FRANKFURT / LONDON (IT BOLTWISE) – Der Condor-Chef Peter Gerber rechnet in den kommenden Monaten nicht mit sinkenden Ticketpreisen. Als Gründe nennt er branchenweit spürbare Nachfrageschwankungen bei zugleich hohen Treibstoffkosten. Gleichzeitig zieht das Unternehmen die Expansion seiner Zubringerflüge nach Frankfurt in Betracht, um die Langstrecken besser auszulasten. Gerber verweist zudem auf ein breites Partnernetz und darauf, dass auch Investoren im Partner-Setup einen Vorteil sehen.

Condor-Chef Peter Gerber: Ticketpreise sinken wohl kaum – Frankfurt-Zubringer geplant
Condor-Chef Peter Gerber: Ticketpreise sinken wohl kaum – Frankfurt-Zubringer geplant (Foto: IT BOLTWISE)
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Für viele Reisende klingt die Hoffnung nach günstigeren Tickets fast automatisch mit: Wenn die Nachfrage sich abkühlt, müsste der Preis nachgeben. Genau diese Erwartung dämpft Peter Gerber, Chef der Ferienfluggesellschaft Condor. Er geht laut seiner Einschätzung nicht davon aus, dass die Ticketpreise in den kommenden Monaten sinken werden, und formuliert das recht direkt: „Das ist illusorisch“. Damit setzt Condor ein klares Signal in eine Phase, in der Fluggesellschaften nicht nur um Auslastung, sondern auch um die Balance aus Angebot und Kosten kämpfen. Gerade im Ferienverkehr entscheidet die Frage, wann Preissignale gesetzt werden und wie robust die Nachfrage gegen Schwankungen bleibt, über Marge und Liquidität.

Gerber beschreibt, dass die Nachfrage auf einigen Verbindungen branchenweit auf niedrigere Preise „angekurbelt“ werden musste. Für Condor bedeutet das: Auf bestimmten Routen wurde das kommerzielle Signal angepasst, um Buchungen wieder stärker anzuziehen. Gleichzeitig bleibt der Kostendruck hoch, vor allem über den Treibstoff: Die hohen Treibstoffpreise hätten einen Teil der Gewinne aufgezehrt. Diese Kombination ist in der Luftfahrt typisch, aber wirtschaftlich besonders schwierig. Denn während sich Preisentscheidungen relativ schnell über Verfügbarkeit und Buchungssysteme durchsetzen lassen, wirken Treibstoffkosten häufig mit Verzögerung und über mehrere Rechnungsperioden. Ein operatives Unternehmen kann also durchaus Nachfrage drosseln oder stimulieren, die Frage nach der Gewinnfähigkeit entscheidet sich jedoch im Zusammenspiel aus Erträgen, Beladung und hedged bzw. nicht hedged Beschaffungskosten.

Ein zweiter Schwerpunkt in Gerbers Ausführungen liegt auf dem Netzdesign: Condor denkt darüber nach, sein System an Zubringerflügen auszubauen, konkret Richtung Frankfurt. Der Gedanke dahinter ist nicht nur „mehr Flüge um mehr Gäste zu holen“, sondern eine feinere Steuerung der Passagierströme. Gerber sagt, die aktuelle Zahl von 13 Verbindungen könne zwar ausreichend viele Fluggäste zum Drehkreuz bringen, um die Langstreckenflugzeuge zu füllen. Allerdings: Mit zusätzlichen Verbindungen ließen sich besser Durchschnittserlöse erzielen. Das ist eine betriebswirtschaftliche Aussage, die in der Praxis häufig auf zwei Mechanismen hinausläuft. Erstens verbessert ein dichteres Zubringerangebot die Timing-Optionen, sodass Passagiere zu denjenigen Slots gebündelt werden, die im Langstreckenverkauf die besten Preise tragen. Zweitens erhöht ein breiteres Spektrum an Abflügen die Chance, unterschiedliche Nachfrageprofile zu bedienen, ohne dass man in allen Segmenten gleichzeitig dieselben Rabatte setzen muss.

Technisch betrachtet berührt das Thema Zubringerflüge unmittelbar die Komplexität der operativen Planung, vor allem wenn Touristik- und Linienanteile zusammenkommen. Gerber räumt ein, dass genau diese Kombination Komplexität verursache. In der Umsetzung zeigt sich das unter anderem in der Abstimmung von Anschlussrisiken, Umlaufzeiten und der Frage, wie stabil sich Auslastung über Reisezeiträume hinweg steuern lässt. Dennoch sieht er darin keinen Abschreckungsgrund für Kapital. Denn Komplexität ist in der Luftfahrt nicht automatisch ein Nachteil; sie kann im Gegenteil zu einem Wettbewerbsvorteil werden, wenn das Unternehmen die passende Planungs- und Steuerungslogik besitzt. Entscheidend ist, ob sich etwa Slot-Engpässe am Hub, saisonale Buchungsmuster und unterschiedliche Zahlungsbereitschaften so in eine tragfähige Kapazitätsrechnung übersetzen lassen, dass die Erlösseite nicht dauerhaft die Kostenseite „überholt“.

Für die Investorenperspektive hebt Gerber das Partnernetz besonders hervor. Mit eigenem Verteilnetz sei Condor für andere Fluggesellschaften attraktiv, zudem bestehen Partnerschaften mit Emirates, Etihad, Westjet und Jetblue sowie weiteren. Auch wenn diese Namen öffentlich geläufig sind, ist die strategische Aussage dahinter eindeutig: Ein gut eingebundenes Interlining- und Codeshare-Umfeld kann die Auslastungsquote erhöhen und schwankende Nachfrage regional abfedern. In der Praxis heißt das, dass sich Passagiere nicht ausschließlich über Condors eigene Vermarktungskanäle rekrutieren, sondern über die Vertriebsketten anderer Carrier und deren Kundenstämme. Für Investoren reduziert ein solches Partner-Setup das Risiko, dass das Unternehmen in einer Ertragskrise nur über Preissenkungen reagieren kann. Denn wenn zusätzliche Vertriebspfad-Quellen vorhanden sind, lässt sich Nachfrage leichter in bestimmte Preis- und Kapazitätsfenster lenken.

Das trifft auch auf die zweite Ebene der Kapitalfrage zu: Der Großaktionär Attestor hat nach Angaben aus dem Unternehmensumfeld Ende September die Möglichkeit, Condor komplett zu übernehmen. Gleichzeitig sucht Attestor seit längerer Zeit offenbar einen Mitinvestor. Das ist für den Markt deshalb relevant, weil solche Konstellationen häufig auf eine Neujustierung des Risiko- und Finanzierungsrahmens hinauslaufen. Wenn ein Mitinvestor einsteigt, geht es meist nicht nur um frisches Kapital, sondern auch um die Frage, wie strategisch aufgebaut wird: Welche Routenprioritäten werden gesetzt, wie wird die Beschaffung abgesichert, und wie wird das Netz mit Blick auf saisonale Peaks und langfristige Auslastung optimiert. Für Condor bedeutet das: Die Bewertung dürfte stark davon abhängen, ob das Management die Balance zwischen Preisstrategie, Hub-Zubringern und Partnervertrieb so gestaltet, dass Treibstoff- und Nachfragerisiken nicht wiederholt die Marge „auffressen“.

Im weiteren Branchenkontext zeigt sich damit ein Muster, das auch andere Airlines kennen: In Phasen, in denen Nachfrageanreize nötig sind, werden Preissignale vor allem dann zur stabilen Lösung, wenn zugleich die Kostenstruktur und die Auslastungslogik mitziehen. Deshalb ist Gerbers Fokus auf Frankfurt als Drehkreuz und auf eine Ausweitung der Zubringerflüge strategisch plausibel. Wer Anschlüsse verbessert, kann in der Regel bessere Durchschnittserlöse erzielen, weil das Unternehmen Kapazität präziser auf Nachfrageprofile mappen kann. Die Aussage, dass sinkende Ticketpreise „illusorisch“ seien, wirkt in diesem Licht weniger wie eine Preisdrohung, sondern eher wie ein Hinweis auf die reale Ergebnisarchitektur: Solange Treibstoffkosten hoch bleiben und Nachfrage nur gezielt über Preisimpulse stimuliert werden kann, bleibt der Preisdruck auf der Erlösseite begrenzt. Für Reisende heißt das: Wer jetzt plant, sollte eher mit stabileren Preisniveaus rechnen und die eigene Flexibilität entlang von Abflugzeiten und Anschlussoptionen ausspielen.


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