OSAKA/TOKIO / LONDON (IT BOLTWISE) – Borussia Dortmund startet seine vierte Marketing-Reise nach Japan mit einem Reise-Kader ohne mehrere bekannte Gesichter. In Osaka und Tokio müssen Fans auf Selfies und Autogramme von Nico Schlotterbeck, Gregor Kobel, Julian Ryerson und Emre Can verzichten. Trainer Niko Kovac stellt die sportliche Priorität klar zurück und kündigt an, dass die Asienreise vor allem fürs Spielen gedacht ist. Gleichzeitig fehlt auch Sportdirektor Ole Book für Transfergespräche in der Heimat.

Wenn ein Bundesligist vier Wochen vor Saisonstart eine Marketing-Reise in Asien ansetzt, ist das selten nur „Kulturprogramm“. Beim BVB fällt die Tour nach Japan in eine Phase, in der sportliche Belastung und Personalplanung eng verzahnt sind: Während der Deutsche Fußball in den Startlöchern steckt, versucht der Klub in Osaka und Tokio zugleich, die internationalen Fan-Netzwerke sichtbar zu aktivieren. Allerdings zeigt das Reiseaufgebot auch, wie begrenzt die Präsenz der ersten Garde ausfällt. Mehrere Profis bleiben in diesem Zeitraum wegen Erholung oder Urlaub in Deutschland, wodurch das Fan-Erlebnis vor Ort zwangsläufig anders ausfällt als bei Begegnungen mit dem kompletten Stammkader.
Der Kern der Abwesenheiten betrifft vor allem Spieler, die man bei BVB-Events typischerweise als „Gesichter“ kennt. Laut Bericht startet der Reisetross ohne Nico Schlotterbeck, Gregor Kobel, Julian Ryerson und Emre Can, also genau jene Namen, die in Japan das Bild des Vereins prägen. Für Schlotterbeck und Can wird dabei eine längere Rehabilitationsphase nach langwierigen Verletzungen genannt. Kobel und Ryerson dagegen befinden sich offenbar entweder noch im Urlaub oder nehmen das Training in Dortmund erst wieder in einem späteren Rhythmus auf. Um diese Lücke für die japanischen Bundesliga-Fans nicht vollständig mit Nachwuchs zu füllen, reisen zusätzlich mehrere andere WM-Kaderspieler mit, darunter Jobe Bellingham und auch Fabio Silva sowie aus dem erweiterten WM-Umfeld Maximilian Beier, Felix Nmecha, Waldemar Anton, Daniel Svensson und Carney Chukwuemeka.
Sportlich setzt Cheftrainer Niko Kovac in der aktuellen Phase jedoch andere Schwerpunkte als die Fans von der ersten Reihe vielleicht erwarten würden. Er kündigte vor der Abreise an, dass es in Japan nicht wie gewohnt viel Training geben werde. Konkret sagte Kovac, die WM-Spieler seien eher für das zweite der zwei geplanten Testspiele in Tokio eingeplant. Damit folgt der Klub einem pragmatischen Modell: Erstens wird die Vorbereitung auf die frühen Ligawettbewerbe gesichert, zweitens werden die Belastungen der WM-Teilnehmer so dosiert, dass der Trainingsfortschritt nicht durch zu frühe oder zu lange Spielminuten „kaputttrainiert“ wird. Wenn Kovac „sehr viel weniger Training“ in Aussicht stellt und zugleich betont, man wolle in Asien vor allem „spielen“, dann beschreibt das auch eine Logik für das Teamgefühl. Spiele ersetzen in dieser Phase zwar nicht die detaillierte Trainingsarbeit, schaffen aber Geschwindigkeit, Automatismen und taktische Verständigung mit einem klaren Zielrahmen.
Während also die sportliche Rotation auf die Reise abgestimmt ist, zeigt die Personalplanung auf Management-Ebene eine parallele Spur. Sportdirektor Ole Book nimmt nicht am Japan-Term in Osaka und Tokio teil, sondern bleibt knapp vier Wochen vor Saisonbeginn für Transferverhandlungen in der Heimat. Dieser Zeitpunkt ist entscheidend, weil die Transferphase typischerweise zwar mehrere Wochen dauert, die entscheidenden Entscheidungen aber oft in einem engen Korridor fallen: Nach dem Wechsel von Flügelspieler Karim Adeyemi zum FC Barcelona und dem langfristig absehbaren Abgang von Julian Brandt sucht Dortmund weiterhin nach Verstärkung. Im Bericht wird Book mit einem Markt-Realismus zitiert: Offensivwunsch ja, am Ende müsse man aber die „Gesetze des Marktes“ berücksichtigen und mit der Zeit gehen. Die Japan-Reise wird damit indirekt zu einem Signal, dass der Klub im Kerngeschäft nicht nur auf dem Platz, sondern auch am Verhandlungstisch Prioritäten setzt.
Dass Book „fündig“ geworden sein könnte, deutet eine weitere Passage auf konkretere Planungen hin. Demnach soll der 18-jährige Grieche Konstantinos Karetsas vom belgischen Erstligisten KRC Genk nach Dortmund kommen, und zwar für 30 Millionen Euro, wie es in dem Bericht heißt. Ob und wann sich ein Transfer in eine „sichere“ Phase bewegt, bleibt damit formal offen, doch die Nennung der Ablösesumme zeigt zumindest, dass der Klub nicht ausschließlich im Bereich der vagen Kandidaten sucht. Zusätzlich wird ein mögliches Tauschgeschäft angesprochen: Für einen Ersatz im Kontext von Adeyemis Abgang soll Book im Austausch mit Said El Mala und dem 1. FC Köln stehen. Selbst wenn einzelne Details bis zur finalen Bestätigung variieren, entsteht das Bild eines Transferfensters, in dem Dortmund versucht, mehrere Baustellen gleichzeitig zu bedienen, statt nur auf eine einzelne Position zu fokussieren.
Parallel zur sportlichen und wirtschaftlichen Dimension der Japan-Tour unterstreicht Clubchef Carsten Cramer den Stellenwert der Auslandsvermarktung. Er verortet den Nutzen nicht ausschließlich im „Eventcharakter“, sondern betont die Chancen, die in der Auslandsarbeit liegen, und kritisiert zugleich eine zu defensive Haltung in der Liga. Im Bericht wird Cramer so wiedergegeben, dass er es schade findet, wenn nach der WM ausgerechnet „nur die Bayern“ und Dortmund auf Reisen gehen. Zur Einordnung: Der FC Bayern soll Anfang August eine Woche nach Südkorea und Hongkong absolvieren, während die anderen 16 Bundesligisten ihre Trainingslager in Europa planen. Für Dortmund ist die Japan-Abstinenz gegenüber früheren Jahren dabei bemerkenswert: Nach den Reisen 2015, 2017 und 2024 ist es nun bereits die vierte Japan-Tour. Genau hier wird die Marketing-Logik sichtbar: Der Klub nutzt ein wiederkehrendes Format, um Beziehungen zu pflegen, statt jedes Jahr „bei Null“ zu starten.
In diese Strategie passt auch das sportliche Element des Wiedersehens. Bei Cerezo Osaka steht Shinji Kagawa auf dem Platz, also ein ehemaliger Dortmunder Publikumsliebling, der mit dem BVB jeweils zweimal die deutsche Meisterschaft und den DFB-Pokal gewann. Auch wenn der Bericht den sportlichen Wert der Asienreise eher gering einordnet, entsteht durch solche Ankerpunkte eine klare Erfahrungsqualität für die Fans: Der internationale Austausch wird konkreter, statt abstrakt zu bleiben. Für Dortmund endet die Japan-Phase bereits mit den Testspielen gegen Cerezo Osaka und den FC Tokio. Wieder zurück im Alltag wartet dann unmittelbar ein Pflichtspiel der neuen Saison: Am 22. August empfängt der BVB den FC Bayern München zum Franz-Beckenbauer-Supercup. Spätestens dort wird sich zeigen, ob das Konzept „weniger Training, mehr Spiele“ in der frühen Vorbereitung die richtigen Akzente setzt – und ob die Transferarbeit neben der Reise die sportliche Substanz rechtzeitig stärkt.
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