WALNUT CREEK / LONDON (IT BOLTWISE) – Paul Andrews, der das US-Event „Contact in the Desert“ und damit eine Art „Woodstock of U.F.O.s“ für Begegnungsberichte und Vorträge mit aufbaute, ist am 30. Juni im Alter von 77 Jahren gestorben. In einem mehrtägigen Format bot die Veranstaltung Tausenden Menschen Austausch, Programm-Streams zu interstellaren Themen und sogar das Ausleihen von Nachtsichtbrillen. Berichtet wird zudem von seiner früheren Laufbahn in der New-Age-Szene, unter anderem mit der „Whole Life Expo“. Offen bleibt, wie die inzwischen verkaufte Konferenz inhaltlich fortgeführt wird.

Paul Andrews, Gründer des „Woodstock of U.F.O.s“, stirbt mit 77
Paul Andrews, Gründer des „Woodstock of U.F.O.s“, stirbt mit 77 (Foto: IT BOLTWISE)
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Paul Howard Andrews, der sich zeitlebens als Vermittler zwischen Alltag und dem Unerklärten verstand, ist am 30. Juni in seinem Zuhause in Walnut Creek, Kalifornien, gestorben. Er wurde 77 Jahre alt; die Todesnachricht bestätigte seine Ehefrau Abigail Lewis, einen Grund nannte sie nicht. Mit „Contact in the Desert“ prägte Andrews eine wiederkehrende Treffpunkt-Kultur, die für viele Teilnehmende weniger eine klassische Messe als vielmehr ein emotional aufgeladenes „Zuhause-komme“-Gefühl erzeugte: Man konnte Erfahrungen teilen, ohne im eigenen Umfeld schnell in die Schublade „zu viel“ zu geraten.

Das Event startete 2013 am Joshua Tree Retreat Center in Südkalifornien, unweit von Palm Springs, in einer Region, die seit Jahren bei „Saucer Pilgrims“ beliebt ist. Aus dem Format entwickelte sich im Laufe der Zeit ein Ruf wie „Woodstock of U.F.O.s“ – nicht wegen Musik, sondern wegen der Mischung aus Gemeinschaft, Abenteuer und Bestätigung. Die Konferenz lief typischerweise am Wochenende und kostete laut Bericht rund 250 US-Dollar pro Ticket. Wer teilnehmen wollte, konnte mehrere Programmspuren nutzen: von Vorträgen über „Contact“-Erfahrungen bis zu Themen wie Crop Circles und Government-Cover-ups, einem Dauerbrenner, der in solchen Szenen immer wieder für hohe Aufmerksamkeit sorgt. Neben Gesprächen und Referaten wurde die Suche am Himmel sogar handfest unterstützt: Nachtsichtbrillen ließen sich für 5 US-Dollar ausleihen.

Technisch lässt sich das, was Andrews dort orchestrierte, nicht als Software-Produkt beschreiben – aber es folgt trotzdem einer klaren Logik: In einer Szene, in der viele Gespräche sonst fragmentiert bleiben, schuf er eine wiederholbare Infrastruktur für Begegnung, in der wiederkehrende Formate Vertrauen erzeugen. Laut dem Bericht traten als Sprecher unter anderem Astronauten, Wissenschaftler sowie bekannte Medienfiguren der U.F.O.-Berichterstattung auf. Namen, die genannt werden, sind Art Bell, George Noory und Linda Moulton Howe. Für die Zielgruppe war die Mischung entscheidend: „seriöse“ Rollen standen neben populären Erzählern, damit sich weniger Scheinwerfer auf „Glaubensbekenntnisse“ richteten und mehr auf das Erlebnis der Szene selbst – inklusive der Auswahl, wer als glaubwürdig gilt. Andrews selbst stellte 2016 in dem Bericht in Aussicht, dass man „die Verrückten“ herausfiltere, also die Schwelle senke, an der Besucher ansonsten befürchten, alles würde ins Beliebige kippen.

Bevor „Contact in the Desert“ zum Synonym für seinen Stil wurde, hatte Andrews bereits eine Spur durch die New-Age-Welt gelegt. In den späten 1980er-Jahren betrieb er die „Whole Life Expo“, ein reisendes Handels- und Symposienformat für einen Lebensstil, der damals in den USA deutlich an Profil gewann. Laut Bericht verkauften Anbieter dort Dinge wie Massagegeräte, Heilsteine, Dampf- oder Entfeuchtungsgeräte fürs Essen, Meditationshilfen, Entsafter, Heilalgen sowie tibetische Klangschalen. Dazu kamen unzählige Sorten Räucherstäbchen und Weihrauch. Auch hier ging es weniger um einen einzelnen Kult, sondern um eine „Marktplatz“-Mechanik: Wissenschafts- und Gesundheitsversprechen, spirituelle Praktiken und Unterhaltung wurden in einem Raum gebündelt. In den Erinnerungen tauchen außerdem prominente Namen aus dem Umfeld der Gegenkultur auf – Timothy Leary sprach über das „Tripping“, Uri Geller wurde mit dem Biegen von Löffeln durch die Kraft des Geistes in Verbindung gebracht. Diese frühe Phase erklärt, warum Andrews später in U.F.O.-Umfeldern nicht nur als Teilnehmer, sondern als Organisator wirkte: Er kannte die Prinzipien von Laufpublikum, Programmlogik und dem Zusammenspiel aus Einkauf, Vortrag und persönlicher Erzählung.

Die Biografie liefert dem Ganzen dabei einen inneren Faden. Andrews galt seit der Kindheit als Anhänger des Paranormalen: Im Alter von vier Jahren soll er in der Nacht das Zimmer seiner Schwester betreten und dort „leuchtende Wesen“ gesehen haben, die nicht-menschlich wirkten und über eine nichtsprachliche Form kommunizierten. Diese Besuche hätten sich wiederholt, jeweils wieder in gleicher Weise abgebrochen – nicht etwa durch ein Fenster, sondern „durch die Wand“. Die Erwachsenenreaktion im Bericht weicht vom typischen Muster ab: Die Mutter habe Episoden eher abgebügelt, der Vater dagegen sei offen gewesen und habe hören wollen. Später lernte Andrews laut Bericht zudem von einem Verwandten, dass auch der Vater bereits Ähnliches erlebt habe. Parallel dazu studierte er an der Fairleigh Dickinson University und besuchte nach dem Abschluss im Jahr 1972 Workshops der Psychiaterin Elisabeth Kübler-Ross, die für ihre Forschung zu Sterben und Trauer bekannt ist und sich ebenfalls mit Erfahrungen „nach dem Tod“ befasste. Außerdem verband er sich mit Robert Monroe, dem Radio-Broadcaster, der 1971 „Journeys Out of the Body“ veröffentlichte.

Nach dem Umzug nach Kalifornien 1976 etablierte Andrews dann eine praktische Rolle: Er verkaufte geführte Meditationsgeräte, die von Monroe entwickelt worden sein sollen, und ebenso den „Brain Tuner“ – ein Gerät, das als craniale Elektrotherapie-Stimulation beschrieben wird. Auch bei Gesundheit- und Spiritualitäts-Events trat er als Sprecher auf. Interessant ist hier weniger die technische Substanz der Geräte (sie wird im Bericht nur knapp umschrieben), sondern die unternehmerische Haltung, die sich durchzieht: Er sammelte nicht nur Geschichten, sondern baute Angebote, die daraus eine wiedererkennbare Teilnahmeform machten. Dass er dabei kein reines „Geld-mit-Mythen“-Profil verfolgte, wird im Bericht durch eine Aussage von Alan Steinfeld gestützt, der Andrews als Innovator beschreibt und betont, dass er sich stark für die Themen selbst interessiert habe. Steinfeld erwähnt zudem, dass „Contact in the Desert“ ein vergleichsweise sicheres Umfeld sei – nicht überall passend, aber für die „eingeweihte“ Gruppe eine Art Schutzraum.

Auch der Inhalt der späteren U.F.O.-Konferenzen zeigt, wie Andrews das Spektrum erweiterte: So werden für ein aktuelles Event Themen genannt wie „Extraterrestrials and Our Multidimensional Nonlocal Reality“, „The Disappearances: Why They Are Happening and What It Means“ sowie „The Telepathy Code Unlocked“. Dazu kommt der Blick auf die eigentliche Zielsetzung, die laut Bericht wiederholt „Wahrheit“ als Leitmotiv hatte. Der Bericht verweist zudem darauf, dass „Contact in the Desert“ 2023 an neue Eigentümer verkauft wurde; beim jüngsten Event im Mai behandelten die Vorträge Inhalte, die an die interdimensionale und telepathische Erzählwelt anschließen. In den USA wird so etwas häufig von Community-Ökosystemen getragen, in denen sich Medien, Erfahrungsberichte und kommerzielle Dienstleistungen gegenseitig stützen – und genau diesen Mechanismus soll Andrews mitgebaut haben, etwa indem er physische Orte schuf, an denen man sich austauschen konnte, ohne im lokalen Umfeld der eigenen Gruppe sofort auf Widerstand zu treffen.

Für die Zukunft bleibt damit vor allem eine Frage: Wird aus dem, was Andrews in Walnut Creek und zuvor in Joshua Tree als wiederkehrende Bühne etablierte, ein neues organisatorisches Rückgrat entstehen – oder zerfasert das Format, sobald die persönliche Handschrift fehlt? Der Bericht zeichnet Andrews als jemanden, der zwischen New-Age-Expo, paranormer Community und U.F.O.-Programm kuratierte, ohne die Teilnehmerzahlen aus den Augen zu verlieren. Gleichzeitig ist die Wirkung historisch betrachtet nicht trivial: Solche Konferenzen funktionieren als soziale Beschleuniger. Sie verdichten Überzeugungen, machen Begegnungen planbar und geben Erzählungen eine Taktung. Ob die „Woodstock“-Metapher in anderer Form weiterlebt, hängt jetzt weniger von der Idee selbst ab, sondern davon, ob die neuen Betreiber wieder ähnliche Hürden für die Programmauswahl und ähnliche Räume für Austausch garantieren können.


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