MÜNCHEN / LONDON (IT BOLTWISE) – Flixtrain widerspricht der geplanten Markteinführung von Italo in Deutschland ab 2028. Geschäftsführer André Schwämmlein wirft Italo vor, eine Sonderbehandlung bei der Trassenvergabe angestrebt zu haben, die exklusive Vorteile ermöglichen soll. Gleichzeitig sieht Flixtrain die eigenen Wachstumspläne nicht in Gefahr und kündigt weitere Expansion an. Im Hintergrund laufen zudem Entscheidungen der Bundesnetzagentur, die Wettbewerbern eine zeitlich und örtlich eingeschränkte Regelung geben.

Flixtrain steigt mit einem klaren Wettbewerbsnarrativ in die Diskussion um Italo ein: Der private Münchner Zugbetreiber kritisiert den italienischen Anbieter dafür, neue Fernverkehrsverbindungen in Deutschland von 2028 an an regulatorische Bedingungen zu knüpfen. Geschäftsführer André Schwämmlein betonte dabei, dass Flixtrain bewusst auf eine Strategie setzt, die das Angebot der Deutschen Bahn ergänzt – vor allem über preiswertere Ticketoptionen. Wenn Italo ein vergleichbares Angebot wie die Bahn mache, wolle man auch diesen Wettbewerb annehmen.
Der Kern des Konflikts liegt jedoch nicht nur im Preis, sondern in der Frage, wie stark der Marktzugang durch Zuweisungs- und Vergabemechanismen beeinflusst wird. Schwämmlein machte den Vorwurf, Italo solle eine umfassende Sonderbehandlung angestrebt haben, die dem Unternehmen exklusive Vorteile bei der Trassenvergabe verschaffen soll. Gleichzeitig spielt die Bundesnetzagentur in der aktuellen Phase eine zentrale Rolle: Nach Angaben von Flixtrain ging die Behörde auf die Forderungen teilweise ein und schuf damit eine zeitlich und örtlich eingeschränkte Regelung für Wettbewerber. Schwämmlein ordnete diese Konstellation als Vorteil für Flixtrain ein, gerade weil das Unternehmen bereits Erfahrung mit dem Wettbewerb in diesem Rahmen habe.
Für die praktische Umsetzung ist entscheidend, wie sich ein zusätzlicher Fernverkehrsanbieter im Netz systematisch einfügen kann. Flixtrain verweist auf eigene Investitionen als Gegenpol: Im Mai 2025 bestellte das Unternehmen 65 neue Züge für 2,4 Milliarden Euro. Mit diesen Fahrzeugen will Flix alle großen Ballungsräume verbinden; laut Schwämmlein soll das unter anderem von einem noch nicht in das Flixtrain-Netz eingebundenen Standort bei Flix in München aus Richtung Ziele wie Frankfurt, Hamburg und Berlin gehen. Damit wird sichtbar, dass Flixtrain den Ausbau nicht als einmalige Markteintrittsentscheidung behandelt, sondern als mehrjährige Kapazitäts- und Angebotsplanung mit klarer geografischer Ausrichtung.
Bei aller Kritik rückt Schwämmlein anschließend das Infrastrukturthema wieder in den Vordergrund: Die Gefahr einer Überlastung des Schienennetzes durch drei große Fernverkehrsbetreiber – Deutsche Bahn, Flixtrain und Italo – hält er für gering. Begründet wird das mit der Investitionsrichtung der Bahn in die Infrastruktur; Schwämmlein stellte in den Raum, dass dies das System mittelfristig verbessern werde. Daneben nennt er einen zweiten technischen und organisatorischen Hebel: Ob das Netz effizient genutzt werden kann, hängt laut Flixtrain auch davon ab, ob die Beteiligten bei der Planung kooperativ sind. In dieser Logik geht es weniger um harte Verdrängungskämpfe als um die Frage, wie Fahrpläne, Kapazitäten und Betriebsabläufe so aufeinander abgestimmt werden, dass sich zusätzliche Verkehre nicht gegenseitig ausbremsen.
Dass der Fahrplan-Realitätscheck erst noch kommt, macht Schwämmlein deutlich, indem er den Effekt auf das System auf 2028 oder 2029 datiert. Genau in diesem Zeitfenster fällt auch der geplante Markthochlauf von Italo. Für Entscheider im Schienensektor bedeutet das: Der Wettbewerb wird nicht nur über Preispunkte sichtbar, sondern über die Fähigkeit, Verkehrsleistungen stabil zu planen und Kapazitäten zuverlässig zu realisieren. Gleichzeitig deutet Flixtrain an, dass die Expansionsagenda über Deutschland hinausgehen soll. Zunächst will man ein flächendeckendes Netz bedienen; danach, so Schwämmlein, solle die internationale Nutzung der Züge folgen, verbunden mit weiteren Bestellungen und einem grenzüberschreitenden Einsatz.
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