ROM / LONDON (IT BOLTWISE) – Thales Alenia Space entwickelt für die italienische Raumfahrtbehörde ASI den Satelliten PRISMA Second Generation. Das Projekt zielt darauf, die Bildqualität der Erdoberfläche sowie von Vegetation, Binnengewässern und Küstengebieten spürbar zu verbessern. In den Jahren bis zum geplanten Start 2031 soll ein hyperspektrales Instrument mit höherer Auflösung zum Einsatz kommen. Geplant sind mindestens 10 Meter räumliche Auflösung statt der bisherigen 30 Meter.

Der Vertrag für die PRISMA Second Generation zeigt, wie stark die Erdbeobachtung derzeit von der Kombination aus spektraler Tiefe und operativer Einsatzfähigkeit getrieben wird. Thales Alenia Space, ein Joint Venture aus Thales (67%) und Leonardo (33%), wird zusammen mit dem vom Projektkonsortium geführten Ansatz durch OHB Italia den Satelliten für die Italian Space Agency (ASI) entwickeln. Die Mission ist auf einen Start im Jahr 2031 terminiert und soll mit einem hyperspektralen Instrument arbeiten, dessen Leistungsumfang gegenüber der ersten Generation deutlich ausgebaut wird. Für Anwender aus Wissenschaft und Betrieb ist dabei weniger die reine „Pixelzahl“ entscheidend, sondern vor allem das Zusammenspiel aus räumlicher Auflösung, Bildwiederholrate und Signalqualität.
Im Zentrum steht die hyperspektrale Bildgebung: Sie zerlegt das reflektierte Licht in viele schmale Spektralbänder und macht dadurch Rückschlüsse auf Materialien, Vegetationszustände oder Gewässertypen möglich. Die technische Herausforderung liegt allerdings darin, gleichzeitig hohe Bildqualität, ausreichende räumliche Auflösung, häufige Wiederholungen über Zielgebiete hinweg und eine hohe Signal-zu-Rausch-Relation zu erreichen. Genau an diesem Punkt setzt die zweite Generation an: Durch eine verbesserte Agilität der Plattform und des Instruments will der Satellit die räumliche Auflösung auf mindestens 10 Meter heben – im Vergleich zu aktuell 30 Metern. Zusätzlich nennt das Projekt neue funktionale Fähigkeiten, die sowohl unterschiedliche wissenschaftliche Fragestellungen als auch eher operative Nutzungsszenarien adressieren sollen, bei denen häufigere Beobachtungen und robuste Datenqualität gefragt sind.
Organisatorisch und technisch ist bemerkenswert, wie klar die Rollen im Konsortium verteilt werden. OHB Italia übernimmt die Leitung des industriellen Konsortiums und ist damit für die Mission sowie die end-to-end Systemaktivitäten verantwortlich. Thales Alenia Space fokussiert sich dagegen auf die Entwicklung des Satelliten und liefert die PRIMA-S-Plattform, die das hyperspektrale Nutzlast-Setup beherbergen wird. Die Plattform basiert auf der HE-R1000-Produktlinie (High Efficiency Radar) und ist damit kein komplett neues System, sondern ein Ableger aus einem etablierten Hardware-Umfeld. Dass PRIMA-S sowohl Radar- als auch optische Payloads aufnehmen kann, spielt hier eine strategische Rolle, weil es die spätere Erweiterung der Missionstypen erleichtert und die Nutzlast-Integration nicht von Grund auf neu gedacht werden muss.
Die Schnittstelle zur Nutzlast bleibt dabei „kundenseitig“ klar geregelt: Die Payload wird von der ASI als Customer Furnished Item (CFI) bereitgestellt und stammt aus dem Umfeld des Instituts bzw. Unternehmens Leonardo. Das bedeutet für die Systemarchitektur weniger Experimente im kritischen Pfad der Integration, sondern vor allem saubere mechanische, thermische und elektrische Anbindungen zwischen Plattform und Instrument. Für den Betrieb ist zusätzlich relevant, dass die Plattform flexibel genug sein soll, um sowohl die Bildaufnahme als auch die Datenbereitstellung innerhalb der jeweiligen Missionsphasen effizient zu unterstützen. In der Praxis wird genau dieser Punkt bei Erdbeobachtungsmissionen oft zum Engpass: Nicht das Sensorprinzip allein entscheidet, sondern die Fähigkeit, Zielgebiete zuverlässig anzufliegen, die Ausrichtung präzise zu halten und gleichzeitig genug nutzbare Datenrate für die Downlinks bereit zu stellen.
Aus Marktsicht deutet die Vertragsstruktur außerdem darauf hin, dass ESA-/Copernicus-nahes Know-how und industrielle Serienfertigung stärker in klassische nationale Programme zurückwirken. Thales Alenia Space nennt in diesem Kontext eigene Erfahrung mit Erdbeobachtungssatelliten wie Copernicus sowie COSMO-SkyMed (erste und zweite Generation). Damit verbindet sich ein wichtiger industriepolitischer Effekt: Ein Plattform-Ansatz, der auf Produktlinien wie HE-R1000 aufsetzt, kann Entwicklungs- und Verifikationsrisiken reduzieren, weil viele technische Nachweise auf bekannte Baugruppen zurückgreifen. Gleichzeitig bringt die PRISMA Second Generation eine klare Leistungssteigerung beim Fokus „10 Meter statt 30 Meter“ mit, was die Einsatzfelder erweitert – von detaillierteren Landnutzungsanalysen bis hin zu besser verfolgbaren Veränderungen in Vegetation und Gewässern.
Für Unternehmen, die mit Daten aus hyperspektralen Missionen arbeiten, verschiebt sich damit auch die Pipeline-Realität: Höhere räumliche Auflösung und erweiterte funktionale Fähigkeiten bedeuten mehr Rohdatenvolumen, anspruchsvollere Kalibrierung und neue Erwartungen an die Rechen- und Auswertungsarchitektur. Hier kommen KI-gestützte Verfahren typischerweise ins Spiel, um spektrale Signaturen zuverlässiger zu klassifizieren, Wolken- oder Störartefakte zu reduzieren und Ergebnisse in skalierbare Workflows zu überführen. Entscheidend ist jedoch, dass die Qualität der Messkette stimmt: Wenn Plattformagilität, Instrumentenauflösung und Signal-zu-Rausch-Optimierung zusammenpassen, wird aus Hyperspektraldaten nicht nur „mehr“, sondern vor allem „brauchbarer“ für konkrete Entscheidungsprozesse. Unterm Strich zeigt PRISMA Second Generation damit, wie sich Erdbeobachtung von einer Forschungsdisziplin hin zu einer zunehmend operativen Infrastruktur entwickelt – gerade dann, wenn Missionsplanung, Plattformdesign und Nutzlastleistung eng aufeinander abgestimmt werden.
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