LONDON (IT BOLTWISE) – Ende Juli 2026 haben Tester mehrere kostenlose Office-Pakete gegen ein komplexes Word-Dokument mit verbundenen Zellen, schwimmenden Grafiken und aktivierter Änderungsverfolgung geprüft. LibreOffice, WPS Office und ONLYOFFICE bewahrten Kommentare und Änderungen in der Auswertung korrekt auf, unterschieden sich aber bei der Formatierung teils deutlich. Parallel zeigt Microsoft mit 20 Millionen bezahlten Copilot-Lizenzen im dritten Quartal, dass die KI-Offensive läuft, allerdings noch mit Raum nach oben. Die Marktbewegung wird zugleich durch Nischenanbieter verstärkt, die KI lokal betreiben oder Aufgabenagenten bereitstellen.

Office-Test im Juli 2026: LibreOffice, WPS und ONLYOFFICE halten gegen Microsoft mit KI Schritt
Office-Test im Juli 2026: LibreOffice, WPS und ONLYOFFICE halten gegen Microsoft mit KI Schritt (Foto: IT BOLTWISE)
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Ende Juli 2026 stand nicht das Versprechen im Mittelpunkt, sondern die Datei: Ein komplexes Word-Dokument mit verbundenen Zellen, schwimmenden Grafiken und aktivierter Änderungsverfolgung wurde von LibreOffice, WPS Office und ONLYOFFICE gegen Microsoft Word getestet. Genau in dieser Konstellation zeigt sich, ob eine Office-Suite nur „ähnliche“ Inhalte lädt oder ob sie die semantische Struktur einer Dokumentbearbeitung wirklich mitnimmt. Alle drei Alternativen bewahrten nach den Testergebnissen Kommentare und Änderungen korrekt – damit ist ein Kernversprechen eingelöst: Wer in Teams mit Review-Prozessen arbeitet, braucht verlässliche Wiedergabe von Markups, nicht nur Layout-Ästhetik.

Bei der Formatierung traten dann allerdings Abweichungen zutage, die in der Praxis schnell zu Mehraufwand führen können. LibreOffice etwa blähte das Dokument von zwei auf drei Seiten auf und kam im Ergebnis auf 724 Wörter, während Microsoft Word bei 678 Wörtern landete. Das wirkt zunächst wie eine rein numerische Randnotiz, ist aber häufig ein Symptom für andere Umbruch- und Layoutpfade: Zeilen- und Absatzberechnung, Tabellenbreiten oder die Art, wie die Software die Kombination aus verbundenen Inhalten und schwimmenden Elementen neu verteilt. WPS Office (691 Wörter) und ONLYOFFICE (694 Wörter) lagen näher am Original, also dort, wo für viele Anwender die „Übersetzungsleistung“ der Dokumentstruktur besonders entscheidend ist.

Noch konkreter wurde es bei typischen Office-Stolperstellen. ONLYOFFICE wandelte gepunktete Tabellenrahmen in durchgezogene Linien um; WPS Office verschob einige Überschriften neben schwimmende Bilder. Solche Details sind weniger spektakulär als KI-Claims, aber sie entscheiden im Alltag darüber, ob ein Dokument nach dem Öffnen „noch schnell plausibilisiert“ ist oder ob man wieder in manuelle Nacharbeit rutscht. Technisch hängt das oft mit Renderpfaden und Treiberlogik zusammen: Wenn ein Dokument CSS-ähnliche Eigenschaften, Word-spezifische Absatzregeln und grafische Floating-Objekte kombiniert, müssen Office-Suiten nicht nur Inhalte parsen, sondern auch Layoutregeln interpretieren, die historisch aus unterschiedlichen Implementierungen gewachsen sind.

Während diese Tests die Kompatibilität im Offline-Editor fokussieren, treibt Microsoft die Diskussion Richtung KI-Bearbeitung. Im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2026 erreichte Microsoft 365 Copilot 20 Millionen bezahlte Unternehmenslizenzen – ein Anstieg um 15 Millionen im Vorquartal. Als Treiber wurden Großenkunden hervorgehoben, unter anderem Accenture mit der Implementierung für 743.000 Mitarbeiter. Gleichzeitig zeichnet sich aber eine typische Übergangsphase ab: Von insgesamt mehr als 450 Millionen Microsoft-365-Nutzern nutzen nur 4,5 Prozent Copilot überhaupt. Das lässt sich als Hinweis lesen, dass KI-Features in der Breite noch an Rollout-Reife, Training und passenden Workflows arbeiten müssen – nicht nur an der Verfügbarkeit der Lizenzen.

Microsoft versucht genau an diesen Engpässen anzusetzen, indem neue Excel-Funktionen KI-generierte Daten mit automatischen Quellenangaben anreichern. Außerdem entfällt laut den Angaben eine bisherige Pflicht zur aktivierten AutoSave-Funktion, was Hürden im Alltag reduzieren könnte, etwa beim Testen von Funktionen in „flüchtigen“ Bearbeitungssituationen. Parallel wächst der Markt für KI-Lösungen, die nicht über den klassischen Cloud-Workflow laufen sollen. Besonders auffällig sind Anbieter, die KI lokal betreiben: Synsira Software bringt mit Kind Local Pro eine KI-Plattform, die Dokumente, Bilder und Audio ausschließlich auf dem eigenen Rechner verarbeitet und dabei Open-Source-Modelle nutzt, ohne Cloud-Speicher. Genau solche Architekturentscheidungen wirken in Unternehmen mit strengen Datenschutzanforderungen wie ein Türöffner, weil sie Datentransfers und externe Persistenz reduzieren können.

Neben der lokalen Verarbeitung verschiebt sich auch die Form der KI-Nutzung. Perplexity hat einen Windows-Agenten vorgestellt, der Aufgaben auf verschiedene KI-Modelle verteilt und dabei mit Plattformen wie Salesforce, HubSpot und Microsoft 365 zusammenarbeitet. Solche Desktop-Agenten sind im Kern weniger „ein neues Modell“ als vielmehr ein Orchestrierungsproblem: Welche Tools werden wann angestoßen, wie werden Ergebnisse strukturiert zurück in bestehende Systeme geschrieben und wie bleibt der Benutzer währenddessen handlungsfähig? Ebenso interessant ist das Konzept „Dokumente als Baukasten“, das beim System Coda betont wird: Beta-Tester beschreiben es als modulares System, das Dokumente mit der Funktionalität von Anwendungen kombiniert. Damit wird der Trend sichtbar, dass Produktivität nicht mehr nur im Office-Textformat entsteht, sondern in komponentenbasierten Workspaces.

Auch wirtschaftlich spiegelt sich die Dynamik. Microsofts KI-Geschäft erreicht inzwischen einen Jahresumsatz von über 37 Milliarden Euro, ein Plus von 123 Prozent gegenüber dem Vorjahr; gleichzeitig zeigen die Nutzerzahlen, dass die Durchdringung noch nicht vollständig ist. Andere Anbieter liefern ebenfalls Beschleunigung: Sage steigerte den Umsatz in den neun Monaten bis Juni 2026 um elf Prozent auf umgerechnet rund 2,4 Milliarden Euro, das Cloud-Geschäft wuchs sogar um 25 Prozent. Google Cloud meldete für das zweite Quartal einen Umsatz von 24,8 Milliarden Euro, ein Plus von 82 Prozent. An den Börsen wurde Ende Juli zudem ein Umschwung beobachtet: Nach fallenden Anleiherenditen griffen Anleger verstärkt bei Software-Aktien zu, mit Kursgewinnen etwa bei Asana, PagerDuty und Bentley Systems zwischen 6,1 und 10,5 Prozent.

Für Unternehmen ergibt sich daraus ein praktischer Schluss: Die Konkurrenz rund um Office-Kompatibilität bleibt relevant, besonders dort, wo Dokumente komplexe Word-Features nutzen und Änderungsstände zuverlässig reproduziert werden müssen. Gleichzeitig wird die Entscheidung für oder gegen eine Suite immer stärker von KI-Integrationen, Datenschutzarchitektur und Agenten-Workflows geprägt. Wenn Microsoft und OpenAI ihre Zusammenarbeit von exklusiv auf eine nicht-exklusive Lizenz bis 2032 umstellen und OpenAI künftig auch andere Cloud-Anbieter nutzen darf, während Microsoft Modelle anderer Entwickler in sein Angebot einbauen kann, wird der Wettbewerb offener. Unterm Strich heißt das: Unternehmen sollten ihre Office-Strategie als Kombination aus Dateikompatibilität, KI-Funktionstiefe und Betriebsmodell denken – nicht als reine Frage nach „welches Programm lädt das Dokument zuerst“.


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