LONDON (IT BOLTWISE) – Goldman-Sachs-Chef David Solomon spricht sich für eine zügige Weiterentwicklung des Digital Asset Market Clarity Act aus. Im Interview stellt er einen einheitlichen regulatorischen Rahmen in den Mittelpunkt, der Marktstabilität schaffen und die geordnete Weiterentwicklung von Krypto wie Bitcoin ermöglichen soll. Gleichzeitig warnen Bankenverbände, dass insbesondere Stablecoin-Zinszahlungen die lokale Kreditvergabe in den USA beeinträchtigen könnten. Eine Senatsabstimmung im Plenum gilt nach dem Vorliegen einer überarbeiteten Fassung als möglich.

David Solomon, Chairman und CEO von Goldman Sachs, tritt in den politischen Prozess um den Digital Asset Market Clarity Act (H.R. 3633) mit einer klaren Botschaft: Der überarbeitete Gesetzentwurf sollte schnell vorankommen. In einem Interview kündigt Solomon an, er wolle den Text im Sinne eines zügigen Fortschritts unterstützen, damit eine Marktstruktur entsteht und der Innovationsprozess in Gang kommt. Wichtig ist dabei nicht nur Tempo, sondern die Annahme, dass ein einheitlicher regulatorischer Rahmen die Stabilität des Marktes stärken kann, statt ihn durch konkurrierende Zuständigkeiten zu verunsichern.
Technisch und organisatorisch knüpft der Vorschlag an eine der zentralen Grauzonen im US-Kryptorecht an: Wer reguliert welche Art von Krypto-Asset und nach welchen Regeln? Der Clarity Act zielt laut der Beschreibung des Congressional Research Service darauf, die Aufgabenteilung zwischen der Börsenaufsicht SEC und der Terminmarktaufsicht CFTC neu zu ordnen. Dabei soll die CFTC künftig die zentrale Rolle bei der Regulierung digitaler Rohstoffe und der zugehörigen Handelsplätze übernehmen. Die SEC-Zuständigkeit soll dagegen für Krypto-Wertpapiere in bestimmten Bereichen eingeschränkt werden.
Als digitaler Rohstoff wird in der Zusammenfassung ein digitales Gut definiert, dessen Wert unmittelbar an die Nutzung einer Blockchain gekoppelt ist. Ausgenommen bleiben ausdrücklich Wertpapiere, Derivate und Stablecoins. Diese Abgrenzung ist politisch und für Marktteilnehmer praktisch entscheidend, weil sie vorgibt, welche Institutionen und welche Regelwerke im jeweiligen Anwendungsfall greifen. Im Hintergrund steht damit ein Muster, das seit den frühen Krypto-Listings und den ersten großen Token-Offerten immer wieder auftaucht: Unterschiedliche Behörden und Rechtsauslegungen führen zu unterschiedlichen Compliance-Kosten, zu abweichenden Marktzugängen und letztlich zu Rechtsunsicherheit, die wiederum Investitions- und Produktentscheidungen beeinflusst.
Während Solomon den Entwurf in Richtung einer geordneten Weiterentwicklung positioniert, setzen andere große Akteure offenbar einen anderen Fokus. Im Text wird deutlich, dass sich seine Haltung von Banken unterscheidet, darunter von JPMorgan, dessen Chef dem Vorhaben kritischer gegenübersteht. Gleichzeitig haben mehrere Bankenverbände eine gemeinsame Gegenposition zur aktuellen Senatsfassung bezogen: In einer Erklärung vom 22. Juli betonen sie, dass die Vorlage weiterhin die lokale Kreditvergabe gefährden könne. Der Kern ihres Arguments betrifft nicht die grundsätzliche Idee der Marktordnung, sondern konkrete Formulierungen im Entwurf, die das Verbot zinsähnlicher Zahlungen auf Stablecoin-Guthaben betreffen.
Die Verbände führen aus, dass gerade solche Zahlungen Bankeinlagen abziehen könnten. Wenn Einlagen schrumpfen, wird es in der Logik klassischer Bank-Geschäftsmodelle schwieriger, Kredite für kleine Unternehmen, Hypotheken sowie landwirtschaftliche Betriebe zu finanzieren. Aus Unternehmenssicht wirkt das wie eine Begründungskette von der Kapitalbeschaffung über die Bilanzsteuerung bis in die Realwirtschaft. Für den Gesetzgeber entsteht daraus eine typische Zielkonflikt-Lage: Einerseits soll ein regulatorischer Rahmen Innovation erleichtern; andererseits soll er verhindern, dass neue Krypto-Mechanismen die Finanzierungsfähigkeit traditioneller Kreditkanäle destabilisieren.
Der Gesetzgebungsprozess selbst liefert zusätzliche Dynamik. Republikanische Senatoren hatten demnach eine überarbeitete Fassung vorgelegt, sodass eine Abstimmung im Plenum des Senats als möglich gilt. Im Repräsentantenhaus hatten die zuständigen Ausschüsse den Entwurf bereits am 10. Juni 2025 verabschiedet. Für Banken, Börsenakteure und Krypto-Plattformen heißt das: Der Zeitplan nähert sich einem Punkt, an dem juristische Detailfragen schneller von der Theorie in konkrete Umsetzungsschritte übergehen. Besonders die Abgrenzungen zwischen SEC- und CFTC-Rollen sowie die Behandlung von Stablecoins werden dabei nicht nur in Rechtsabteilungen relevant, sondern auch für Produktdesign, Listing-Entscheidungen und die Art, wie Handelsplätze und Custody-Dienstleistungen Prozesse dokumentieren.
Dass Solomon dennoch auf einen einheitlichen Rahmen setzt, lässt sich als Versuch lesen, die Debatte von Einzelfallstreitigkeiten hin zu Planbarkeit zu verschieben. Er räumt zugleich ein, dass kein Gesetz perfekt sein kann und Raum für Debatten bleibt. Für die Branche bedeutet das: Selbst wenn der Clarity Act die Zuständigkeiten strukturiert, wird es in der Übergangsphase voraussichtlich Auslegungsfragen geben, etwa darüber, wie sich reale Produkte in die Definitionen „digitaler Rohstoff“ versus „Stablecoin“ einordnen lassen. In der Praxis wird daher entscheidend sein, ob der finale Text nicht nur Begriffe festlegt, sondern auch klare Leitplanken dafür liefert, wie Marktteilnehmer künftige Angebote gestalten dürfen, ohne dass daraus neue Rechtsrisiken entstehen.
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