LONDON (IT BOLTWISE) – Das InsurTech Ominimo erreicht in Rekordzeit den Unicorn-Status und schließt eine Series-B-Runde über 20,1 Millionen Euro ab. Das Unternehmen bleibt dabei nicht nur profitabel, sondern wächst auch bei seinem annualisierten Brutto-Prämienvolumen deutlich schneller als im Vorjahr. Statt die Kasse für den laufenden Betrieb zu verbrennen, will Ominimo den nächsten Entwicklungsschritt vorantreiben: eigene Versicherungslizenz, neue Märkte und US-Vorbereitung. Für den europäischen Versicherungsmarkt verschiebt sich damit der Fokus noch stärker auf datengetriebene Preisbildung und KI-gestützte Automatisierung.

Ominimo, ein InsurTech-Startup aus Serbien und Ungarn, hat nach nur zwei Jahren seit dem Go-live den Unicorn-Status erreicht. Mit dem Abschluss einer Series B sichert sich das Unternehmen 20,1 Millionen Euro bei einer Bewertung von 1,4 Milliarden Euro. Wichtig: Laut Unternehmensangaben ist Ominimo bereits profitabel und will die Finanzierung primär für Wachstum einsetzen, nicht für die alltägliche Liquiditätssicherung. Strategisch zielt die Runde damit weniger auf „Runway“ als auf den nächsten Skalierungsschritt im Produkt- und Marktaufbau.
Im Kern handelt es sich um eine technologiegetriebene Motorversicherung, bei der Ominimo stark auf eine hochgradig segmentierte, datenbasierte Preisgestaltung setzt. Das Setup verbindet laut eigener Darstellung Versicherungs-Know-how mit Data Science und Softwareentwicklung, um die Preiskalkulation genauer zu machen, Versicherungsprozesse zu automatisieren und die Customer Experience zu vereinfachen. Solche Ansätze sind in der Branche nicht neu, werden aber gerade deshalb entscheidend, weil wettbewerbsfähige Prämien selten allein über einzelne Datensätze entstehen, sondern über die Kombination aus Modellierung, Prozessintegration und kontinuierlichem Qualitätsmonitoring im laufenden Betrieb. Ominimo positioniert sich hier mit proprietärer Versicherungstechnologie und arbeitet zunächst über etablierte Versicherungs-, Vertriebs- und Claims-Partner, während parallel der Aufbau eigener regulatorischer Fähigkeiten voranschreitet.
Der „Proof“-Teil der Wachstumsstory kommt aus den Zahlen zum Prämienvolumen. Ominimo nennt eine annualisierte Brutto-Prämien-Run-rate, die 2024 bei rund 26,3 Millionen Euro lag und 2025 auf 157,8 Millionen Euro springt; aktuell veranschlagt das Unternehmen etwa 306,8 Millionen Euro. Dieser Sprung innerhalb eines Jahres ist für ein InsurTech besonders relevant, weil Wachstum in der Versicherungswirtschaft typischerweise stark an Underwriting-Disziplin, Schadensquote und Prozessqualität gebunden ist. Wenn parallel die Finanzierung nicht nur für den Markteintritt, sondern auch für Technologie- und KI-Investitionen vorgesehen ist, deutet das auf einen Fokus hin, die Preisfindung nicht nur zu starten, sondern dauerhaft zu verbessern – zum Beispiel durch bessere Segmentierung, automatisierte Risikoerfassung und effizientere Schadenbearbeitung.
Auch die Kapitalentwicklung wirkt wie ein Fortschrittscheck: Bereits 2025 schloss Ominimo die Series A ab – mit einer Bewertung von 200 Millionen Euro, nur 12 Monate nachdem das Unternehmen live gegangen war. Zur Series A gehörte zudem Zurich Insurance als strategischer Vertriebspartner und als Minderheitsgesellschafter. Solche frühen Partnerschaften sind in Europa häufig ein Hebel, um Skalierung zu erreichen, ohne alle Komponenten sofort selbst betreiben zu müssen. Für Ominimo bedeutet das: Während der regulierte Betrieb schrittweise Richtung eigener Lizenz ausgebaut wird, kann das Startup weiter Produkte in mehreren Ländern vermarkten, Partnerlandschaften nutzen und dabei die Datenbasis für KI-gestützte Modellverbesserungen vergrößern.
Die geografische Expansion zeigt eine klare Route von Markt zu Markt. Ominimo startete 2024 in Ungarn und erweiterte später auf Polen, die Niederlande und Schweden. Als nächstes bereitet das Unternehmen den Start in weiteren Märkten vor – genannt werden unter anderem Belgien, Rumänien, Spanien, Italien, Frankreich sowie die USA. Für den US-Betrieb nennt Ominimo als Zeitpunkt 2027; zugleich beschreibt das Unternehmen, dass es dort frühzeitig operativ planen will. Dabei geht es nicht nur um Vertrieb, sondern auch um die technische und organisatorische Anpassung: Datenquellen, Schadenprozesse, regulatorische Anforderungen und Integrationen müssen in jedem Markt neu aufgesetzt werden – und genau hier entscheidet häufig die Qualität der Software- und KI-Architektur über Geschwindigkeit und Risiko.
Intern skizziert Ominimo eine Organisationsform, die für datengetriebenes Underwriting typisch ist, aber konsequent umgesetzt werden muss. Das Unternehmen zählt etwa 130 Mitarbeitende und beschäftigt acht Mathematik-Olympiadmedaillisten sowie einen Physik-Olympiadmedaillisten. Zudem arbeiten rund zwei Drittel der Belegschaft in Data Science oder Softwareentwicklung, und die Firma will bis zum Jahresende auf ungefähr 150 Köpfe wachsen. Für die nächste Phase plant Ominimo unter anderem, weitere Top-Datenwissenschaftler, Softwareentwickler und Schlüsselrollen zu gewinnen und die Technologie- und KI-Entwicklung weiter zu treiben. Das ist entscheidend, weil Modelle im Versicherungsumfeld nicht „einmal gebaut“ werden: Sie benötigen fortlaufende Validierung, Drift-Überwachung, saubere Datenpipelines und präzise Prozess-Workflows, damit die versprochene Pricing-Genauigkeit in der Praxis stabil bleibt.
Mit 20,1 Millionen Euro frisst der nächste Wachstumsschritt damit mehrere Baustellen gleichzeitig: Unternehmenslizenz in eigener Regie, weitere europäische Märkte, die US-Vorbereitung, neue Versicherungsprodukte sowie zusätzliche Investitionen in Technologie und Künstliche Intelligenz. Gerade die Kombination aus eigener Lizenzperspektive und paralleler Marktexpansion über Partnerstrukturen ist ein Balanceakt zwischen Kontrolle und Tempo. Ominimo setzt dabei auf eine Skalierung, die sowohl operativ als auch modelltechnisch Sinn ergibt – und genau diese „Zwei-Schienen-Strategie“ wird für den europäischen Versicherungsmarkt in den kommenden Monaten zu beobachten sein: Wer Preisbildung, Automatisierung und regulatorischen Fahrplan in einem konsistenten Technologie-Stack zusammenbringt, kann sich spürbar schneller vom Pilot zum Massenbetrieb bewegen.
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