LONDON (IT BOLTWISE) – XRP handelt nahe 1,08 US-Dollar und bleibt damit im laufenden Marktauf und -ab deutlich hinter Bitcoin, Ethereum und Solana zurück. Die Kursgeschichte wirkt dabei widersprüchlich: Zwar gingen im November Spot-ETFs in Betrieb und lockten kurzfristig Kapital an, doch der Preis fiel anschließend weiter. Im Kern liegt das Problem laut Marktlogik weniger in einer „Krise“ als in fehlenden frischen Auslösern. Genau hier setzt der Blick auf das CLARITY Act im US-Senat: Erst wenn der Rechtsrahmen Klarheit schafft, könnten große Investoren wieder aktiver werden.

XRP wird derzeit nicht „abverkauft“, sondern schlicht übersprungen. Während der Kryptomarkt im Jahr 2026 insgesamt rund 30% im Minus stand und viele große Coins deutlich unter ihren Hochs notierten, gab es im Laufe des Monats zumindest Entlastung: Entspanntere Inflationsdaten kühlten die Erwartung weiterer Zinsschritte ab, und Kapital floss wieder stärker in Krypto. Bitcoin stieg dabei wieder über 64.000 US-Dollar, Ethereum kletterte in Richtung 1.850 US-Dollar, und Solana zog die großen Werte in der Wochenbilanz nach oben. XRP dagegen blieb mit einem Kurs um 1,08 US-Dollar weitgehend stehen und wurde damit zu einem der schwächsten Assets in der „Major“-Gruppe.
Der langfristige Kontext erklärt, warum dieses „Stagnieren“ so auffällig ist. XRP erreichte im Juli 2025 laut dem angegebenen Kursverlauf mit etwa 3,65 US-Dollar seinen Hochpunkt und profitierte damals von dem positiven Ausgang in einem viel beachteten Rechtsstreit. Danach kippte jedoch die Marktstimmung: Im Oktober folgte eine Phase massiver Marktbereinigung, ausgelöst durch überraschende US-Zollmaßnahmen gegen China, die die größte Liquidationswelle im Krypto-Kontext ausgelöst haben soll. In der Folge rutschte XRP von grob 3,65 US-Dollar auf rund 2,00 US-Dollar bis Dezember ab, bevor es später durch ETFs und weitere rechtliche Schritte zumindest zeitweise Rückenwind erhielt.
Besonders widersprüchlich wirkt in dieser Darstellung die ETF-Episode: Die ersten Spot-ETFs für XRP starteten Mitte November und verzeichneten in den ersten 50 Tagen dem Text zufolge 1,3 Milliarden US-Dollar Zuflüsse. Zudem habe es über mehr als einen Monat keine einzigen Abflusstage gegeben, und XRP sei damit der zweitschnellste Krypto-ETF gewesen, der die Marke von einer Milliarde US-Dollar erreichte. Trotzdem setzte sich der Abwärtstrend fort: Der Kurs endete laut Verlauf am Jahresende bei etwa 1,85 US-Dollar und zog Anfang Januar noch einmal an, als ETF-Euphorie und eine bedingte Genehmigung einer nationalen Banklizenz durch Ripple im Dezember als Impuls wirkten. Ab dann folgte jedoch eine Serie von sechs Monaten, in denen der Kurs stetig nachgab, bis er im Juni bei 1,03 US-Dollar schloss – inklusive der Aussage, die schwächste monatliche Momentum-Kennzahl in der bisherigen Historie gezeigt zu haben.
Aus Marktsicht lässt sich daraus eine einfache Erklärung ableiten: Kapital kehrt nicht „gleichmäßig“ in alle Coins zurück, sondern folgt Katalysatoren, die kurzfristig Erwartung und Risikoaufschlag verändern. Im aktuellen Jahr war Tokenisierung der dominierende Erzählstrang: Die Idee, reale Vermögenswerte wie Aktien und Anleihen direkt über die Blockchain abzubilden, zieht laut Text genau jene Coins an, die im Markt für tokenisierte Wertpapiere als relevant gelten. Solana wird dabei mit dem größten Anteil am tokenisierten Aktienhandel verknüpft, Ethereum hält demnach die größte Menge tokenisierter Assets, und selbst ein kleinerer Player wie Ondo habe im betrachteten Monat um mehr als 14% zugelegt. XRP hatte in diesem selben Zeitraum aber offenbar keinen vergleichbaren, „sofort handelbaren“ Impuls, der Händler dazu bewegt hätte, aus Bitcoin- oder Ethereum-Positionen umzuswitchen.
Der Text nennt als letzten großen Hebel eine rechtliche Einordnung im März: SEC und CFTC hätten XRP gemeinsam als digitales Commodity-Pendant klassifiziert, wodurch jahrelange Unsicherheit über den Status beigelegt worden sei. Nach dieser Nachricht soll der Kurs kurzfristig auf etwa 1,60 US-Dollar gestiegen sein, bevor die übergreifende Marktschwäche die Bewegung wieder überrollte. Technisch bleibt XRP damit zusätzlich in einer ungünstigen Lage: Es wird unter einer sogenannten „Death Cross“-Konstellation eingeordnet, bei der die kurzfristige Trendlinie unter die langfristige fällt und anschließend als Deckel wirkt. Konkret heißt das im Kursbild, dass Rallyes mehrfach nahe der Zone um 1,18 bis 1,20 US-Dollar gestoppt wurden. Ohne neuen Auslöser entsteht so ein Kreislauf aus abnehmender Kaufbereitschaft und dem Gefühl, dass jede Erholung nur ein Zwischenstopp ist.
Genau an dieser Stelle taucht als potenzieller Wendepunkt das CLARITY Act auf. Dem Bericht zufolge handelt es sich dabei um ein Gesetz zur Marktstruktur im Kryptobereich, das XRP langfristig als Commodity in Bundesrecht überführen würde. Der entscheidende Effekt wäre weniger „Werbeversprechen“ als der rechtliche Status: Was im März nur über die unmittelbare Einordnung Bestand hatte, würde durch eine gesetzliche Verankerung schwerer reversibel. Für große Institutionen, die bislang mit Blick auf Regulierungsrisiken auf der Bremse standen, könnte das damit erstmals ein klarerer Rahmen für größere Positionen sein. Allerdings bleibt das Gesetz offenbar politisch stecken: Der Text beschreibt einen Ethikstreit um Regeln, wie viel Krypto Regierungsmitglieder und ihre Familien bei Abstimmungen zu Krypto-Gesetzen halten dürfen. Solange der Senat sich nicht durchringt, fehlt XRP damit der „frische Catalyst“, der in einem Markt entscheidend ist, der gerade nicht nur Volumen, sondern auch Aufmerksamkeit belohnt.
Das Timing wirkt dabei doppelt kritisch. Der Senat solle das Gesetz dem Text zufolge diese Woche auf die Tagesordnung nehmen, doch es müsse vor dem 7. August in eine Verabschiedung münden, sonst droht eine Verschiebung ins nächste Jahr. Schon eine Verzögerung reicht in Krypto oft aus, um Kapital umzulenken, weil Händler nicht warten, sondern spielen: Wenn Marktteilnehmer keinen neuen Impuls erkennen, gehen sie zur nächsten Story über. Bis eine dieser zwei Bewegungen eintritt – CLARITY Act passiert den Senat oder es kommt zu einer breiteren Rotation weg von Bitcoin und Ethereum hin zu einer „Altcoin“-Phase – bleibt XRP in der beschriebenen Logik am Rand des Handelsgeschehens. So entsteht das Bild, dass nicht die fundamentale Bewertung allein das Problem ist, sondern der fehlende Zeitpunkt-Katalysator, der aus „verlorener Phase“ wieder einen Trendwechsel macht.
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