LONDON (IT BOLTWISE) – ASML hat im zweiten Quartal 2026 deutlich mehr Lithographiesysteme geliefert als zuvor und dabei die Umsatzprognose für das Gesamtjahr angehoben. Mit 86 ausgelieferten Maschinen steigt der Nettoumsatz auf 9,3 Milliarden Euro, während der Gewinn bei 2,9 Milliarden Euro liegt. Der Auftragsbestand erreicht 38,8 Milliarden Euro und reduziert damit kurzfristig den Druck aus einer schwankenden Chipnachfrage. Gleichzeitig bleibt die Lage geopolitisch angespannt, weil Hinweise auf potenzielle China-Umleitungen geprüft werden.

ASMLs aktuelles Quartal zeigt weniger eine plötzliche Trendwende als vielmehr die Fortsetzung eines klaren Engineering- und Kapazitätsvorteils: Im zweiten Quartal 2026 lieferte der niederländische Lithografie-Spezialist 86 Maschinen aus, nach 67 im Vorquartal. Diese Zunahme ist nicht nur für die kurzfristige Umsatzrechnung relevant, sondern auch als Signal dafür, dass die Produktions- und Lieferkette für die nächste Gerätegeneration stabiler läuft. Der Nettoumsatz stieg auf 9,3 Milliarden Euro, der Gewinn lag bei 2,9 Milliarden Euro; beides unterstreicht, dass der höhere Durchsatz nicht zu Lasten der Profitabilität ging.
Aus Unternehmenssicht ist die zweite Kennzahl fast ebenso wichtig wie die Auslieferungsmenge: Der Auftragsbestand summiert sich auf 38,8 Milliarden Euro. Ein solcher Puffer wirkt in Halbleiterzyklen wie ein Dämpfer gegen kurzfristige Nachfrageschwankungen, weil er Produktionspläne in der Regel über mehrere Quartale vorzieht und finanzielle Unsicherheit reduziert. Entsprechend hob ASML die Umsatzprognose für 2026 auf 43 bis 45 Milliarden Euro an. An der Börse wurde das positiv aufgenommen; die Aktie sprang vorbörslich um 2,36 Prozent auf 1.582,00 Euro und liegt damit nur noch rund 9,5 Prozent unter dem bisherigen Rekordhoch.
Technisch betrachtet rückt dabei besonders die High-NA-EUV-Generation in den Fokus. Die High-NA-Scanner laufen in der kommerziellen Produktion, während die Low-NA-Variante weiterhin die Brücke für künftige Knoten bildet. Intel setzt das Modell TWINSCAN EXE: 5200B im Werk Hillsboro für die Fertigung der Prozessorreihe Panther Lake im 18A-Verfahren ein. TSMC bleibt hingegen vorsichtiger und verlängert den Einsatz der älteren Low-NA-Technologie für den kommenden A14-Knoten; in solchen Entscheidungen spiegelt sich meist die Abwägung zwischen Risiko, Tool-Reifegrad und der Verfügbarkeit passender Prozessfenster wider. Samsung betreibt zwei High-NA-Anlagen bislang nur in der Forschung, während SK Hynix bereits im September 2025 den ersten Produktionsscanner dieser Generation in Betrieb nahm. Für die Chipindustrie bedeutet das: High-NA-EUV ist zwar auf dem Weg in die Serienfertigung, die Rollout-Tempo-Spanne zwischen den großen Wafer-Fertigungsketten bleibt aber sichtbar.
Dass die Maschinenlieferung nicht nur von KI-gestützten Produktionsplänen oder Software abhängt, zeigt sich beim Blick auf die Materialbasis. Ein zentraler Engpass betrifft die optischen Komponenten: Laut ASMLs Geschäftsbericht 2025 ist Zeiss SMT alleiniger Lieferant der optischen Säulen für die EUV-Scanner. Fiele diese Lieferbeziehung aus, würde das Geschäft nach Angaben des Unternehmens zum Erliegen kommen. Zeiss begegnet dem zusätzlichen Bedarf mit Kapazitätsausbau: Das Werk in Oberkochen wurde um rund 25.000 Quadratmeter erweitert, und das neue Gebäude ging im Juli 2026 in Betrieb, also vier Jahre nach der Grundsteinlegung. Zusätzlich zeigt der Einkauf von ASML die wirtschaftliche Bedeutung der Lieferkette: ASML kaufte 2025 für 4,41 Milliarden Euro bei Zeiss, nach 3,95 Milliarden im Vorjahr; 2023 waren es 3,33 Milliarden. Auch strukturelle Finanzierungsinstrumente spielen hinein, etwa über Darlehen und eine Beteiligung an Zeiss SMT, wobei 2025 eine Dividende in Höhe von 320,5 Millionen Euro floss. Für Tech-Teams in der Fertigungsplanung ist das eine harte Randbedingung: Tool-Nachfrage kann nur dann skaliert werden, wenn die kritischen Subsysteme in ausreichender Stückzahl lieferfähig sind.
Neben der physischen Lieferfähigkeit bleibt die politische Komponente ein echter Unsicherheitsfaktor. US-Handelsminister Howard Lutnick warnte vor möglichen China-Lieferungen und verwies auf Hinweise, dass Komponenten oder Transportausrüstung für EUV-Maschinen nach China gelangen könnten. ASML weist solche Vorwürfe zurück und verweist auf strikte interne Kontrollmechanismen sowie technologische Hürden, die einen unautorisierten Einsatz verhindern sollen. Gleichzeitig ist das Umfeld nicht statisch: Die US-Regierung investierte in das Startup xLight, das an einer alternativen Lichtquellentechnologie arbeitet. In parallelen Gesetzesdebatten im US-Kongress wird zudem ein parteiübergreifender Gesetzentwurf diskutiert, der Lieferungen älterer DUV-Anlagen nach China untersagen soll. Für ASML hat das eine doppelte Wirkung: Einerseits kann der technologische Abstand zu chinesischen Kunden zum Teil über den Mix aus Systemgenerationen gewahrt werden, andererseits steigt das Risiko regulatorischer Anpassungen, die bestehende Geschäftsmodelle in einzelnen Märkten kurzfristig verändern.
Am Kapitalmarkt dominierte zum Zeitpunkt der Meldung ein konstruktives Bild, obwohl die Kursziele der Analysten auseinanderlaufen. Der Konsens stuft die Aktie mehrheitlich als Kauf ein; im Mittel sehen die Schätzungen zweistelliges prozentuales Aufwärtspotenzial, während einzelne Kursbewertungen stark variieren. Auch bei institutionellen Investoren wächst das Engagement: Lone Pine Capital stockte ASML im ersten Quartal 2026 zu den am stärksten aufgestockten Positionen auf; Coatue Management baute im selben Zeitraum eine neue Beteiligung auf. Damit verdichten sich drei Faktoren, die für die nächsten Quartale den Kurs beeinflussen dürften: volle Auftragsbücher, ein technologischer Vorsprung durch High-NA-EUV sowie die ungelösten geopolitischen Fragen rund um Lieferketten und Exportpfade.
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