DALLAS / LONDON (IT BOLTWISE) – Neue vorläufige Auswertungen zeigen, dass der geschätzte Strombedarf von Bitcoin-Mining zwischen Juni 2024 und Dezember 2025 um 38% auf rund 190 Terawattstunden pro Jahr gestiegen ist. Gleichzeitig verschiebt sich die Energieträger-Mischung deutlich: Wasserkraft liefert inzwischen den größten Anteil, während der Niedrig-CO₂-Sektor auf 59,4% kommt. Für die Klimabilanz heißt das allerdings nicht Entwarnung, denn die geschätzten Treibhausgasemissionen steigen dennoch von etwa 40 auf 48 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalent. Die Studie verknüpft das auch mit einer langsamen Hinwendung zu KI- und HPC-Lasten, die bisher nur von einem kleinen Teil der Miner konkret adressiert wird.

Die Diskussion um Bitcoin-Mining verlagert sich gerade vom reinen „Wie viel Strom?“ hin zu „Welche Stromquelle?“ Vorläufige Ergebnisse aus Cambridge zeigen, dass die annualisierte Stromnachfrage des Netzbetriebs im Dezember 2025 auf etwa 190 Terawattstunden hochgerechnet wurde. Das sind 38% mehr als die Vergleichsgröße von 138 Terawattstunden im Juni 2024. Wichtig für die Einordnung: „Annualisiert“ bedeutet, dass man den Dezember-2025-Stand der Mining-Rate auf ein komplettes Jahr projiziert; es ist damit keine exakte Angabe für das Kalenderjahr 2025, sondern eine Messgröße für die tatsächliche Netzintensität zu diesem Zeitpunkt.
Während die Stromlast schneller wächst als die Emissionskennzahl, verändert sich das Energieträger-Profil spürbar. Low-Carbon-Strom steuerte im gemessenen Mix 59,4% bei, nach 52,4% in der vorherigen Studie. Damit wird Wasserkraft zum größten Einzelpfeiler der Versorgung und löst in der Rangfolge Erdgas ab, auch wenn Cambridge den vollständigen Detail-Schlüssel pro Quelle in dieser vorläufigen Phase noch nicht komplett veröffentlicht hat. Auffällig ist außerdem der Kontext der Energiewende im Mining: Erneuerbare erreichen insgesamt 42,6% und Kernenergie 9,8%, während Kohle-Anteile auf 8,9% zurückfallen. In der früheren Betrachtung von 2022 lag Kohle noch bei 36,6% – das illustriert, wie stark sich der Energiemix innerhalb weniger Jahre bewegen kann, selbst wenn die Rechenleistung des Netzwerks weiter steigt.
Die Klimawirkung folgt dennoch nicht linear der Strommenge. Cambridge schätzt, dass die Treibhausgasemissionen um 20% zunehmen, von etwa 40 Millionen auf 48 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalent. Der Grund liegt in der bereits erwähnten, „saubereren“ Strommischung: Sie bremst die Emissionszunahme relativ zur Elektrizitätssteigerung ab. Trotzdem überkompensiert der größere Strombedarf den Effekteffekt der besseren Energiekombination. Damit wird die zentrale Herausforderung für Betreiber sichtbar: Auch wenn sich der Anteil niedriger Emissionen verbessert, sorgt der Zuwachs an installierter Rechenleistung (mehr Mining-Maschinen im Netz) dafür, dass insgesamt mehr Strom über das Jahr hinweg benötigt wird.
Technisch betrachtet hängt diese Dynamik an der Kombination aus hashrate-Wachstum und elektrischer Effizienz. Cambridge verweist darauf, dass neue Hardware zwar pro Einheit Energie mehr Berechnungen leisten kann, diese Effizienzgewinne aber nicht ausreichen, um den Anstieg der hashrate vollständig zu neutralisieren. Genau hier setzt auch der Bitcoin Electricity Consumption Index an, den Cambridge nutzt, um zu verfolgen, wie sich Faktoren wie Gerätepreise, Transaktionsgebühren, Mining-Hardware und die Netzwerk-Schwierigkeit über die Zeit auf die geschätzte Stromnachfrage auswirken können. Für Entscheider ist das relevant, weil sich daraus ableiten lässt, dass sich der Strombedarf nicht nur über die Energieträger, sondern auch über den Hardware- und Schwierigkeitszyklus verschiebt.
Methodisch gibt es dabei Grenzen, die Cambridge selbst deutlich benennt. Die Schätzungen beruhen vor allem auf Rückmeldungen von Mining-Unternehmen, die „leicht mehr als die Hälfte“ des globalen Bitcoin-Hashrates repräsentieren. Die breitere Beteiligung liefert zwar einen größeren Stichprobenumfang als bei der ersten Veröffentlichung, kann aber dennoch zu Verschiebungen führen, wenn bestimmte Regionen unterrepräsentiert sind. Besonders wichtig: US-Unternehmen stellten einen großen Anteil der Antworten, was die geographische Verteilung globaler Aktivitäten tendenziell verzerren könnte. Umgekehrt könnte die stärkere Sichtbarkeit von Minern in hydro-dominierten Märkten wie Äthiopien ein Teil der Erklärung dafür sein, warum Wasserkraft in den aktuellen Vorläufigwerten so deutlich nach vorn rückt; dort wurde Bitcoin-Mining unter anderem rund um kostengünstige Stromquellen aus dem Grand Ethiopian Renaissance Dam erweitert.
Parallel dazu untersucht Cambridge, ob Miner ihre Leistung in Richtung KI-Entwicklung und High-Performance-Computing (HPC) verschieben. Aktuell zeigt sich jedoch nur eine vorsichtige Umsetzung: Etwa 10% der Befragten gaben an, bereits Kapazität für KI oder beschleunigtes Computing zu allokieren. Mehr als 40% der übrigen Miner prüfen die Option aktiv. In der Praxis betont Cambridge die Kluft zwischen „Absicht“ und „Bereitstellung“: KI-Rechenzentren brauchen teure Infrastruktur für Netzwerk, Kühlung und Betriebssicherheit, während klassische Mining-Standorte diese Anforderungen nicht automatisch mitbringen. Zudem können Bitcoin-Lasten bei Strompreissteigerungen relativ schnell reduziert werden, während KI-Kunden häufig eine stabilere Stromversorgung und stärkere Servicezusagen erwarten.
Trotzdem glauben fast neun von zehn Befragten, dass KI- und HPC-Diversifizierung in den kommenden Jahren zulegen wird. Ein Teil dieser Erwartung spiegelt sich bereits in den Unternehmensresultaten wider: In einem Fall konnte ein Miner im ersten Quartal 2026 mehr Umsatz aus HPC-Hosting erzielen als aus dem klassischen Mining digitaler Assets. Während solche Zahlen natürlich nicht die gesamte Branchenlage abbilden, zeigen sie den laufenden Strukturwandel: Bitcoin-Mining wird einerseits energieintensiver, andererseits wächst der Anteil von Wasserkraft und anderen Low-Carbon-Quellen. Gleichzeitig prüfen Betreiber, ob ihre Stromanschlüsse und Standorte als Grundlage für KI-Dienstleistungen taugen, statt nur das Netzwerk für Bitcoin weiter mit Rechenleistung zu füttern. Cambridge kündigt die vollständige Veröffentlichung der zweiten Ausgabe des Digital Mining Industry Report für später im Jahr 2026 an – dann dürfte auch die endgültige Methodik und der detailliertere Energieträger-Splitting-Frame klarer werden.
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