LONDON (IT BOLTWISE) – Eine anhaltende Speicherkrise trifft den Konsolenmarkt besonders hart: Hersteller stehen zwischen höheren Preisen und schrumpfenden Margen. Für 2026 erwarten Marktforscher bei den Auslieferungen einen Rückgang um 19,5 %. Gleichzeitig verschärfen eine dünnere Software-Linie und steigende Hardware-Preise die Kaufzurückhaltung. Wie stark sich die nächste Generation tatsächlich durchsetzt, hängt laut Analysten wesentlich davon ab, ob sich die Liefersituation bei Speicherbausteinen ab 2028 entspannt.

Der Konsolenmarkt gerät 2026 aus mehreren Richtungen unter Druck, und die Speicherkrise ist dabei der zentrale Auslöser. Wenn sich die Kosten für Schlüsselkomponenten wie Speicherbausteine erhöhen, verschiebt sich für Hersteller die ganze Kalkulation: Entweder sie geben höhere Einkaufspreise an Endkunden weiter und riskieren damit niedrigere Absatzmengen, oder sie halten die Preise hochgradig stabil und zahlen den Preis über sinkende Margen. In der Praxis ist dieses Dilemma bereits sichtbar geworden, weil Sony und Microsoft Preisanpassungen für PlayStation 5 sowie Xbox Series X|S bestätigt haben.
Für die Markterwartungen ist das weniger eine Frage von „Hoffnung“ als von Mathematik. Berichten zufolge rechnen Marktforscher für 2026 mit einem Rückgang der Konsolen-Auslieferungen um 19,5 %; die Prognose läuft in diesem Jahr auf rund 33,9 Mio. Einheiten hinaus. 2027 könnte es mit etwa 27,1 Mio. Einheiten sogar noch weiter bergab gehen, bevor bis 2030 wieder eine Erholung auf circa 37,4 Mio. ausgelieferte Konsolen pro Jahr möglich wäre. Entscheidend ist dabei nicht nur der Produktzyklus, sondern auch die Annahme, dass sich die Speicherkrise ab 2028 entspannen könnte – andernfalls würden die nächsten Generationen vermutlich zu teuer bleiben, um eine breite Kundenbasis zu erreichen.
Hinter der reinen Stückzahlprognose steckt außerdem ein Problem, das sich in der Wahrnehmung der Kundschaft schnell materialisiert: Die Hardware wirkt für viele Käufer entweder zu teuer oder zu wenig „neu“ im Vergleich zu den Erwartungen, die mit einer Konsolengeneration normalerweise verbunden sind. Dazu kommt eine Software-Pipeline, die in dem beschriebenen Szenario dünner ausfällt als das, was ein Weihnachtsgeschäft oder eine stark umkämpfte Headline-Phase häufig braucht. Analytisch wird das vor allem dann relevant, wenn im selben Zeitraum zwar einzelne große Titel den Markt befeuern, aber echte System-Seller fehlen oder sich stärker auf wenige Plattform-Highlights konzentrieren.
2025 wirkte dieser Effekt allerdings teilweise gedämpft: Der Markt profitierte offenbar besonders von sehr hohen Auslieferungen, weil die Nintendo Switch 2 frisch in den Markt gestartet ist. Gleichzeitig wartet die Community, wie in der Branche immer wieder betont wird, auf konkrete „Flaggschiff“-Erlebnisse wie ein neues Zelda oder einen neuen Mario-Titel. Für Hersteller und Publisher bedeutet das: Wenn eine neue Hardware-Generation ohne ausreichend starke Exklusiv-„Klammer“ in den Köpfen der Spieler ankommt, bleibt ein Teil der Nachfrage nicht „weg“, sondern verschiebt sich häufig in Richtung späterer Preispunkte oder entlang von Kaufanlässen mit klaren Must-haves.
Konkreter sieht der Druck bei den einzelnen Plattformen aus. Für die alternde PlayStation 5 nennt S&P Global Market Intelligence für 2025 noch eine Auslieferungszahl von 17,1 Mio. Einheiten, für 2026 wird jedoch ein weiterer Absturz auf nur noch 13,2 Mio. Einheiten erwartet. Zwar könnte ein Großereignis wie „GTA VI“ einzelne Spieler in Richtung Kauf bewegen, doch angesichts der zuvor steigenden PS5-Preise bleibt das Potenzial begrenzt. Beim gleichen Anbieter wird damit auch deutlich, dass der Software-„Trigger“ alleine nicht alle Preis- und Verfügbarkeitsfragen ausgleicht.
Bei der Xbox Series X|S wird es noch anspruchsvoller. Die Prognosen sehen für 2026 lediglich rund 2,5 Mio. verkaufte Konsolen vor, während 2027 laut Erwartung schnell ein stärkerer Einbruch eintreten könnte. Als Gründe werden in diesem Zusammenhang u. a. Microsofts angekündigte Preiserhöhungen, mangelnde Exklusivtitel sowie das bevorstehende „Project Helix“ genannt. Interessant ist die Vermischung von Erwartung und Unklarheit: Während „Project Helix“ in der Planung als nächste große Weichenstellung gilt, zweifeln die Analysten daran, dass es sich überhaupt noch als klassische Konsole einordnen lässt. Wenn bisherige Berichte stimmen, nähert sich das Vorhaben eher einem abgewandelten PC-Ansatz an, der technisch deutlich an Konzepte erinnert, die bereits unter der Bezeichnung Steam Machine diskutiert wurden.
Für Unternehmen und Entwickler im Ökosystem ist das vor allem eine Frage der Betriebsstrategie: Wenn Konsolen-Auslieferungen unter Druck geraten, steigen die Kosten für Reichweite und Timing. Publisher müssen dann stärker abwägen, welche Titelgenerationen sie priorisieren, wie sie Portfolien auf Systemkäufe ausrichten und wie sie gleichzeitig die „Software-Pipeline“ stabil halten. Gleichzeitig erhöht ein Speicher- und Komponentenstress die Bedeutung von Effizienz bei der Hardware-Nutzung: Optimierung bei Ladezeiten, Datenstreaming und Assets kann einen messbaren Unterschied machen, selbst wenn das zugrundeliegende Zielsystem über Jahre hinweg im Preis steigt. Die nächste Generation steht damit nicht nur vor einem Launch-Event, sondern vor einer Wirtschaftlichkeitsprüfung, die sich direkt in Stückzahlen übersetzt.
Am Ende verdichtet sich die Lage auf eine einzige, belastbare Bedingung aus der Prognose: Erst wenn sich die Speicherkrise ab 2028 tatsächlich entspannen sollte, könnte der Konsolenmarkt wieder stärker anziehen und die erwartete Erholung bis 2030 realistisch werden. Bis dahin bleibt 2026 ein Jahr, in dem Preisgestaltung, Software-Lücken und Plattform-Strategien stärker gegeneinander arbeiten als in besseren Jahren. Für die Branche bedeutet das weniger Komfort, aber auch mehr Klarheit darüber, was Spieler wirklich antreibt: nicht allein die nächste Hardware-Generation, sondern das Zusammenspiel aus bezahlbarer Einstiegshürde und überzeugenden System-Sellern.
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