SHANGHAI / LONDON (IT BOLTWISE) – Sorgen vor aufholender Chipfertigung in China haben den Technologiesektor an den US-Börsen ausgebremst. Während der Dow Jones noch um 0,51 % zulegte, blieb der S&P 500 praktisch unverändert. Besonders die Nasdaq 100 geriet wegen schwacher Chipwerte unter Druck, obwohl sich einzelne Software- und Internetaktien stabilisierten. Parallel steigt die Spannung vor der Fed-Entscheidung am Mittwoch und vor den Quartalsberichten großer Tech-Schwergewichte.

Die Hoffnung auf eine Deeskalation im Nahen Osten hat die US-Börse am Montag zwar gestützt, aber nicht eindeutig in breitere Kursgewinne übersetzt. Der Leitindex Dow Jones Industrial schloss bei 52.210,08 Punkten mit einem Plus von 0,51 Prozent; der marktbreite S& P 500 beendete den Handel hingegen nur mit 0,02 Prozent höher. Damit blieb die anfängliche Erleichterung, die in der Reaktion auf eine erneute Feuerpause im Konflikt zwischen den USA und dem Iran aufgekommen war, im Wochenauftakt weitgehend begrenzt.
Im Technologiesektor lag das Hauptgewicht der Enttäuschung auf den Halbleitern. Dort bremsten nicht nur die klassischen zyklischen Fragen zur Nachfrage, sondern konkret auch die Sorge um Wettbewerb aus China, die die Branche laut Beschreibung als „Bremsklotz“ wirken ließ. Zusätzlich verstärkten anhaltende Bedenken hinsichtlich der Rentabilität großer KI-Geschäfte den Druck auf renditeorientierte Bewertungen. Entsprechend fiel die Nasdaq 100 unter das Niveau der Vorwochen: Sie verlor 0,3 Prozent auf 28.039,21 Punkte und knüpfte damit an eine Talfahrt an, die den Index bereits auf das niedrigste Niveau seit Anfang Mai gedrückt hatte.
Ein zentraler Auslöser der Diskussionen war dabei die Technologie- und Produktionsseite der Chipkette. Berichten zufolge geht es in China um eine beginnende Produktion von DUV-Lithografiesystemen; bei Investoren führte das schnell zu der Rechnung, ob dadurch mittelfristig Kapazitäten entstehen könnten, die westliche Einheiten im Fertigungsprozess weiter unter Druck setzen. Besonders im Halbleiterumfeld gilt: Wenn sich die Skalierung einer kritischen Prozessstufe beschleunigt, verändert das die Machtbalance entlang der Lieferkette. Als Verstärker kam ein kräftiger Handelsstart des chinesischen DRAM-Speicherherstellers CXMT hinzu, dessen Kurs sich am ersten Handelstag in Shanghai vervielfachte und damit die Marktaufmerksamkeit auf chinesische Fertigungs- und Speicherambitionen zog.
Während Chipwerte schwächelten, zeigten einige Software- und Internet-Titel zumindest wieder Stabilisierung. So zählten Aktien wie Salesforce, Microsoft und Alphabet im Leitindex zu den Gewinnern. Dennoch blieben die großen KI-bezogenen Erwartungen ein Reibungspunkt: Nvidia war mit fünf Prozent Minus Schlusslicht im betrachteten Index, und parallel tauchten erneut Sorgen zu den „üppigen“ Investitionen großer Konzerne auf. Medienberichten zufolge arbeitet der Chipriese dabei an neuen KI-Geschäften im Wert von mehr als 750 Milliarden Dollar – für Anleger ist das einerseits ein Signal für Wachstum, andererseits aber auch ein möglicher Kostendruck, falls die Monetarisierung langsamer einsetzt als die Investitionskurve.
Für einen anderen Risiko- und Renditepfad sorgten dagegen einzelne Quantencomputer-Aktien, die sich deutlich abkoppelten. Besonders D-Wave legte um 20 Prozent zu, gestützt durch eine Vereinbarung mit dem Telekomkonzern AT& T, um den Einsatz der Technologie auszuweiten. Damit zeigt sich ein Muster, das auch im klassischen Tech-Universum immer wieder auftaucht: Während „Mainstream“-Archetypen unter der Frage nach Margen und Produktionsvolumen leiden, können Nischenwerte kurzfristig durch konkrete Partnerschaften und Ausweitungspläne überproportional profitieren.
Mit Blick auf die nächsten Handelstage richten sich die Erwartungen nun stark auf die Quartalsberichte der Schwergewichte. Microsoft, Meta, Amazon und Apple stehen dabei im Fokus; entscheidend ist weniger die Schlagzeile als die Antwort auf die Frage, wie stark sich die Kosten für KI-Infrastruktur und Produktentwicklung bereits in Umsatz und operative Kennzahlen übersetzen. Gleichzeitig wächst die Nervosität vor der Zinsentscheidung der US-Notenbank Fed am Mittwoch – denn gerade im Tech- und Wachstumsbereich wirkt jede Neubewertung der Diskontierungszinssätze unmittelbar auf Bewertungsniveaus.
Im Hintergrund blieb zudem eine politische Restwirkung, die die Märkte spürbar beeinflusst haben dürfte: Laut der Meldung stoppte US-Präsident Donald Trump die jüngsten Angriffe im Iran zunächst, um Verhandlungen eine weitere Chance zu geben. Das dämpfte den Ölpreis-Effekt zwar nicht vollständig, aber es veränderte die Risikowahrnehmung. So litten Chevron und ExxonMobil unter nachgebenden Ölpreisen; bei den Autobauern dagegen kamen Kaufempfehlungen des Analysehauses Jefferies offenbar gut an, was Ford und General Motors stützte. Im Nebenwertesegment schließlich sorgten erhebliche M& A-Phantasie und ein konkreter Kaufpreis für Bewegung: Forte Biosciences sprang um fast 40 Prozent, nachdem Argenx die Übernahme des Unternehmens für 77 Dollar je Aktie – insgesamt rund 2,2 Milliarden Dollar – in bar angekündigt hatte; der Forte-Kurs näherte sich bis auf wenige Cent dem gebotenen Niveau.
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