WIEN / LONDON (IT BOLTWISE) – VERBUND meldet für die Quartale 1–2/2026 einen deutlichen Ergebnisrückgang. Das EBITDA fällt um 24,9 % auf 1.061,5 Mio. EUR, während sich das Konzernergebnis um 35,4 % auf 518,1 Mio. EUR verringert. Treiber sind eine deutlich unterdurchschnittliche Wasserführung sowie gesunkene Absatzpreise. Gleichzeitig werden höhere Erzeugungsmengen aus Windkraft und Photovoltaik sichtbar, können die Ergebnisdelle aber nur teilweise ausgleichen.

In den Quartalen 1–2/2026 trifft VERBUND gleich auf zwei Ergebnisbremsen: weniger Wasser, gleichzeitig niedrigere Absatzpreise. Im Bericht wird die schwache Wasserführung als Hauptgrund genannt und konkretisiert sich unter anderem im Erzeugungskoeffizienten der Laufwasserkraftwerke. Dieser liegt mit 0,68 um 8 Prozentpunkte unter dem Vorjahreswert (0,76) und sogar um 32 Prozentpunkte unter dem langjährigen Durchschnitt. Damit gerät das zentrale Geschäftsmodell der Laufwassersparte kurzfristig unter Druck, weil Erzeugung und Erlös je erzeugter Kilowattstunde nicht unabhängig voneinander verlaufen.
Die Wirkung zeigt sich unmittelbar in den Kennzahlen: Das EBITDA sinkt gegenüber der Vergleichsperiode um 24,9 % auf 1.061,5 Mio. EUR. Auch das Konzernergebnis reduziert sich um 35,4 % auf 518,1 Mio. EUR; zudem liegt das um Einmaleffekte bereinigte Konzernergebnis mit 537,8 Mio. EUR um 31,4 % unter dem Vorjahr. Neben der witterungsbedingten Unterauslastung der Wasserseite drückt vor allem der Preisfaktor: Der durchschnittlich erzielte Absatzpreis bezogen auf die Eigenerzeugung aus Wasserkraft fällt deutlich um 31,0 EUR/MWh auf 86,2 EUR/MWh. VERBUND ordnet den Rückgang dabei historischen Vorlauf ein: Hohe Absatzpreise in den Quartalen 1–2/2025 werden im Zusammenhang mit vorzeitigen „Limit“-Verkäufen im Jahr 2023 zu hohen Großhandelspreisen erklärt.
Technisch betrachtet verschiebt sich damit das Erzeugungsmix-Raster im Halbjahr, auch wenn die Wasserseite insgesamt stärker schrumpft. Die Erzeugung aus Wasserkraft geht insgesamt um 1.210 GWh oder 9,8 % auf 11.191 GWh zurück. Die Jahresspeicherkraftwerke liefern in den Quartalen 1–2/2026 ebenfalls weniger als im Vorjahr; genannt wird ein Rückgang um 5,9 %. Positiv sticht dagegen die Entwicklung der neuen erneuerbaren Stromerzeugungsanlagen heraus: Der Erzeugungskoeffizient aus Wind & Photovoltaik liegt mit 0,82 zwar um 18 Prozentpunkte unter dem Planwert, bewegt sich aber um 4 Prozentpunkte über dem Vorjahresniveau (0,78). In absoluten Zahlen steigt die Erzeugung aus Windkraft & Photovoltaik um 109 GWh auf 1.173 GWh, während die Eigenerzeugung insgesamt im ersten Halbjahr 2026 um 7,9 % unter dem Vorjahreswert liegt, bei leicht niedrigerer Erzeugung aus Wärmekraft.
Für die Ergebnisstruktur bedeutet das: Das Segment Wasser verliert deutlich an Ergebnisbeitrag, weil sowohl die Erzeugung als auch die Strompreise sinken. Auch das Segment Neue Erneuerbare entwickelt sich unter dem Vorjahresniveau, wiederum aufgrund geringerer Absatzpreise. Gleichzeitig gelingt es den anderen Geschäftsbereichen, zumindest teilweise gegenzusteuern: Die Segmente Netz, Absatz sowie „Alle sonstigen Segmente“ steigern ihre Ergebnisbeiträge und kompensieren die Belastungen damit nicht vollständig, aber spürbar. In der Begründung werden dabei verbesserte operative Ergebnisse aus dem Gas-Fernleitungsnetz, höhere Beiträge aus dem Endkundengeschäft sowie eine positive Entwicklung im thermischen Bereich genannt – letztere vor allem wegen hoher Spreads, insbesondere zu Jahresbeginn. Dass auch Flexibilitätsprodukte weniger liefern, passt in dieses Bild: Ihr Beitrag sinkt in den Quartalen 1–2/2026 um 16,7 % auf 136,4 Mio. EUR.
Bemerkenswert ist zudem die Kapital- und Cashflow-Dimension der Halbjahreszahlen. Bei rückläufiger Profitabilität fällt der operative Cashflow von 1.338,4 Mio. EUR auf 875,2 Mio. EUR (-34,6 %). Beim Free Cashflow wird es noch deutlicher: Vor Dividende sinkt er um 71,6 % auf 218,9 Mio. EUR, nach Dividende kommt es zu einem negativen Wert von -1.076,8 Mio. EUR, nachdem er im Vorjahr noch bei -559,9 Mio. EUR lag. Gleichzeitig verändert sich der Nettoverschuldungsgrad von 23,2 % auf 36,2 %. Das ist für das Management insofern relevant, als in schwächeren Wetter- und Preisphasen nicht nur die GuV, sondern auch die Finanzkennzahlen enger aufeinander reagieren und damit Spielräume bei Investitionen oder Dividendenplanung beeinflussen können.
Vor diesem Hintergrund passt VERBUND den Ausblick für 2026 an und verknüpft ihn mit einer Annahme zur durchschnittlichen Eigenerzeugung aus Wasserkraft, Windkraft und Photovoltaik in den Quartalen 3–4/2026. Auf Basis dieser Erwartung und der aktuellen Chancen- und Risikolage sieht das Unternehmen für 2026 ein EBITDA zwischen rund 2.100 Mio. EUR und 2.400 Mio. EUR. Beim berichteten Konzernergebnis erwartet VERBUND einen Korridor von rund 1.000 Mio. EUR bis 1.150 Mio. EUR; das bereinigte Konzernergebnis liegt zwischen 1.050 Mio. EUR und 1.200 Mio. EUR. Für Aktionäre ist vor allem die Ausschüttungsquote relevant: Geplant ist eine Quote zwischen 45 % und 55 % bezogen auf das um Einmaleffekte bereinigte Konzernergebnis.
Aus Branchensicht zeigt sich hier ein Muster, das sich in vielen Stromerzeugern wiederfindet: Wettervolatilität und Termin-/Preisgestaltung treffen aufeinander, sobald Erzeugungsmengen und Vermarktungsfenster auseinanderlaufen. Die Detailangaben zu Erzeugungskoeffizienten machen klar, dass VERBUND die Schwankungen nicht nur „gefühlt“, sondern mit messbaren Treibern belegt. Gleichzeitig sieht man, wie wichtig ein diversifizierter Erzeugungsmix wird: Wind & Photovoltaik liefern zwar nicht das Plan-Niveau, verbessern aber die Lage relativ zum Vorjahr. In der Praxis dürfte die zentrale Frage für die nächsten Quartale weniger lauten, ob die Erzeugung aus erneuerbaren Energien steigt oder fällt, sondern wie stark sich ein erneut schwankender Wasserbeitrag über Preis und Vermarktung auf die Ergebnisqualität durchschlägt.
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