LONDON (IT BOLTWISE) – Eine neue Auswahl an SmallSat-Startups macht deutlich, wie stark sich der Markt Richtung Verteidigung, datenintensive Erdbeobachtung und Rechenleistung im Orbit verschiebt. Mehrere Teams treiben dabei die Engpässe entlang der Datenkette an: vom optischen Relaying bis zur Kantenintelligenz auf Satelliten. Andere fokussieren sich auf sichere Laserkommunikation, Wärmebild-Schwärme oder SAR-Systeme für präzise Detektion. Für Unternehmen und Regierungen entsteht damit ein realer Werkzeugkasten – aber die Technologie muss jetzt beweisen, dass sie im Orbit skalierbar und betriebssicher bleibt.

Wer sich 2026 mit SmallSats beschäftigt, landet zwangsläufig bei einem Thema: Die reine Kamerafunktion reicht nicht mehr aus. Daten werden zu schnell zu umfangreich, und die Lücke zwischen Sensor, Übertragung, Auswertung und anschließender Aktion wird kleiner. Genau dort setzt die diesjährige „Startups to Watch“-Auswahl an, die Unternehmen in frühen Finanzierungsphasen (Series A oder früher) bündelt und dabei besonders Projekte aus dem Verteidigungsumfeld, für Satellite-Data-Relay, Space-Domain-Awareness (SDA), KI-Anwendungen sowie In-Orbit-Computing hervorhebt. Auffällig ist die Mischung: Einerseits klassische Raumfahrtkompetenz wie Funk- oder Sensoriksysteme, andererseits gezielte Software- und Architekturarbeit, die den Gesamtdurchsatz der Missionskette verbessern soll.
Ein Beispiel ist Apolink, das den Downlink von Satellitendaten nicht nur durch „mehr Bandbreite“ lösen will, sondern über einen interoperablen Relay-Ansatz. Kern seiner Idee ist ein hybrides Netz aus optischen Inter-Satellite-Links und Radio-Frequency-(RF)-Komponenten, das laut Beschreibung eine Rückwärtskompatibilität zu bestehenden Legacy-Systemen ermöglichen soll. Apolink verfolgt damit praktisch den Ansatz, die Latenz im Datenpfad zu reduzieren, ohne sofort komplette Systemlandschaften ablösen zu müssen. Der Fortschritt wirkt dabei konkret: In diesem Jahr hat das Unternehmen seinen ersten Demonstrator namens IPoS (Interoperability Protocol over Satellite) auf einer SpaceX Transporter-17-Mission gestartet, um ein rückwärtskompatibles RF-Relay zu demonstrieren. Ergänzend wurden MoUs mit Space Compass und JSAT zur Untersuchung von LEO-GEO-optischen Inter-Satellite-Links geschlossen, und mit RBC Signals wird ein Setup über Ground-Segment-Services sowie Reselling geplant – ein typischer Hebel, um nicht nur Technik, sondern auch den operativen Zugang zum Datenservice früh zu etablieren.
Im Verteidigungs- und Sicherheitskontext zeigen andere Teams, dass Übertragung nicht nur „schneller“, sondern auch „unauffälliger“ und robuster werden soll. Astrolight aus Litauen arbeitet an laserbasierter Kommunikation, die es ausdrücklich als „unjammable“ und „undetectable“ positioniert – also als System, das sich gegen Störungen besser behaupten soll und im Vergleich zu klassischem Funk weniger angreifbar wirkt. Für die Verteidigungsoperationen in Luft, See, Land und im Weltraum beschreibt das Unternehmen sichere, interferenzresistente Kommunikation als Voraussetzung; aus dieser Perspektive soll Laserkommunikation eine Alternative zu konventionellen RF-Verfahren liefern, die anfällig für elektronische Kampfführung sind. Diese Ausrichtung wird durch Meilensteine untermauert: Laut Angaben hat Astrolight seine Polaris-Kommunikation und Datenübertragung in Verbindung mit einer NATO-Übung in Lettland getestet und bereitet nun die ersten Orbitaltests der ATLAS-1-Terminals im PeakSat-Projekt vor. Auch hier wird die Relevanz für Unternehmen konkret, weil Schnittstellen zwischen Satelliten, Boden und Missionssoftware praktisch schon vor der breiten Serienreife erprobt werden sollen.
Während Apolink und Astrolight den Datenpfad beziehungsweise die Kommunikation optimieren, verschiebt Constellr den Fokus stärker auf Wahrnehmung und Skalierung. Das in Freiburg gestartete Unternehmen setzt auf thermische Bildgebung, weil Wärme nicht nur Tage- und Nachtszenen sichtbar macht, sondern auch Aktivitätsmuster und Belastungen in Infrastruktur oder Umwelt vor physischen Schäden erkennbar machen kann. Technisch entscheidend ist hier der Sprung von „einzelner Sensor“ zur „HiVE“-Konstellation: SkyBee-1 ging Anfang 2025 in den Orbit, SkyBee-2 folgte in der zweiten Jahreshälfte, und SkyBee-3 soll im dritten Quartal dieses Jahres starten. Für Verteidigungs-Use-Cases ist die Bildlogik dabei nachvollziehbar: Wärme zeigt die Aktivität kritischer Assets auch in schwer beobachtbaren Umgebungen wie dem hohen Norden oder über See. Wirtschaftlich interessant wird es mit dem geplanten Constellation-as-a-Service-(CaaS)-Modell, das institutionellen Kunden Daten und Tasking auf Abruf anbieten soll, ohne dass diese selbst ein thermisches System betreiben müssen. Dazu kommt eine Roadmap für höhere Auflösung: Ab 2028 sind verbesserte Sensoren angedacht, die von der aktuellen 30-Meter-Basis in Richtung Sub-5-Meter gehen sollen, um souveräne ISR-Dienste zu unterstützen.
Ein anderer Schritt in Richtung Zukunftsfähigkeit passiert bei EDGX. Das belgische Startup mit Sitz in Gent hat 2,3 Millionen Euro eingesammelt und will damit die Kommerzialisierung von EDGX Sterna beschleunigen: einen „next-generation edge AI computer“ für Satelliten. Spannend ist nicht nur, dass STERNA bereits an Bord von zwei Raumfahrzeugen in den Orbit gegangen sein soll, sondern wie das Unternehmen den Problemraum definiert: Es will den gesamten Supply-Chain-Kontext großer Konstellationsprojekte abdecken – von Betreibern über Hersteller bis hin zu Payload-Entwicklern – und gleichzeitig als „Brücke“ zu Startups und Universitäten dienen. Diese Doppelstrategie adressiert ein typisches Skalierungsrisiko in der Raumfahrt: Ohne standardisierte Entwicklungs- und Integrationspfade bleibt Kantenintelligenz ein Pilot-Thema. EDGX betont deshalb ein softwareseitig vertrautes, gut dokumentiertes Entwicklungsgefühl und zielt gleichzeitig darauf, dass die Hardware „mission-ready“ Zuverlässigkeit mit Resilienz verbindet. In der Praxis ist das die Voraussetzung, um aus Edge-KI im Orbit später wiederholbare Services zu machen.
Dass In-Orbit-Computing und Autonomie kein reines Trendwort sind, unterstreicht Fortastra. Das Startup arbeitet an intelligenten, manövrierfähigen Raumfahrzeugen, die Umgebung im Orbit erkennen, verstehen und ansteuern sollen. Der Kontext ist im Text klar: zunehmende Aktivität in erdnahen Umlaufbahnen, Hinweise auf militärische „Close-Approach“-Szenarien und eine Signalisierung durch die US Space Force, manövrierbare Assets als Bedarf zu betrachten. Fortastra kommt aus einer technisch geprägten Tradition und ist laut Beschreibung ein Ergebnis aus dem Stealth-Modus heraus, mit rund 15 Mitarbeitenden und einem 8-Millionen-Dollar-Seed-Round im Dezember; außerdem steht die Demonstration eines Paares von Demonstrationsraumschiffen für das vierte Quartal an. Ein weiteres Detail passt in das Autonomie-Bild: Das Unternehmen hat für Labortests ein Roboterarm-Setup gekauft, um Sensoren zu testen und am Autonomie-Stack sowie an der Perception zu iterieren. Kurzfristig sieht Fortastra den größten Nutzen im Verteidigungsbereich, während langfristig auch Infrastrukturrollen in der „contested space“-Ökonomie möglich sein sollen.
Neben Kommunikation, Bildgebung und Edge-KI tauchen in der Liste auch stärker analytische und sensor-übergreifende Ansätze auf. PangeAI setzt auf KI-gestützte Agenten, um Geodaten-Entscheidungen breiter nutzbar zu machen – vom GIS-Experten hin zu Entscheidern in Organisationen. PierSight wiederum baut SAR-Systeme, die bewusst für einzelne Anwendungen optimiert sind, etwa für maritime Überwachung über eine 32-Satelliten-Konstellation (Varuna) oder für foliage-penetrating Surveillance mit einem drone-montierten SAR-Payload (Vidura). Reflex Aerospace schließlich verfolgt eine industrielle Logik: hochqualitative Satelliten-Busse, payloadzentriert und mit Fokus auf schnelle, anpassbare Fertigung. Das Unternehmen nennt eine 50-Millionen-Euro-Series-A-Runde und beschreibt zusätzlich eine Produktionsinfrastruktur in München, was in einem Markt, der zwischen Standardisierung und Sonderanforderungen schwankt, einen klaren Differenzierungshebel darstellen kann. Sophia Space ergänzt das Feld der orbitalen Rechenzentren mit passiver Thermik für TILE-Compute-Module und arbeitet auf eine In-Orbit-Demonstrationsmission 2027 hin. Schließlich zeigt Spaceflux, wie „Space Intelligence“ operativ werden soll: Das Unternehmen betreibt rund 15 elektro-optische Bodenteleskope und nutzt eine AI-basierte Cortex-Analytik, um Satelliten und Debris nachts und tagsüber in unterschiedlichen Orbitalregimen zu charakterisieren, und berichtet über mehrere mehrjährige Surveillance-und-Tracking-Verträge im Rahmen des NSpOC-Frameworks.
Für den Markt lässt sich daraus vor allem eine strategische Lehre ziehen: In SmallSat-Programmen werden heute mehrere Flaschenhälse gleichzeitig adressiert. Es reicht nicht, einen Sensor in den Orbit zu bringen; entscheidend ist, wie Daten übertragen, gesichert, in sinnvolle Form gebracht und mit möglichst geringer Latenz in Entscheidungen überführt werden. Genau deshalb wirken die Kombinationen aus Relay-Technik, laserbasierter Kommunikation, thermischer Konstellation, SAR-Spezialisierung und Edge-Computing so konsistent. Gleichzeitig steigt damit der Integrationsdruck auf Enterprise- und Behördenanwender: Wer operativ anschließen will, muss Schnittstellen, Zuverlässigkeit im Betrieb und die Skalierung von Services über mehrere Plattformen hinweg prüfen. Die ausgewählten Startups liefern dafür erste Indikatoren – von Demonstrationssatelliten über Orbitaltests bis zu konkreten Partner- und Vertragsstrukturen – aber die eigentliche Bewährungsprobe beginnt, sobald aus Technologie wirklich wiederholbare Einsätze mit messbarer Verfügbarkeit werden.
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