LONDON (IT BOLTWISE) – Die US Air Force sucht für ihre Luftwaffenstandorte ein bodengebundenes Abwehrsystem, das sowohl Marschflugkörper als auch Drohnen abfängt. In einer laufenden Informationsanfrage (RFI) fordert sie Antwort bis zum 6. August konkrete Lösungen für einen „Ground-Based Launcher“. Auffällig ist die angestrebte Bandbreite: Zielgrößen reichen von sehr kleinen Drohnen bis zu UAVs in Global-Hawk-Größe. Ergänzend verlangt die Behörde detaillierte Vorgaben zu Munitionskapazität, Schussrate sowie zur schnellen Sensor-zu-Waffen-Koppelung im Command-and-Control.

Die US Air Force will die Luftverteidigung für eigene Stützpunkte stärker modular und schneller ausrollbar machen. Auslöser ist die anhaltende Belastung durch Drohnen und Marschflugkörper in Einsatzräumen, in denen Luftverteidigung zeitkritisch reagieren muss. Genau hier setzt die aktuelle Informationsanfrage (Request for Information, RFI) an: Sie zielt auf Industriepartner, die eine Ground-Based Launcher-Lösung anbieten können, um Air-Force-Assets der Vereinigten Staaten zu schützen. Die Antwortfrist auf die Ausschreibungsanfrage liegt laut Dokument bei 6. August, wodurch potenzielle Anbieter relativ zügig Machbarkeit, Lieferlogistik und Systemarchitektur einordnen müssen.
Technisch beschreibt die RFI eine Abwehr, die nicht nur „eine“ Bedrohungslage abdeckt, sondern mehrere Angriffstypen über eine gemeinsame Startplattform. Neben dem Abfangen von Marschflugkörpern fordert die Behörde ausdrücklich die Fähigkeit, Drohnen in einem sehr breiten Spektrum zu bekämpfen. Als Referenz werden Drohnenklassen nach Gewicht genutzt: von Gruppe 1 mit maximalem Startgewicht unter 21 Pfund bis hin zu Gruppe 5 mit mehr als 1.320 Pfund. Diese Spannweite ist mehr als eine reine Leistungszahl, denn sie wirkt sich unmittelbar auf Auslegung und Betrieb aus – von Sensorik und Zielverfolgung bis hin zur Auswahl passender Interzeptorcharakteristik und der zu erwartenden Flugprofile.
Aus Sicht der Systemintegration bedeutet das: Die US Air Force sucht nach einer Lösung, bei der Launcher, Sensorik und Waffenführung enger zusammenarbeiten, statt dass mehrere Spezialsysteme nacheinander oder in getrennten Prozessketten koordiniert werden müssen. In den Anforderungen taucht daher der Wunsch nach nahtloser Command-and-Control-(C2)-Integration auf, damit Sensordaten schnell in Waffen-Cues übersetzt werden. Zusätzlich fordert die RFI Kennwerte zur operativen Leistungsfähigkeit, konkret etwa die Schussrate über alle Magazine und die gesamte Munitions-Tiefe. Gerade diese Kombination – Taktzahl, Munitionsvolumen und die Geschwindigkeit der Befehls- und Datenkette – ist entscheidend, wenn kurz nacheinander mehrere Ziele auftauchen und eine Abwehr nicht nur „treffen“, sondern auch mehrere Engagements über einen Zeitraum hinweg abwickeln muss.
Auch das angedeutete physische Konzept der Plattform fällt auf. Die Anfrage deutet auf eine Lösung hin, die relativ eigenständig funktioniert, transportierbar ist und im Feuerleitprozess einen Laser illuminator einsetzt. Entscheidend ist dabei die konkrete Rolle des Lasers: Er soll für die Zielbeleuchtung und damit für die präzise Kopplung zwischen Zielerfassung und Interzeptorführung stehen. Gleichzeitig nennt die RFI 11 „critical baseline attributes“ für den Ground-Based Launcher, darunter Kosten, Transportierbarkeit, Personalbedarf sowie integrierte Built-in-Testing-Diagnostik für Wartung und Sicherheit. Damit verlagert sich der Fokus nicht allein auf die reine Trefferwirkung, sondern auch auf Verfügbarkeit im Feld – also darauf, wie schnell ein System nach Störungen wieder einsatzbereit wird, und wie gut sich Fehlerzustände im Betrieb diagnostizieren lassen.
Als fachlicher Hintergrund verweist die RFI auf die Joint-Staff-Publikation JP 3-01 „Countering Air and Missile Threats“ aus dem Jahr 2012. Das ist insofern relevant, als solche Doktrinen häufig den organisatorischen Rahmen für Priorisierung, Reaktionsketten und Terminologie liefern – womit sie indirekt auch beeinflussen, wie Industriepartner ihre Lösungen strukturieren. Gerade bei luftgestützten Systemfamilien und bodengebundenen Abfangarchitekturen wird häufig über „Layered Defense“ diskutiert: Radarbasiertes Erkennen, schnelle Waffenentscheidung und anschließend die passende Interzeptorwirkung. Die Anfrage scheint diese Logik für den Launcher-Fokus zu übersetzen und die Schnittstellen so zu beschreiben, dass ein Produkt nicht nur technisch funktioniert, sondern auch in den vorhandenen Kommandostrukturen sauber eingebunden werden kann.
Die aktuelle Initiative steht zudem in einer länger laufenden Debatte über die Zuständigkeiten für den Schutz von Airfields. Schon vor den jüngsten Spannungen im Nahen Osten wurde in Fachkreisen darüber gestritten, ob die Air Force ihre primäre Luftverteidigung stärker selbst abdecken sollte statt sich in zentralen Rollen auf die Armee zu stützen. In der RFI-Umgebung klingt diese Motivation mit, indem die Anforderungen auf eigenständige Einsatzfähigkeit, Transportlogistik und schnelle Integration von Sensor- und Feuerleitprozessen hin ausgerichtet sind. Expeditionary Airbases gelten in solchen Diskussionen oft als anspruchsvoll, weil dort großskalierte Systeme aus Platz-, Zeit- und Personalgründen schwerer zu stationieren sind – und weil bestehende Security-Force-Strukturen nicht zwangsläufig für hochkomplexe Air-Defense-Engagements ausgelegt sind.
Für den Markt ist die RFI damit auch ein Signal für den Produkt- und Engineering-Fokus der nächsten Beschaffungsphase. Anbieter werden nicht nur Interzeptoroptionen und Reichweiten diskutieren müssen, sondern vor allem nachweisen, wie die Abwehr im Gefecht „durchläuft“: Wie schnell wird von der Sensorerfassung zur Zielbekämpfung gewechselt? Wie stabil bleibt die C2-Verknüpfung bei vielen gleichzeitigen Spuren? Und wie gut lässt sich das System so betreiben, dass Magazine-Takt und Munitions-Depth realistisch abrufbar sind – auch unter Wartungs- und Sicherheitsanforderungen. Wenn die US Air Force ihre Erwartungen in der finalen Beschaffung konkretisiert, entscheidet sich zudem, ob es gelingt, eine Plattform zu liefern, die sowohl gegen kleine Drohnen als auch gegen deutlich größere UAVs konsistent arbeitet, ohne dabei zu starkes „Over-Engineering“ zu betreiben.
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