LONDON (IT BOLTWISE) – Innenarchitekten erklären, wie sich ungenutzte Reserven im Wohnraum durch sinnvolle Aufbewahrung deutlich erhöhen lassen. Besonders effizient sind Lösungen wie das saisonale Auslagern von Kleidung, Vakuumbeutel unter dem Bett und Regalsysteme mit Schubladen oder eingelassenen Körben. Daneben warnen sie vor dauerhaft eingebauten Einbauten, die zwar hübsch wirken, aber die Wiederverkaufsaussichten senken können. Ebenso kritisch sehen sie „Leerlauf“-Deko ohne Plan: Ein einziger Stuhl oder ein Zimmer ohne klare Funktion kann den Raum kleiner und unruhig erscheinen lassen.

Mehr Platz im Zuhause nutzen: Die besten und die schlechtesten Ideen der Designer
Mehr Platz im Zuhause nutzen: Die besten und die schlechtesten Ideen der Designer (Foto: IT BOLTWISE)
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Wer eine Wohnung mietet oder ein Haus besitzt, steht bei „mehr Platz“ meist vor derselben Herausforderung: Grundfläche ist nicht beliebig vergrößerbar, aber die nutzbare Fläche lässt sich stark beeinflussen. Entscheidend ist dabei nicht nur, was man hineinstellt, sondern wie man mit Übergangszonen umgeht – also mit Bereichen, die im Alltag oft ignoriert werden, etwa unter dem Bett, in Regalen oberhalb oder in der Raumreserve neben Fenstern. Innenarchitekten betrachten diese Reserven deshalb weniger als „freie Ecken“, sondern als strukturelle Chance, Ordnung in die Wege zu bringen und gleichzeitig optische Ruhe zu schaffen. Genau dort setzt die Einordnung der besten und schlechtesten Nutzungsarten für Extra-Space an: Sie zeigt, dass effiziente Aufteilung meist mit weniger, aber besser platzierten Lösungen funktioniert.

Den ersten großen Hebel setzen viele Profis bei der Garderobe an. Statt den Schrank „vollzustopfen“, empfehlen sie, Kleidung, die man nur selten trägt, getrennt zu lagern. Konkret wird vorgeschlagen, saisonale Kleidungsstücke auszulagern – etwa Festkleidung oder Kleider, die man nur zu bestimmten Anlässen braucht. Der Zweck ist zweifach: Zum einen bleibt der Alltagsschrank übersichtlicher, zum anderen verhindert man, dass zu viel „optischer Ballast“ den Raum unruhig wirken lässt. Ergänzend werden Vakuumbeutel genannt, die sich unter dem Bett verstauen lassen. Das adressiert ein klassisches Problem vieler Haushalte: Bodenflächen bleiben häufig frei, obwohl sie ideal für staubgeschützte, temporäre Lagerung sind. In derselben Logik empfiehlt sich auch, bei Bedarf einfach die „Funktionsrolle“ eines Schrankbereichs zu wechseln – einmal für häufig genutzte Teile, einmal für selten verwendete, die nur dann sichtbar sein müssen, wenn die Saison wiederkommt.

Auch Regale werden in der Praxis nicht nur als Dekoobjekte betrachtet, sondern als Speicherarchitektur. Besonders Leserinnen und Leser brauchen dafür nicht selten mehr als nur eine offene Bücherwand, weil Büchervolumen und nachgelagerte Ordnungssysteme auseinanderlaufen: Man hat nicht nur Buchrücken, sondern auch Platz für Magazine, Zubehör, eventuell sogar Technik für den Leseeindruck. Deshalb wird das Konzept von Regaleinheiten mit unteren Schrank- oder Schubladenelementen besonders hervorgehoben. Solche unteren Zonen nutzen den Raum, der häufig nur „optisch“ gefüllt wäre, tatsächlich als versteckte Lagerfläche. Zusätzlich werden Körbe als verdeckte Ablage erwähnt, die man in bestehende Bücherregale integrieren kann, ohne dass ständig sichtbar wird, was dort gelagert ist. In dieser Perspektive gewinnt das Regal eine doppelte Funktion: Es schafft Speicherkapazität und kann gleichzeitig – bei passendem Styling – zum zentralen Blickfang im Raum werden. Sogar die Rückwand eines Bücherregals wird als Gestaltungselement diskutiert: Eine Hintergrundgestaltung per Tapete soll dem Regal „mehr Definition“ und Farb- oder Kontrastimpuls geben, ohne den Boden zusätzlich zu belegen.

Während Regale und Stauraum vor allem „vertikale“ Extra-Flächen adressieren, geht ein anderer Vorschlag auf „horizontale“ Restflächen ein – etwa dort, wo man ohnehin schon Platz hat, der aber nicht genutzt wird. Bei Hauptschlafzimmern kann der Bereich nahe am Fenster schnell größer wirken, als er tatsächlich funktional ist. Statt diese Fläche zu verstellen, wird vorgeschlagen, daraus eine Meditations- oder Rückzugszone zu machen. Praktisch bedeutet das: Man wählt einen passenden Bereichsteppich, der in Größe und Zuschnitt auf die verfügbare Fläche abgestimmt ist. So entsteht ein klar definierter „Bodenbereich“ für Entspannung, ohne dass neue Möbelstücke den Raum verkleinern. Damit die Stimmung stimmt, empfehlen die Innenarchitekten außerdem passende Fensterdekorationen, um Licht zu steuern und eine ruhigere Atmosphäre zu erzeugen. Ergänzt wird diese Idee durch einen zweiten Gedanken, der in der Umgestaltung oft unterschätzt wird: Visuelle Spannung muss nicht immer über zusätzliche Möbel entstehen. Wall Art und Skulpturen können genau die Tiefe erzeugen, die man sonst mit mehr Stühlen oder Beistellmöbeln erreichen will – und dabei bleibt die Lauf- und Bodenfläche frei.

Konsequente Gestaltung bedeutet aber auch, Fehlerbilder klar zu benennen. Ein häufiges Problem sind „Füllkäufe“: Leerstehende Ecken werden mit einem einzelnen Stuhl bestückt, der keinen klaren Zweck erfüllt. Die Kritik daran ist nicht nur ästhetisch. Wenn ein Stuhl ohne Umfeld steht, fehlt ein Kontext für Nutzung und Blickführung. Laut Innenarchitekten gilt: Ein Stuhl kann als Teil eines „Moments“ funktionieren, wenn er von passenden Begleitobjekten wie Lampe oder Side-Table umrahmt ist. Fehlt diese Kopplung, wirkt der Raum schnell inkohärent, und die Flächen erscheinen überladen – obwohl nur ein einzelnes Möbelstück hinzugekommen ist. Ebenso positiv wird die Idee „leerer Ecken“ bewertet: Offene, unaufgeräumte Bereiche dürfen bleiben, weil sie das Auge auf die interessanteren Stücke im Raum fokussieren. Das ist eine wichtige Umkehrung, weil viele Menschen glauben, jede freie Fläche müsse sofort gefüllt werden. In Wahrheit kann Luft im Raum die Wirkung von Gestaltungselementen sogar verstärken.

Besonders interessant wird die Diskussion bei der Unterbringung in räumlichen Sonderzonen. Ein klassischer Hotspot ist der Bereich unter einer Treppe. Dieser Raum wirkt zunächst unzugänglich, hat aber in der Praxis eine hohe Speicherdichte, wenn man ihn richtig ausplant. Innenarchitektinnen und Innenarchitekten berichten, dass viele Haushalte genau deshalb zögern, weil der Platz nicht „walk-in“ ist und durch schräge Flächen eingeschränkt wirkt. Trotzdem werden konkrete Varianten genannt: Schubladen und Schränke können eingebaut werden, außerdem gibt es Beispiele für eine Ausnehmung, die für einen Hundebereich genutzt wurde, oder für eine Lösung zur Weinlagerung. Was diese Beispiele verbindet, ist der technische Kern: Man muss präzise messen und mit den Winkeln der Treppenkonstruktion arbeiten, statt gegen sie anzukämpfen. Die beste Extra-Space-Lösung ist in solchen Fällen nicht die abstrakte Idee „da könnte man was einbauen“, sondern der konkrete Zuschnitt, der sich an die Geometrie anpasst.

Hier liegt auch der Unterschied zwischen guter Anpassung und problematischer Festlegung. Während modular gedachte Aufbewahrung häufig flexibel bleibt, warnen Designer explizit vor dauerhaft maßgeschneiderten Einbauten, wenn sie bestimmte Nutzungen „einsperren“. Im Kontext von Bonusräumen wird vor built-in furniture bzw. fest verbauten Einbauten aus Schränken heraus gewarnt. Zwar kann so ein Bereich für ein Hobby oder eine Bastelzone optisch und funktional attraktiv sein. Gleichzeitig sinkt aber die Vielseitigkeit: Ein Raum, der dauerhaft auf eine spezielle Aktivität zugeschnitten ist, passt bei späteren Lebensphasen oder bei einem Umzug oft schlechter. Als Folge wird der Effekt auf den Wiederverkaufswert angesprochen, weil Käufer häufig andere Vorstellungen von Nutzung und Raumaufteilung haben. Die Empfehlung lautet daher, bei der Extra-Space-Nutzung zuerst auf temporäre oder bewegliche Lösungen zu setzen – also auf Möbel und Systeme, die man bei Bedarf austauschen kann, statt dauerhaft Wände und Stauraum fest zu „konfigurieren“.

Die wahrscheinlich wichtigste Schlussfolgerung der Designer ist weniger eine konkrete Maßnahme als eine Planungslogik. Gerade bei „Extra-Space“ rät ein Teil der Profis davon ab, einfach irgendetwas hineinzustellen, ohne vorher eine Funktion zu definieren. Das wird bildlich beschrieben: Ein Raum ohne Zweck und ohne Ordnung fühlt sich an wie ein ungerichtetes Gebilde, das Stress auslöst, sobald der Alltag die Unklarheit einholt. In der Praxis lässt sich das sehr konkret herunterbrechen: Bevor man zusätzliche Flächen nutzt, sollte man fragen, welche Lücke im Haus existiert – etwa zusätzlicher Platz für Spielzeug, bessere Ablage in Eingangsbereichen oder eine Sitzbank, um Schuhe anzuziehen. So wird Extra-Space nicht zum Sammelbecken, sondern zum Werkzeug für reale Alltagsprozesse. Wer diese Reihenfolge beachtet – erst Bedarf, dann Lösung, dann Feinschliff – profitiert von den positiven Ansätzen wie staubgeschützter Lagerung, intelligenten Regalsystemen und klaren Zonen am Fenster. Und gleichzeitig vermeidet man die typischen Fallen: Einzelstücke ohne Kontext, dauerhaft eingeschnürte Einbauten und ungestaltete Reserveflächen, die am Ende mehr Unruhe erzeugen als nutzbaren Mehrwert schaffen.


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