NEW YORK/LONDON / LONDON (IT BOLTWISE) – Nach neuen Drohungen von US-Präsident Donald Trump zum Iran ziehen die Energiepreise deutlich an. Brent erreicht mit Lieferung im September 90,01 US-Dollar je Barrel und liegt damit rund sieben Prozent über dem Vortag. Auch Europas Gasmarkt reagiert: Der TTF-Terminpreis steigt auf 61,54 Euro je Megawattstunde. Parallel bleibt der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus weiter unter Druck, weil Raketen- und Drohnenrisiken hoch bleiben.

Die Rohstoffmärkte haben sich nach den jüngsten Aussagen von US-Präsident Donald Trump zum Iran schnell neu sortiert. Am Mittwoch kletterten die Notierungen wichtiger Energieträger deutlich, wobei vor allem der Zusammenhang zwischen politischem Risiko und sofort einpreisbasierten Aufschlägen auffällt. Für Brent mit Lieferung im September wurden 90,01 US-Dollar gezahlt; das entspricht einem Plus von rund sieben Prozent gegenüber dem Vortag. Damit reißen die Kursgewinne nicht aus dem Nichts, sondern bauen auf einer Phase auf, in der der Preis zuvor bereits mehrfach kurzfristig über 100 US-Dollar je Barrel gestiegen war und anschließend wieder nachgab.
Auslöser für die Beschleunigung im Handel war laut der Meldung eine neue Drohung des US-Präsidenten gegen den Iran, die in den Markt mit hineinwirkte. Trump kündigte in einem Telefoninterview eine „spürbare Reaktion“ an, nachdem es zuvor zu einem Angriff auf einen US-Militärstützpunkt in Jordanien gekommen war. Der Markt interpretiert solche Signale in der Regel weniger als punktuelles Schlagzeilenereignis, sondern als Wahrscheinlichkeit für weitere Störungen in Lieferketten und Raffinerie-Logistik. Genau diese Erwartung schlägt sich in der Kursdynamik nieder: Brent hatte zuvor drei Handelstage in Folge verloren, nachdem die USA und der Iran ihre gegenseitigen Angriffe zeitweise gestoppt hatten.
Während die politische Lage weiterhin angespannt bleibt, verlagert sich die Aufmerksamkeit zunehmend auf konkrete Ereignisse in der Region. In der Nacht zuvor seien Informationen zufolge iranische Raketen in Richtung eines US-Stützpunktes in Jordanien geflogen; alle Geschosse seien abgefangen worden, ohne dass das Ziel öffentlich genannt wurde. Daneben greifen US-Streitkräfte dem Bericht zufolge gemeinsam mit dem Verbündeten Saudi-Arabien im Irak „Terroristen“ an, die dem Iran nahestehen. Für den Energiemarkt ist in solchen Konstellationen nicht nur die unmittelbare Schadenslage relevant, sondern auch die Frage, ob sich Risikoaufschläge verlängern, weil Risiko- und Versicherungskosten in der Transportkalkulation steigen.
Dieser Mechanismus wird besonders bei Routen sichtbar, die durch die Straße von Hormus führen. Der bereits „geringe“ Schiffsverkehr blieb am Mittwoch weiter auf niedrigem Niveau, und die Meldung stellt ausdrücklich in Aussicht, dass sich daran vorerst wenig ändern dürfte. Technisch betrachtet wirkt hier ein Mix aus operativen Einschränkungen und ökonomischer Vorsicht: Selbst wenn einzelne Angriffe ausfallen oder abgefangen werden, erhöhen wiederkehrende Zwischenereignisse die Wahrscheinlichkeit, dass Reedereien Wartezeiten einplanen, Umwege kalkulieren oder die Einsatzbereitschaft reduzieren. Genau deshalb rechnen Experten vorerst nicht mit einer Entspannung bei Transporten von Energierohstoffen wie Erdöl oder Flüssigerdgas durch Hormus. In einer Einschätzung der Investmentbank RBC Capital Markets heißt es, die anhaltende Bedrohung durch Raketen, Minen, Drohnen und Maßnahmen Teherans werde einen erheblichen Teil des Schifffahrtsmarktes davon abhalten, sich zu engagieren.
Auch auf der Gas-Seite zeigt sich, dass politische Risiken und globale Angebots- und Nachfrageerwartungen in kurzer Zeit zusammenlaufen. Neben den Ölpreisen dehnten sich die frühen Gewinne im europäischen Erdgas deutlich aus: Der richtungweisende TTF-Terminkontrakt zur Lieferung in einem Monat stieg in Amsterdam am Nachmittag auf 61,54 Euro je Megawattstunde (MWh), nachdem er am Dienstag bei 56 Euro gelegen hatte. Hier spielen mehrere Faktoren zusammen, etwa die Kopplung an LNG-Flüsse, die Erwartungen an Versorgungssicherheit und die Stimmung an den Terminmärkten. Steigt die Unsicherheit über Seetransporte, steigt oft auch die Bereitschaft, für Verfügbarkeit kurzfristig mehr zu bezahlen – nicht nur wegen der physischen Lieferung, sondern auch wegen der Absicherung künftiger Engpässe.
Auf der Nachfrageseite und im Hintergrund rückt zudem die Frage in den Fokus, ob sich das Preisniveau über Kennzahlen zur physischen Lage stabilisiert oder weiter volatil bleibt. In den USA greifen Industriestaaten dem Bericht zufolge weiter verstärkt auf Ölreserven zurück. Konkret verzeichnete der Interessenverband American Petroleum Institute (API) in der vergangenen Woche einen Rückgang der Lagerbestände an Rohöl um 3,3 Millionen Barrel. Im weiteren Verlauf des Tages werden dann offizielle Daten der US-Regierung zur Entwicklung der Ölreserven erwartet; solche Veröffentlichungen wirken an den Märkten häufig wie ein „Trigger“, weil sie Erwartungskurven entweder bestätigen oder korrigieren. Bis dahin bleibt die Preisbildung deutlich vom geopolitischen Risiko geprägt, das über Transportwege und Terminabsicherung in mehrere Märkte gleichzeitig durchschlägt.
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