MÜNCHEN / LONDON (IT BOLTWISE) – Die Cherry SE hat für das erste Halbjahr 2026 vorläufige und ungeprüfte Zahlen vorgelegt und die operative Profitabilität weiter verbessert. Der Umsatz ging auf 40,0 Mio. Euro zurück, während sich das bereinigte EBITDA auf -4,0 Mio. Euro verringerte und damit die EBITDA-Marge auf -10,0 % anstieg. Der M&A-Prozess für das Segment Digital Health & Solutions wird im Halbjahresabschluss als nicht fortgeführte Aktivität ausgewiesen. Zusätzlich hebt das Unternehmen die Entlastung beim Working Capital hervor und nennt einen weiteren Cash-Schub aus der Bezugsrechtskapitalerhöhung im Juli.

Die vorläufigen Halbjahreszahlen der Cherry SE zeigen, dass das Unternehmen derzeit weniger über Wachstum nachweist, sondern über Stabilisierung: Im ersten Halbjahr 2026 sank der vorläufige Umsatz auf 40,0 Mio. Euro (H1 2025: 45,5 Mio. Euro ohne die Umsätze des im Mai 2025 veräußerten Geschäfts „Active Key“; berichtet: 46,0 Mio. Euro). Auf vergleichbarer Basis stieg der Konzernumsatz dann dennoch um rund 3 %, weil das Management Sondereffekte aus dem Vorjahr bereinigt. Für die operative Betrachtung ist entscheidend, dass Cherry die Profitabilität im Gesamtkonzern trotz eines herausfordernden Marktumfelds steigern konnte.
Der Hebel dahinter liegt vor allem in der Kosten- und Marge-Logik: Das bereinigte Konzern-EBITDA verbesserte sich auf -4,0 Mio. Euro (H1 2025: -10,2 Mio. Euro; weiterhin ohne Erlöse aus dem Verkauf von „Active Key“; berichtet: -2,3 Mio. Euro). Entsprechend entspricht das einer bereinigten EBITDA-Marge von -10,0 % (H1 2025: -22,4 %). Genau in dieser Relation wird sichtbar, wie stark die Erwartungshaltung derzeit Richtung „Kostenbasis senken, Bruttomarge verbessern“ geht: Nicht nur die Ergebniskennzahl wandert nach oben, auch die Marge-Entwicklung zeigt eine deutliche Reduzierung der operativen Verlustintensität.
Parallel dazu arbeitet Cherry an der strategischen Trennung innerhalb des Portfolios. Im Zuge des fortgeschrittenen M&A-Prozesses für das Segment Digital Health & Solutions (DH&S) wird dieser Geschäftsbereich im Halbjahresabschluss als nicht fortgeführte Aktivität (Discontinued Operations / DiscOps) bilanziert. Um die Entwicklung der Gesamtgruppe dennoch transparent zu zeigen, stellt das Unternehmen die Gesamtkennzahlen inklusive DiscOps-Überleitung separat dar. In dieser Sicht verbessern sich zentrale Ergebnisgrößen: Das EBIT gesamt liegt bei -6,86 Mio. Euro (gegenüber -18,97 Mio. Euro im H1 2025), das EBITDA gesamt bei -6,11 Mio. Euro (H1 2025: -11,29 Mio. Euro) und das bereinigte EBITDA gesamt bei -4,02 Mio. Euro (H1 2025: -10,17 Mio. Euro). Das wirkt wie eine konsistente „Profitabilitätskurve nach oben“, auch wenn die absoluten Werte noch negativ bleiben.
Technisch-analytisch lässt sich die Verbesserung über zwei Vorgänge verdichten, die im Text konkret benannt werden: Erstens gelang eine Margenausweitung in allen Segmenten, zweitens griff die strenge Kostenkontrolle. Cherry nennt Einsparungen bei den operativen Aufwendungen (OPEX) sowie reduzierte Herstellungskosten mit insgesamt rund 10,0 Mio. Euro. Im fortgeführten Geschäft sanken die operativen Aufwendungen auf -17,3 Mio. Euro (H1 2025: -20,9 Mio. Euro). Gleichzeitig stieg das bereinigte EBIT auf -5,8 Mio. Euro (H1 2025: -17,9 Mio. Euro), unter anderem durch höhere Bruttomargen und geringere Abschreibungen. Damit wird klar, dass das Transformationsthema „Project Blossom“ nicht nur ein Programmname ist, sondern sich in den Ergebnisbestandteilen niederschlägt.
Ein zweiter Schwerpunkt ist die Cash- und Kapitalbindungssicht. Das disziplinierte Management des Net Working Capital führte zu einer Verringerung der Kapitalbindung auf 25,2 Mio. Euro (30. Juni 2025: 45,1 Mio. Euro). Auch der Liquiditätsbestand schrumpfte zwar von 7,9 Mio. Euro auf 4,3 Mio. Euro, doch das Unternehmen stellt in Aussicht, dass der Bruttoemissionserlös der im Juli vollzogenen Bezugsrechtskapitalerhöhung von rund 10,1 Mio. Euro die Position im zweiten Halbjahr weiter stärkt. Für die Unternehmensführung ist das relevant, weil ein kleinerer Working-Capital-Tail in der Praxis häufig die Finanzierungslast reduziert und Spielräume für Vertrieb, Produktentwicklung und operative Umsteuerungen schafft.
Segmentbezogen wird die interne Dynamik ebenfalls greifbar. Im Segment Digital Health & Solutions wuchs der Umsatz im ersten Halbjahr 2026 um rund 37 % auf 8,9 Mio. Euro (H1 2025 vergleichbar: 6,3 Mio. Euro; berichtet: 6,5 Mio. Euro), getrieben durch die TI-Anbindung von Pflegeeinrichtungen sowie den Austausch von E-Health-Altgeräten; dabei lag der Umsatz in Q1 bei 5,2 Mio. Euro und in Q2 bei 3,7 Mio. Euro. In der Ergebnislogik hilft ein striktes Kostenmanagement: niedrigeres OPEX und eine höhere Deckungsbeitragsmarge (GM2) führten zu einem bereinigten EBITDA von 2,5 Mio. Euro (H1 2025: 0,13 Mio. Mio. Euro). Das Segment Gaming & Office Peripherals verzeichnete dagegen einen Umsatzrückgang auf 29,6 Mio. Euro (H1 2025 berichtet: 36,5 Mio. Euro); vergleichbar, bereinigt um den einmaligen Argand-Lagerkauf von 6,0 Mio. Euro und FX-Effekte von 0,5 Mio. Euro, sank das Kerngeschäft nur um 3 % auf 30,6 Mio. Euro. Auffällig ist hier die bewusste Verzichtsstrategie: Cherry verzichtete laut Text auf stark rabattierte Verkaufsaktionen, um die Margenqualität zu sichern, was sich in einer steigenden Bruttomarge auf 40,9 % (H1 2025: 34,8 %) und einem positiven bereinigten EBITDA von 4,8 Mio. Euro (H1 2025: 3,2 Mio. Euro) widerspiegelt.
Im Segment Components schließlich reduzierte sich das Volumen auf 1,5 Mio. Euro (H1 2025 vergleichbar: 2,1 Mio. Euro; berichtet: 2,5 Mio. Euro). Cherry steuert dieses Segment „gezielt nach Margenqualität statt nach Volumen“; der optimierte Produktmix hob die Bruttomarge auf 65,3 % (H1 2025: 49,7 %). Das bereinigte EBITDA blieb dennoch negativ: -0,7 Mio. Euro (H1 2025: -3,2 Mio. Euro). Damit passt das Bild insgesamt zu einer Transformation, die in mehreren Schichten wirkt: Ergebnisverbesserung über Marge und Kosten, Portfolio-Fokus über DH&S als Discontinued Operations, und zugleich eine Cash-Strategie über Working Capital und Kapitalmaßnahmen. Dass die Kennzahlen vorläufig und ungeprüft sind und der Halbjahresbericht 2026 wegen noch nicht abgeschlossener Prüfung des Konzern- und Jahresabschlusses 2025 nicht am 13. August 2026 erscheint, bleibt für Entscheider ein wichtiger Timing-Faktor. Für die weitere Einordnung ist zudem die mittelfristige Zielsetzung relevant: Mit „Project Blossom“ sowie dem laufenden Verkaufsprozess für DH&S will der Vorstand die Grundlagen schaffen, um das Kerngeschäft ab 2027 in die operative Profitabilität zurückzuführen, wobei der Text konkrete Eckwerte nennt (Peripherals Break-Even ab ca. 85 Mio. Euro Umsatz und ca. 44 % Bruttomarge). Im Kontext der KI-Branche bleibt auch die Frage spannend, wie die Hardware- und Digital-Healthcare-Nähe der Gruppe künftig KI-gestützte Workflows unterstützen könnte, etwa in Form von smarteren Eingabe- oder Gerätemodellen, doch dafür liefern diese Halbjahreszahlen vor allem eines: eine messbar verbesserte Ergebnis- und Cash-Basis als Voraussetzung.
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