LONDON (IT BOLTWISE) – Laut einer Marktstudie des Center Automotive Research (CAR) wurden die Rabatte für Elektroautos im Juli erneut gekappt. Käufer erhalten demnach noch durchschnittlich 17,6 Prozent Rabatt auf den Listenpreis. Bei Verbrennermodellen liegt der durchschnittliche Preisnachlass dagegen bei 19,4 Prozent. Die Folge: Der Anschaffungspreis-Abstand zwischen den meistverkauften Elektroautos und den beliebtesten Verbrennermodellen wächst deutlich.

Wer aktuell ein Elektroauto kauft, merkt den Effekt direkt an der Preistafel: Im Juli sind die Preisnachlässe für diese Fahrzeuge einer Marktstudie zufolge erneut gesunken. Das private Center Automotive Research (CAR) bezifferte den durchschnittlich möglichen Rabatt auf 17,6 Prozent vom Listenpreis. Gleichzeitig ist der Wettbewerb unter den Antriebsarten damit nicht „gleichmäßig heiß“; denn bei Verbrennermodellen lag der durchschnittliche Preisnachlass im selben Zeitraum bei 19,4 Prozent. Damit rückt eine Frage stärker in den Fokus, die für Flottenplaner und Privatkäufer gleichermaßen zählt: Wie schnell kippt der finanzielle Vorteil von Stromern wieder zurück in Richtung der klassischen Antriebe?
Technisch betrachtet geht es bei solchen Rabattentscheidungen zwar nicht um Motorsoftware oder Akkutechnik, aber um die Mechanik dahinter: Hersteller steuern über Rabatte und Konditionen den effektiven Verkaufspreis, um die Nachfrage zu stabilisieren und Lager- oder Lieferbestände zu managen. In der CAR-Auswertung wird zudem das Marktumfeld als Treiber beschrieben. Neuwagenkäufer würden Elektroautos demnach besonders häufig wegen hoher Spritpreise und staatlicher Förderprämien ins Auge fassen. Wenn diese beiden externen Faktoren die Nachfrage bereits stützen, senkt sich aus Herstellersicht der Druck, mit aggressiven Preisaktionen gegenzuhalten. Genau diese Logik spiegelt sich in der Studie wider: Eine zusätzliche, groß angelegte Verkaufsförderung erscheine nicht zwingend erforderlich.
Die Einschätzung von CAR-Studienleiter Ferdinand Dudenhöffer liefert dafür die kaufmännische Erklärung: Die Studie verortet die Entwicklung im „derzeit günstigen Marktumfeld“ für Elektroautos. Attraktivität entsteht dabei nicht durch einen einzelnen Parameter, sondern aus der Kombination aus Preisniveau an der Zapfsäule und den politischen Fördermechanismen, die den Einstiegspreis für Käufer rechnerisch reduzieren. Gerade diese Kombination beeinflusst die Preiselastizität der Nachfrage. Sobald Kunden stärker auf die Gesamtkosten über die Nutzungszeit schauen und ein Teil des Preisrisikos durch Prämien kompensiert wird, können Hersteller tendenziell mit weniger Rabatt auskommen, ohne dass der Absatz sofort einbricht. Dass die Rabatte dennoch sinken, zeigt: Die Nachfrage reicht offenbar zumindest kurzfristig, um Preisnachlässe nicht dauerhaft auf dem maximalen Niveau zu halten.
Während Elektroautos also weniger Rabatt bekommen, investieren Hersteller und Handel nach Darstellung der Studie die frei werdenden Mittel eher in die Verkaufsförderung für Verbrennermodelle. Das äußert sich nicht nur in der absoluten Rabattquote, sondern auch in der Dynamik: Die Rabatte für Verbrennermodelle seien innerhalb eines Monats um einen Prozentpunkt gestiegen. Genau diese Verschiebung im „Konditionsmix“ verändert die reale Wettbewerbslandschaft. Für Käufer heißt das: Die Preisvorteile der Alternativen sind nicht linear, sondern bewegen sich je nach Phase der Vermarktung. Der Markt reagiert dabei auch auf die Produktzyklen und Modellwechsel, denn Rabatte sind oft ein kurzfristiges Werkzeug, um Absatzspitzen oder -dellen abzufedern.
Die monetäre Folge dieser Parallelentwicklung wird in der Studie besonders greifbar: Die Differenz beim Anschaffungspreis zwischen den meistverkauften Elektroautos und den beliebtesten Verbrennermodellen liegt inzwischen bei 2363 Euro. Noch im Dezember 2025 hatte der Preisunterschied laut CAR gut 1000 Euro weniger betragen. Diese Entwicklung ist für Entscheider relevant, weil sie direkt in Budgetplanungen, Kalkulationen der TCO (Total Cost of Ownership) und Leasing- oder Finanzierungsentscheidungen hineinwirkt. Wenn der Abstand zwischen den Antriebsarten wieder wächst, werden viele Unternehmen ihre Umstellung auf E-Fahrzeuge stärker staffeln müssen oder verhandlungsintensiver agieren. Privatkäufer wiederum spüren die Veränderung in der monatlichen Rate, obwohl sich die technische Leistungsfähigkeit von Fahrzeugen nicht im gleichen Rhythmus ändert.
Für den Markt insgesamt ist die Richtung damit klar: Ein Rabatttrend ist mehr als „nur“ ein Preisnachlass, er ist ein Signal über die Absatzlage und den erwarteten weiteren Bedarf. CAR beschreibt Elektroautos als bereits durch Spritpreise und Förderung getragen, während Verbrenner stärker über Preisaktionen „nachgeschoben“ werden. Interessant ist dabei auch, wie solche Konditionssteuerung die Wahrnehmung am Point of Sale beeinflusst. Je stärker Händler Rabattangebote sichtbar machen, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass Kunden ihre Kaufentscheidung stärker kurzfristig ausrichten. Das kann wiederum langfristige Effekte haben: Unternehmen planen dann weniger aus Überzeugung über Antriebskonzepte, sondern stärker über den jeweils verfügbaren Preisvorteil.
Aus Sicht der Technologie- und Geschäftsstrategien lohnt außerdem ein Blick auf die indirekten Konsequenzen, auch wenn es hier nicht um KI-Entwicklung im engeren Sinne geht. Die Diskussion um Rabatte ist häufig der Startpunkt für tiefere Umstellungen in der Angebots- und Preisoptimierung, etwa über bessere Datenmodelle in Vertriebssystemen, Prognosen für Restwert- und Bestandsrisiken oder automatisierte Preisfreigaben. In diesem Umfeld spielt KI in Unternehmen zunehmend eine Rolle, um Konditionen schneller an Nachfrageindikatoren auszurichten und in Echtzeit zwischen Zielgruppen, Modellen und Lieferfenstern zu differenzieren. Die CAR-Zahlen zeigen jedenfalls, dass Hersteller nicht in einem statischen „E-Mobilitäts-Bonus“ verharren, sondern laufend gegensteuern. Für Entscheider heißt das: Wer Budget und Investitionszeitpunkt plant, sollte Rabattentwicklungen nicht als Randnotiz betrachten, sondern als wirtschaftlichen Hebel, der sich monatlich verschiebt.
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