LONDON (IT BOLTWISE) – Claudia Eckert, Präsidentin von Acatech, fordert verbindliche Sicherheitsstandards für Hochschulen. Die Innovationsberaterin möchte öffentliche Fördergelder an überprüfbare Auflagen koppeln und die Auszahlung von Sicherheitsnachweisen abhängig machen. Besonders bei Drohnenforschung, Künstlicher Intelligenz und Cybersicherheit sieht sie einen dringenden Handlungsbedarf. Zudem soll die Prüfung internationaler Kooperationen, etwa mit China, zentral strenger ausfallen als bislang.

Die Forderung nach mehr Forschungskontrolle wirkt auf den ersten Blick wie ein innenpolitischer Streit über Hochschulautonomie. Tatsächlich zielt sie aber auf einen konkreten Engpass: Wenn sicherheitsrelevante Technologien wie Drohnen, KI-Systeme oder Cyberkomponenten in Laboren entstehen, fehlt in vielen Fällen ein einheitlicher Sicherheitsrahmen, der über einzelne Lehrstühle hinausgeht. Claudia Eckert, Präsidentin der Akademie der Technikwissenschaften (Acatech) und Regierungsberaterin, beschreibt genau diesen Zustand als unpraktisch. Ihr Vorschlag setzt daher nicht nur bei Forschungsthemen an, sondern bei den Regeln, nach denen Institutionen Risiken dokumentieren und Entscheidungen für Kooperationen vorbereiten.
Technisch betrachtet geht es dabei um die Lücke zwischen Innovationsfreiheit und belastbarer Absicherung. In sicherheitskritischen Arbeitsumgebungen sind Anforderungen an Zugriffskontrollen, Daten- und Modellhygiene sowie an die Nachvollziehbarkeit von Entscheidungen besonders relevant. Denn bei KI-Systemen entstehen Risiken nicht nur durch den Algorithmus selbst, sondern durch Trainingsdaten, Schnittstellen, Bereitstellungspfade und auch durch die Frage, wie Ergebnisse bewertet und missbräuchlich genutzt werden könnten. Bei Drohnenforschung verschiebt sich die Diskussion zusätzlich: Sensorik, Funkkommunikation, Steuerungslogik und Systemintegration treffen auf Sicherheitsannahmen, die sich nicht mit allgemeiner Laborordnung allein abbilden lassen. Eckerts Ansatz adressiert diese Komplexität mit dem Anspruch, klare Vorgaben für Hochschulen und Professoren in sensiblen Bereichen zu definieren.
Der Markt- und Politikrahmen spielt dabei eine direkte Rolle, weil Forschungsergebnisse in vielen Fällen in Unternehmen, Start-ups und in Projektketten weiterwandern. Wenn öffentliche Fördergelder als Hebel genutzt werden sollen, verschiebt sich das Anreizsystem: Nicht die reine Projektidee entscheidet dann, sondern die Fähigkeit, Sicherheitsanforderungen von Anfang an umzusetzen und nachzuweisen. In der Praxis heißt das, dass vor einer Auszahlung eine Prüfung erfolgen soll, ob Auflagen eingehalten werden. Das ist auch deshalb bedeutsam, weil die zunehmende Regulierung hochkomplexer Technologien Verantwortliche in Forschung und Wirtschaft vor Anforderungen zur Risikodokumentation stellt. Wer seine Prozesse frühzeitig auf strukturierte Nachweise ausrichtet, reduziert nicht nur spätere Umstellungsaufwände, sondern kann auch schneller in Kooperationen gehen.
Besonders politisch aufgeladen ist Eckerts Schwerpunkt auf internationaler Zusammenarbeit, konkret mit Blick auf China. Der Kern der Kritik lautet: Die Entscheidung über solche Partnerschaften dürfe nicht länger allein bei einzelnen Lehrstühlen liegen. Stattdessen soll es ausdifferenzierte Handlungsleitlinien der Universitäten geben, die Zusammenarbeit in sicherheitsrelevanten Feldern erkennbar strenger prüfen. Gerade bei technischen Hochschulen, an denen ein großer Teil der sicherheitskritischen Forschung verortet ist, würde damit eine zentrale Steuerungslogik entstehen: Kooperationen wären dann weniger ein individueller Ermessensspielraum, sondern ein durch Regeln strukturierter Prozess mit dokumentierbaren Voraussetzungen und klaren Rollen. Für Unternehmen und Forschungspartner außerhalb der Hochschule bedeutet das zugleich mehr Planbarkeit, weil die internen Prüfkriterien transparenter und standardisierter werden.
Aus Sicht von KI-Entwicklung und KI-Infrastruktur ist der Ansatz zudem anschlussfähig an bestehende Risikoklassen und Pflichten, die sich in der europäischen Regulierung abzeichnen. In der Forschung können solche Pflichten etwa bedeuten, dass bereits im Design- und Entwicklungsstadium klar ist, welche Systemkomponenten als besonders riskant gelten und welche technischen oder organisatorischen Maßnahmen greifen müssen. Das betrifft auch die Frage, wie mit Zugang zu Modellen und Daten umgegangen wird, wie Tests dokumentiert werden und wie Ergebnisse so abgesichert werden, dass sie im Produktivbetrieb nicht unbeabsichtigt zu Sicherheitslücken werden. Eckerts Vorschlag, Sicherheitsnachweise als formale Voraussetzung vor der Mittel-Auszahlung zu verankern, würde solche Anforderungen zeitlich nach vorn ziehen – mit dem Effekt, dass weniger Entscheidungen erst spät im Projekt getroffen werden.
Für den Verteidigungsbereich und für den Technologietransfer innerhalb Deutschlands verspricht sich die Befürworterin vor allem eines: Vertrauen. Höhere Standards könnten Kooperationen zwischen Wissenschaft, Unternehmen und Start-ups erleichtern, weil das Sicherheitsprofil gemeinsamer Projekte stärker vergleichbar wird. Gleichzeitig erhöht eine strengere Sicherheits- und Prüfarchitektur den Koordinationsaufwand in Hochschulen und bei Projektpartnern. Genau deshalb ist es wichtig, dass die Leitlinien aus der Forschungspraxis heraus konkret werden: Sie sollten nicht nur formal existieren, sondern Arbeitsabläufe, Dokumentationspflichten und Verantwortlichkeiten so definieren, dass Teams sie wirklich in ihren Entwicklungs- und Integrationsprozessen abbilden können. Ob sich diese Balance durchsetzt, entscheidet sich letztlich daran, wie detailliert die Sicherheitsstandards beschrieben werden und wie konsequent Förderstellen die Prüfung vor Auszahlung tatsächlich umsetzen.
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