prüft.

Technisch und wirtschaftlich ist der Hintergrund bemerkenswert: Cheys Vermögen wurde über Jahre maßgeblich durch den KI-Boom gestützt. Im Zentrum steht dabei weniger eine einzelne Software-Story als die Infrastrukturkette rund um Speicherchips. SK Hynix, ein zentraler Zulieferer in diesem Ökosystem, profitierte laut der zugrunde liegenden Argumentation besonders davon, dass Memory-Komponenten für KI-Systeme an Bedeutung gewonnen haben. Das erklärt, warum sich die Scheidung nicht nur um „gefühltes“ Familienvermögen drehte, sondern um Bewertungsfragen, die stark davon abhängen, wann Vermögen entsteht und wie Gerichte Aktienpakete zum relevanten Stichtag bewerten.

Juristisch spannend ist die Größenordnung der Neubewertung: Roh hatte eine Summe nahe „fast einer Milliarde US-Dollar“ angestrebt, doch das Berufungsgericht sprach ihr etwa ein Drittel des Vermögens zu, das die Richter zuvor in ihre Berechnung einbezogen hatten. Ausschlaggebend war dabei offenbar, wie die Richter die Beteiligungen von Chey zum Zeitpunkt der Berechnung gewichtet haben – in einer Phase, in der die SK-Hynix-Aktien während des KI-Hypes deutlich explodierten. Damit prallen zwei Logiken aufeinander: Eine Seite betrachtet den Kernwert als Teil des gemeinsamen Lebensprojekts und will die Entwicklung bis in die Gegenwart hinein mitnehmen. Die andere Seite argumentiert sinngemäß, dass bestimmte Wertsteigerungen stärker vom Markt getrieben seien als von der „Substanz“, die im Kern der Eheentscheidung steht.

Der Fall begann jedoch nicht mit Börsengrafen, sondern mit einem öffentlichen Bruch im Jahr 2015. Chey hatte in einem dreiseitigen Schreiben erklärt, er wolle einen „clean end“ für die 27-jährige Ehe, weil er sich in eine andere Frau verliebt habe und mit ihr ein Kind gezeugt habe. Damals traf die Offenbarung eine bis dahin öffentlich gefeierte Ehe, die in Südkorea zeitweise als „marriage of the century“ beschrieben wurde. Chey und Roh waren 1988 miteinander verheiratet worden – im Umfeld des Blue House – und die Verbindung verband damit zwei sehr einflussreiche Familienstränge. Roh wehrte sich zunächst gegen eine Auflösung, bevor sie später die Teilung des Vermögens in erheblichem Umfang forderte.

Auch die juristische Breite erklärt, warum das Verfahren so lange dauerte. Die andere Frau, Kim Hee-young (mit dem englischen Namen Chloe), wurde in einem späteren Schritt ebenso zum Bestandteil des Streitkomplexes gemacht: Roh verklagte sie, und ein Gericht ordnete an, dass Chey und Kim gemeinsam Schadensersatz leisten müssten. Im Verlauf weitete sich der Konflikt dann über die Affäre hinaus aus – hin zu Fragen, wie das Unternehmenskonglomerat SK entstanden sei und welche Mittel in der Familienhierarchie geflossen sein sollen. Konkret ging es um Unterlagen, die Rohs Seite als handschriftlichen Hinweis interpretiert hatte: Es tauchte ein Vermerk zur früheren Bezeichnung „Sunkyong“ und zu einem Betrag in „30 billion won“ auf. Cheys Anwälte bestritten, dass die behaupteten Gelder bei SK angekommen seien.

Gerade diese Vermögens- und Herkunftsdebatte gewinnt mit dem KI-Boom eine zweite Ebene: SK Hynix wurde zu einem der größten Nutznießer des Booms, während die Speicherchips für KI-Systeme in der Praxis zu kritischen Komponenten wurden. In diesem Kontext wird auch die Verknüpfung zu NVIDIA verständlich – nicht als Werbeslogan, sondern als Zulieferbeziehung in einer Liefer- und Wertschöpfungskette. Wenn Speicher in KI-Trainings- und Inferenzsystemen stärker nachgefragt wird, steigen die Erwartungen an die Lieferanten, und das wiederum verändert die Größenordnung dessen, was Gerichte bei der Aufteilung von Beteiligungen als „realisierten“ Wert betrachten. Die Scheidung ist damit auch ein Lehrstück dafür, wie sich Bewertungsstichtage in dynamischen Tech-Märkten auswirken können: Eine Phase massiv steigender Kurse erhöht den Spannungsgrad zwischen „historischem Erwerb“ und „aktuellem Marktpreis“.

Für Unternehmen und Datenschutz- oder Compliance-Teams ist das Urteil schließlich weniger wegen der Privatsphäre relevant, sondern wegen der strukturellen Konsequenzen von Bewertungsfragen in Hochgeschwindigkeitsmärkten. In ähnlichen Konstellationen prüfen Gerichte regelmäßig, ob Vermögenszuwächse aus Marktmechanismen oder aus dem Kernbeitrag der Partnerschaft erklärbar sind. Für Familien, die eng mit börsennotierten Technologiezulieferern verbunden sind, können selbst scheinbar private Schritte (wie Stichtagswahl, Bewertungsformel oder die Frage nach angeblich transferierten Mitteln) später zu hochkomplexen Rechtsstreits werden. Ob Chey nach der Berufungsinstanz bis zur obersten Instanz geht, ist noch offen, aber das Muster ist klar: In einer Welt, in der KI-Booms Speicher- und Chipwerte schnell verschieben, wird aus einem Ehekonflikt sehr schnell auch ein Bewertungs- und Strukturprozess.

Damit endet der öffentlichkeitswirksame Teil nicht zwingend mit dem letzten Urteilsspruch. Selbst wenn die Zahlung die wahrscheinlichste nächstfolgende Phase darstellt, bleiben die grundsätzlichen Fragen nach Berechnung, Zeitpunkt und Vermögensursprung in der Region ein Stabilitätsfaktor für das Vertrauen in Unternehmensdynastien. Der Fall zeigt außerdem, wie „KI“ in der Realität nicht nur als Modell oder App entsteht, sondern als industrielle Infrastruktur – und wie sehr dieses industrielle Fundament in Rechtsstreits hineinwirkt. Für den Rest der Branche ist das Urteil vor allem ein Signal: Wer eng an KI-Lieferketten gekoppelt ist, sollte sich der langfristigen Bewertungsrisiken – auch außerhalb der Technik – früh bewusst sein.


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