LONDON (IT BOLTWISE) – DeFi Technologies stellt sich mit einem offenen Brief an die Aktionäre der anhaltenden Schwäche des Kryptomarkts. Johan Wattenstrøm nennt drei Treiber für den Kursverfall: schwache Altcoin-Märkte, eine Sektorrotation weg von Krypto-Aktien und technische Effekte nach einer früheren Kapitalerhöhung. Kurz zuvor hatte die schwedische Finanzaufsicht FSA eine geplante UCITS-Struktur für krypto-bezogene Vermögenswerte abgelehnt. Parallel skizziert das Management Kostensenkungen, KI-Integration und den geplanten Start eines Hedgefonds, während Investoren vor allem auf den UCITS-Widerspruch, den Hedgefonds und mögliche Übernahmen schauen.

Der Kursrutsch von DeFi Technologies wirkt derzeit weniger wie ein isolierter Ausreißer als wie ein Stresstest für das Vertrauen in die eigene Wachstumsstory. In den vergangenen zwölf Monaten hat die Aktie laut Bericht über 84 Prozent an Wert eingebüßt, und selbst nachdem es zuletzt wieder bergauf ging, bleibt der Abstand zum 52-Wochen-Hoch gewaltig. Genau in diese Spannung hinein hat Johan Wattenstrøm, Executive Chairman und CEO, am 27. Juli einen offenen Brief an die Aktionäre veröffentlicht. Er versucht darin, die Ursachen des Talfahrts-Szenarios aufzudröseln und gleichzeitig eine operative Agenda zu liefern, mit der das Unternehmen die Talsohle in einen planbaren Umbau verwandeln will.
Wattenstrøm ordnet den anhaltenden Kursverfall vor allem drei Faktoren zu. Erstens nennt er schwache Altcoin-Märkte, die die Bewertungslogik im Krypto-Ökosystem insgesamt drücken. Zweitens verweist er auf eine Sektorrotation weg von Krypto-Aktien, also darauf, dass Kapital in anderen Risk-Treibern umgeschichtet wird, wenn das Interesse an börsennotierten Krypto-Exponierungen nachlässt. Drittens spielt er technische Nachwirkungen einer früheren Kapitalerhöhung an, die in der Praxis oft erst zeitverzögert über Liquiditäts- und Wahrnehmungseffekte in Kursbewegungen münden. Für den Brief kam hinzu, dass die Aktie innerhalb eines Monats rund 23 Prozent verloren hatte – also nicht nur ein langfristiges Trendproblem, sondern eine akute Phase von Risikoaversion.
Besonders heikel ist dabei ein konkretes regulatorisches Ereignis, das im Text als Rückschlag beschrieben wird: Die schwedische Finanzaufsicht FSA hatte die geplante UCITS-Struktur für krypto-bezogene Vermögenswerte abgelehnt. Genau solche Entscheidungen sind in der Branche mehr als nur ein bürokratischer Stolperstein, weil UCITS als Signal für Vertriebstauglichkeit in regulierten Märkten gilt. Wattenstrøm adressiert deshalb auch nicht ausweichend, sondern direkt den Punkt: Demnach hat das Unternehmen gegen die FSA-Entscheidung Widerspruch eingelegt und die UCITS-Infrastruktur nun an anderer Stelle in der EU aufgebaut. Damit verschiebt sich der Fokus von „ob“ in „wo“ und „wie schnell“, was für Anleger relevant ist, weil Zeitverzug bei regulatorischen Pfaden häufig zur Neubewertung von Cash- und Wachstumsannahmen führt.
Operativ setzt das Management parallel auf ein Bündel aus Kostendisziplin und Ausbau in den Kerngeschäften. Genannt werden laufende Kostensenkungen, der Ausbau der Custody-Plattform Valour sowie weiteres Wachstum bei Stillman Digital. Auch das Thema „Wachstum über Deals“ wird ausdrücklich adressiert: Das Unternehmen suche aktiv nach größeren Übernahmezielen. Technisch betrachtet ist Custody in solchen Modellen ein empfindlicher Wettbewerbspunkt, weil skalierbare Verwahrung, robuste Prozesse und nachvollziehbare Governance entscheidend sind, damit Ausrichter von Produkten auf Marktnachfrage überhaupt reagieren können. In genau diese Richtung zielt zusätzlich die geplante KI-Integration: DeFi Technologies will Künstliche Intelligenz stärker in Handelsalgorithmen und den täglichen Betrieb einweben und darüber hinaus KI-gestützte Investmentprodukte vorbereiten. Dazu passt auch der Zeitplan, der im Brief anklingt: Die Marktflaute soll genutzt werden, um Plattform und Produkte zu optimieren, damit die zweite Jahreshälfte bei Wachstumsgelegenheiten nicht nur reagiert, sondern vorbereitet ist.
Für den nächsten Risikohorizont kommt dann noch die Finanzierungskomponente hinzu. Das Management kündigt „sehr bald“ den Start des ersten Hedgefonds an und will Arbitrage-Strategien in der zweiten Jahreshälfte ausweiten. Arbitrage-Ansätze sind für Unternehmen in der Krypto-Nähe attraktiv, weil sie weniger von direktionalen Marktwetten abhängen, sondern von Preisunterschieden, Ausführungsvorteilen und effizienten Operationen. Als Sicherheitsnetz für den Fall anhaltenden Kursdrucks nennt das Management zudem eine mögliche Aktienzusammenlegung, mit dem Ziel, die Nasdaq-Notierung zu sichern. Solche Maßnahmen wirken meist doppelt: Sie können die Wahrnehmung von Liquidität und Mindestpreisbedingungen stabilisieren, ändern aber nicht automatisch die fundamentalen Treiber. Umso wichtiger ist der belegte operative Unterbau, den Wattenstrøm hervorhebt: Rekordumsatz und Rekordgewinn für 2025, liquide Mittel von rund 150 Millionen Dollar im ersten Quartal und eine praktisch schuldenfreie Bilanz. Ergänzt wird das durch eine breitere Aufstellung über die Sparten Valour und Stillman Digital.
Während die Darstellung des CEO nach innen eine klare Linie ziehen will, bleibt die Reaktion des Kapitalmarkts laut Bericht differenziert. Eine jüngste Einstufung lautet „Kaufen“ mit einem Kursziel von 1,00 kanadischen Dollar; die gegenläufige Sicht kommt von einem KI-Analysten bei TipRanks, der die Aktie neutral einordnet. Als Begründung werden schwache Cash-Generierung und ein rückläufiger Umsatz auf Zwölfmonatsbasis genannt, obwohl die ausgewiesene Profitabilität stark ausfällt. Diese Gegenüberstellung ist typisch für Phasen, in denen Unternehmen buchhalterisch Gewinn zeigen, aber zugleich Cash-Realisation oder nachhaltiges Wachstum noch nicht überzeugend genug ist. Auch charttechnisch bleibt die Lage laut Bericht unscharf: Nach der Erholung notiert die Aktie bei 0,3866 Euro, plus 7,45 Prozent innerhalb einer Woche. Der RSI von 41,2 deutet weder auf eine überverkaufte Lage noch auf eine klare Aufwärtsdynamik hin – vielmehr bewegt sich das Papier in einer Grauzone, in der sich Trendwenden erst über Anschlusskäufe oder konkrete Nachrichtenpunkte materialisieren.
Für Investoren verdichtet der Bericht deshalb drei Beobachtungspunkte zu den wahrscheinlich kursbestimmenden Events. Erstens steht der Ausgang des UCITS-Widerspruchs im Raum, weil er darüber entscheidet, ob und wie das Unternehmen den regulierten Vertrieb für krypto-bezogene Produkte weiter ausrollen kann. Zweitens wird der Start des angekündigten Hedgefonds zum Signal, ob die Arbitrage-Strategien zügig in die Umsetzung kommen. Drittens zählen erste sichtbare Fortschritte bei den geplanten Übernahmen, weil sie die Frage beantworten, ob Valour/Stillman Digital nur ausbauen oder auch beschleunigen können. Ob der kurzfristige Wochengewinn zur Trendwende taugt oder lediglich eine Gegenbewegung bleibt, dürfte davon abhängen, wie schnell sich die regulatorische und operative Agenda in messbare Umsetzung übersetzt – und ob die Cash-Realisation die Lücke zur ausgewiesenen Profitabilität schließt.
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