STUTTGART / LONDON (IT BOLTWISE) – Der vorläufige Insolvenzverwalter Tobias Wahl berichtet über einen positiven Verlauf der ersten Phase der Investorensuche bei der Varta AG. Nach seinen Angaben gibt es eine große Zahl von Interessenten für eine Fortführung des Batterieherstellers. Im Zentrum steht derzeit die Sicherung des laufenden Geschäftsbetriebs, während offen bleibt, ob der Konzern als Ganzes oder in Teilen veräußert wird. Parallel laufen Koordinierungen zur Vorfinanzierung des Insolvenzgeldes für die Belegschaft über die Bundesagentur für Arbeit.

Die Lage bei der Varta AG verschiebt sich spürbar vom reinen Krisenmodus hin zu einer aktiven Investorenphase. Tobias Wahl, der als vorläufiger Insolvenzverwalter für die Kanzlei Anchor eingesetzt wurde, meldete Ende Juli 2026 einen positiven Verlauf der ersten Schritte der Investorensuche. Damit tritt bei dem Batteriehersteller die Frage in den Vordergrund, ob sich aus dem laufenden Verfahren eine tragfähige Fortführungslösung entwickeln lässt – und nicht nur eine geordnete Abwicklung. Wahl stellte dabei vor allem die hohe Zahl an Interessenten für eine Fortführungslösung in Aussicht, was für viele Gläubiger und die betroffene Belegschaft ein entscheidender Stimmungswechsel ist.
Technisch und operativ ist das ein wichtiger Unterschied: Eine Fortführungslösung hängt weniger an der reinen Kapitalfrage als an der schnellen Stabilisierung von Lieferketten, Fertigungsressourcen und Produktentwicklung. Wahl machte deshalb den Erhalt des laufenden Geschäftsbetriebs zum Fokus, nachdem er seine Arbeit bereits am 28. Juli 2026 aufgenommen hatte. Gleichzeitig betonte er, dass die Sanierungsarchitektur noch nicht abschließend festgelegt ist. Offen bleibt laut Quelle, ob Investoren den Konzern als Gesamtpaket übernehmen oder ob einzelne Gesellschaften beziehungsweise Geschäftsteile separat veräußert werden. Genau diese Entscheidung beeinflusst unmittelbar, wie intakt Forschungs- und Produktions-Know-how in den Energiespeicher-Segmenten bleibt.
Verfahrensseitig liegt inzwischen ein klarer Rahmen vor: Die Varta AG stellte am 29. Juli 2026 beim Amtsgericht Stuttgart einen Insolvenzantrag. Betroffen sind neben der Holding auch die Varta Microbattery GmbH sowie die Varta Storage mit Sitz in Nördlingen, die mit Solarstromspeichern verbunden ist. Insgesamt befinden sich laut Angaben vier Gesellschaften in einem vorläufigen Insolvenzverfahren – inklusive der Holding und drei weiteren Einheiten. Die Tragweite ist dabei nicht nur bilanziell, sondern auch personell: Von dem Verfahren sind rund 2.300 Beschäftigte unmittelbar betroffen, während der Konzern insgesamt etwa 3.300 Mitarbeiter beschäftigt. Für Investoren bedeutet das: Sie müssen bei der Bewertung und bei der Due Diligence nicht nur Zahlen prüfen, sondern auch die organisatorische und arbeitsrechtliche Realisierbarkeit der jeweiligen Restrukturierungsstrategie.
Hinzu kommt eine weitere Differenzierung, die in solchen Verfahren oft über den Ausgang mitentscheidet: Nicht jede Sparte läuft automatisch im gleichen Takt. Ausgenommen von der Insolvenz ist laut Quelle die Einheit für Haushaltsbatterien, die als Varta Consumer Batteries bezeichnet wird. Diese Sparte werde von einem Konsortium fortgeführt, dem unter anderem die Deutsche Bank und der Finanzinvestor Blantyre angehören. Interessensbekundungen anderer Gruppen, etwa von Allswiss für diesen Bereich, wurden den Angaben zufolge mangels vorliegender Unterlagen nicht geprüft. Auch dieses Detail ist für Marktbeobachter relevant, weil es zeigt, wie streng die Aufarbeitung und die Bewertungsreihenfolge innerhalb des Konzerns gehandhabt werden: Wer investieren will, muss nicht nur politisch oder strategisch passen, sondern auch mit prüfbaren Informationen in die Verhandlungen gehen.
Als Ursachen der finanziellen Schieflage nennt das Unternehmen mehrere Faktoren. Neben einer strukturellen Finanzierungslücke belasteten eine schwache Marktnachfrage sowie negative Währungseffekte die Bilanz. Ein besonders harter Einschnitt wird zudem mit dem Verlust eines Großkunden – der Quelle zufolge Apple – beschrieben. Parallel verweist die Gläubigerseite in ihrer Darstellung auf eine Analyse der Beratungsgesellschaft FTI, nach der ein Liquiditätsbedarf im mittleren zweistelligen Millionenbereich bestand, für den kurzfristig kein externer Investor einspringen wollte. Gerade diese Konstellation erklärt, warum sich Unternehmen in Kapitalengpassphasen häufig zwischen mehreren Szenarien entscheiden müssen: Entweder gelingt eine schnelle Sanierung mit Fristwirkung, oder der Prozess wird in Richtung Insolvenzverfahren gedrückt, bevor sich die Lage weiter verschärft.
Während die Investorenseite an den nächsten Meilensteinen arbeitet, steigt auch der Druck von der Arbeitnehmervertretung. IG Metall kündigte für den 31. Juli 2026 eine Kundgebung in Ellwangen an, um den Erhalt von Produktionsstandorten und Arbeitsplätzen in der Region zu sichern. Der vorläufige Insolvenzverwalter Tobias Wahl zeigte sich vorsichtig optimistisch, verwies aber zugleich auf die Notwendigkeit einer nachhaltigen Restrukturierung. Damit wird auch die industriepolitische Dimension sichtbar: Energiespeicher-Technologien und Batterie-Wertschöpfungsketten sind nicht nur ein kommerzielles Thema, sondern hängen in der Praxis stark an Produktions-Know-how, qualifiziertem Personal und einer belastbaren Abnahmeperspektive. Insofern ist die Suche nach einem Investor nicht nur ein finanzieller Fit, sondern auch eine Entscheidung über die technologische Fortsetzung in den entsprechenden Segmenten.
Für die Einordnung der nächsten Schritte sind zwei Aspekte entscheidend: Erstens, wie sich die Verhandlungen in den kommenden Wochen mit der Frage „Ganzpaket oder Einzelteile“ verdichten. Zweitens, wie sich die Finanzierung und der Fortbestand des Geschäftsbetriebs praktisch absichern lassen. Die Quelle beschreibt außerdem, dass die Vorfinanzierung des Insolvenzgeldes für die Belegschaft über die Bundesagentur für Arbeit koordiniert wird, um die finanzielle Absicherung während der Restrukturierung zu gewährleisten. Genau diese Phase ist häufig zeitkritisch, weil sie die Mitarbeiterbindung und damit die Stabilität in Produktion, Qualitätssicherung und Lieferfähigkeit beeinflusst. Parallel wird sich zeigen müssen, wie die Energiespeicher-Sparte nach dem Wegfall eines Großkunden in neue Absatz- und Projektverläufe eingebettet wird – denn erst daraus entsteht die Grundlage, auf der Investorendossiers realistische Szenarien skizzieren können.
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