SAN FRANCISCO / LONDON (IT BOLTWISE) – Orbes bringt mit Exo-ORB einen frei fliegenden Inspektionssatelliten auf Kurs, der eine unbemannte Raumstationsmission von Symphony Space fotografisch begleiten soll. Das System soll sich dafür in nur 10 bis 20 Metern Abstand an die Station heranmanövrieren und Bilddaten zur Erde zurückfunken. Für das Manövrieren mit Sicherheitsabstand setzt Orbes auf ein GNC-Setup mit Cold-Gas- und Iodine-Thrustrn sowie Reaction Wheels. Zusätzlich läuft die Vorbereitung eines weiteren Roboters, der bereits 2027 zur Internationalen Raumstation soll.

Orbes, ein Startup aus Südkalifornien, startet die nächste Phase für autonome Inspektionsdrohnen im Erdorbit. Im Kern geht es um Exo-ORB: einen frei fliegenden Satelliten, der die Arbeiten an einer unbemannten Station von Symphony Space nicht nur überwacht, sondern in der Nähe der Struktur auch visuell dokumentiert. Laut Ankündigung soll Exo-ORB im Umfeld der Demonstrationsmission „Prelude“ starten und dabei von Anfang an als begleitendes „Eye-in-the-sky“-System funktionieren. Der Startzeitraum ist mit spät 2027 oder früh 2028 eingeordnet, was für Betreiber relevant ist, weil sich damit Testfenster, Bodensequenzen und Planungszyklen früh genug mit dem Station-Deployment synchronisieren lassen.
Technisch interessant ist vor allem, wie präzise der Abstand gestaltet werden soll. Orbes plant, Exo-ORB nach Erreichen der Umlaufbahn in einen Abstand von 10 bis 20 Metern zur Symphony-Space-Station zu bewegen, um Bilder zu erfassen und anschließend zu downlinken. Die Größe fällt dabei bewusst in eine bekannte Gewichts- und Integrationsklasse: Exo-ORB soll ungefähr „12-unit cubesat“-Ausmaß haben. Das ist nicht nur eine reine Marketing-Metrik, sondern beeinflusst Aerodynamik, Nutzlastmontage, thermisches Design und nicht zuletzt die Auswahl der Antriebskomponenten. Gerade bei orbitalen Nahbereichsmanövern wird außerdem schnell klar, dass das Zusammenspiel von Bahnmechanik, Lageregelung und Sensorik darüber entscheidet, ob man stabile Aufnahmen im Zeitfenster hinbekommt.
Damit das System ohne Kollisionen mit der Stationsstruktur auskommt, nennt Orbes ein kombiniertes Steuerkonzept. Für die Bahn- und Lageregelung setzt Exo-ORB auf Cold-Gas-Thrusters, Iodine-Thrusters und Reaction Wheels. Cold-Gas ist in der Regel die „sanfte“ Option für kleine Geschwindigkeitsänderungen und eignet sich gut für Nahbereichs-Korrekturen, während Iodine Thrusters als kompakte Alternative für stationäre Missionen häufig als effizient gelten, wenn die Zielgröße der Bahndelta-v klar definiert ist. Reaction Wheels liefern derweil schnelle Drehmomentanpassungen für Attitude Control, wodurch sich die Ausrichtung für Kameras, Antennen und optionale optische Systeme präziser halten lässt. Orbes unterstreicht zudem, dass die Guidance-, Navigation- und Control-Funktionalität bereits aufgebaut ist: „We have the [guidance, navigation and control] GNC in place to keep it safe, “ sagte Orbes-CEO Anna Shaposhnik.
Der Auftragspartner Symphony Space ordnet das Vorhaben in den größeren Architekturplan „Adagio“ ein. Symphony Space ist laut Angaben 2025 gegründet und verfolgt mit Adagio eine unbemannte Raumstationsplattform, die als full-scale System 2029 starten soll. In dem Kontext unterzeichnete das Unternehmen eine Letter-of-Intent-Vereinbarung, um Exo-ORB auf „Prelude“ sowie auf „Adagio“ zu bringen. Die strategische Logik dahinter ist zweigeteilt: Einerseits sollen visuelle Daten die Instandhaltung unterstützen, andererseits verspricht sich Symphony Space einen „Reality Check“ für das, was im Orbit tatsächlich passiert. Symphony-Space-CEO Merry Walker brachte das in einer veröffentlichten Stellungnahme so auf den Punkt: „We built Adagio to make space missions simpler, more cost-effective and faster to deploy. Capturing images and video of the work performed will not only support maintenance but beautifully translates what’s happening in orbit back to people on Earth.“ Damit wird die Sensorik nicht nur zum technischen Werkzeug, sondern auch zu einem Kommunikationskanal, der den operativen Status für Teams am Boden verständlicher machen kann.
Parallel zur Exo-ORB-Entwicklung arbeitet Orbes bereits an einem zweiten frei fliegenden Robotersystem namens ORB, das früh 2027 zur Internationalen Raumstation (ISS) gebracht werden soll. Orbes beschreibt ORB als „astronaut input“-basiertes Robotersystem und hebt Sicherheit als prioritäres Designziel hervor. Shaposhnik sagte dazu: „ORB is a robot built with astronaut input, “ und ergänzte: „One that is approachable, modular, and first and foremost safe. With quick acceleration at low speeds to swiftly complete tasks.“ Für Unternehmen und Forschungsteams ist das vor allem deshalb relevant, weil ISS-Tests typischerweise mehr als reine Hardware-Validierung liefern: Sie prüfen auch die Interaktion mit realen Betriebsabläufen, die Ergonomie für Nutzende sowie die Robustheit gegen unerwartete Randbedingungen in Mikrogravitation.
Auch die Rollenverteilung der nächsten Generation zeigt, wie Orbes aus der Inspektion schrittweise Wartungskompetenz aufbauen will. Zunächst steht laut Shaposhnik „stunning visual imagery“ im Vordergrund, also das Sammeln beeindruckender visueller Daten für Inspektion und Bewertung. Für spätere ORBs und Exo-ORBs plant Orbes, robotische Arme zu integrieren, um Wartungsaufgaben direkt ausführen zu können, ergänzt um passive Sensoren zur Umweltüberwachung. Das bedeutet aus Systemsicht: Mit jeder Ausbaustufe verschieben sich Anforderungen an Energiehaushalt, Daten- und Compute-Logik sowie Sicherheitsarchitekturen. Gleichzeitig entsteht für Entwickler ein konkreter Pfad, weil sich vom „sehen“ über das „positionieren“ bis hin zum „handeln“ die Software- und Safety-Layers iterativ aufbauen lassen – genau dort, wo viele Projekte im Orbit scheitern: bei der nahtlosen Kopplung von Autonomie, Mechanik und sicheren Betriebsgrenzen.
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