LONDON (IT BOLTWISE) – CodeWeavers hat eine erste Vorschau von CrossOver mit nativer ARM64-Unterstützung für Apple Silicon veröffentlicht. Damit beginnt der Abschied von Apples Rosetta-2-Übersetzungsschicht für die Windows-Kompatibilität auf dem Mac. Die Entwickler bauen zugleich die Perspektive bis zu CrossOver 28 mit FEX-Emulation auf. Noch ist die ARM64-Vorschau allerdings nicht reibungslos: Game-Launcher haken, D3DMetal fehlt und bestehende Bottles lassen sich nicht automatisch umstellen.

CrossOver beendet Rosetta-abhängige Windows-Kompatibilität auf Apple Silicon
CrossOver beendet Rosetta-abhängige Windows-Kompatibilität auf Apple Silicon (Foto: IT BOLTWISE)
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Mit der nativen ARM64-Vorschau setzt CodeWeavers einen klaren Schnitt: CrossOver verlässt schrittweise die Abhängigkeit von Apples Rosetta 2, die bisher als Übersetzungsschicht dafür sorgte, dass viele Windows-Programme überhaupt auf macOS laufen. Was technisch wie ein „Support-Upgrade“ wirkt, ist strategisch eine Neujustierung des gesamten Compatibility-Stacks. Denn wer CrossOver bislang unter Intel-Rosetta-Bedingungen genutzt hat, bekam die Windows-Logik nicht als echte Apple-Silicon-Ausführung, sondern als nachgelagerte Emulation bzw. Übersetzung. Die Vorschau nimmt jetzt den Weg über eine ARM64-nahe Integration, die vor allem eine bessere Basis für zukünftige macOS- und Hardware-Generationen schaffen soll.

Die Dringlichkeit dahinter hängt mit einer Roadmap-Entscheidung von Apple zusammen: Laut den Angaben im Artikel soll die Unterstützung für die Rosetta-2-Übersetzungsschicht nach dem Erscheinen von macOS 27 eingestellt werden, intern unter dem Codenamen „Golden Gate“. CodeWeavers reagiert darauf, indem CrossOver 27 ausschließlich Apple Silicon unterstützen soll und damit auch der bisher übliche „Intel-Umweg“ wegfällt. Praktisch bedeutet das: Besitzer älterer Intel-Macs müssten künftig mit eingeschränkter oder fehlender Kompatibilität rechnen. Ebenso trifft es Nutzer, die bisher auf 32-Bit-„Bottles“ gesetzt haben, also auf Anwendungscontainern, die in der CrossOver-Umgebung ein eigenes Laufzeit-Setup bereitstellen.

Parallel dazu kündigt CodeWeavers für die nachfolgende Version 28 den Einsatz von FEX-Emulation an. FEX gilt als Ansatz, der im Linux-Umfeld bereits auf dem Steam Deck genutzt wird, und soll in CrossOver einen weiteren Baustein liefern, um auch Anwendungen außerhalb der unmittelbaren nativen Pfade bedienen zu können. Die Vorschau zeigt aber bereits jetzt Grenzen: Tester berichten, dass viele Game-Launcher derzeit nicht funktionieren, und dass die D3DMetal-Unterstützung fehlt. Hinzu kommt ein wichtiger Engineering-Hebel: Bestehende Anwendungs-Bottles sollen sich nicht automatisch in das neue native Format konvertieren lassen. Genau an dieser Stelle wird deutlich, dass „ARM64 geht live“ nicht automatisch heißt „alle Workflows sind sofort migrierbar“ – und dass Migrationsaufwand für Nutzer und Support-Teams ein echtes Thema bleibt.

Wie stark sich die Architekturverschiebung bereits auswirkt, zeigen erste Leistungstests auf einem M5 MacBook Air. Der Artikel nennt als Beispiel spezielle Benchmarks mit Software wie Dota 2, bei denen die native ARM-Version rund 16 Grad Celsius heißer lief als die über Intel-Übersetzung ausgeführte Variante. Die Kernaussage ist weniger eine Sieger-Schlussfolgerung, sondern ein Signal: Thermik und Effizienz hängen aktuell noch an Optimierungsstellen, die in einer frühen Vorschauphase fast zwangsläufig vorhanden sind. Für produktive Nutzung heißt das konkret, dass der Umstieg zwar möglich ist, aber nicht automatisch die gleiche Laufzeit- und Temperaturcharakteristik wie bekannte Setups erreicht. Wer heute umstellt, profitiert am ehesten von sorgfältiger Geräte- und Profil-Konfiguration.

Der Blick über CrossOver hinaus zeigt zudem, dass sich die Plattformlandschaft im selben Zeitraum weiter dreht. Anfang August 2026 hat das Wails-Projekt Version 3.0.0-beta.0 mit stabilen Desktop-APIs veröffentlicht und dabei Unterstützung für macOS-Binaries in Intel-, Apple-Silicon- und Universal-Formaten betont. Parallel dazu wird Kakehashi als experimenteller Userspace beschrieben, der macOS-Binaries auf Linux-ARM-Systemen ausführen soll, aber noch im frühen, instabilen Proof-of-Concept-Stadium steckt. In Summe entsteht damit ein Bild, in dem Kompatibilität nicht mehr „eine“ Übersetzungsschicht ist, sondern ein Bündel aus Build-Outputs, Laufzeit-Implementierungen und Emulationspfaden. Das beeinflusst auch die Entwicklerplanung: Build-Pipelines, CI-Strategien und QA müssen stärker entlang der Zielarchitektur ausdifferenziert werden.

Markt- und Effizienzargumente liefern der Artikel ebenfalls – allerdings mit einer deutlichen Differenzierung zwischen Produktivität und Energieverbrauch. Bei Produktivitätsworkloads soll ein M5 MacBook Air ein 500-seitiges Word-Dokument in sieben Sekunden geöffnet haben, während ein Surface Laptop mit Snapdragon X2 Plus und ein Dell XPS 13 mit Intel Core 5 320 dafür zwölf Sekunden benötigt hätten. Beim Batterietest wird die Energieeffizienz dann noch konkreter: Der Surface Laptop verbrauchte nur 16 Prozent seiner Ladung, während das MacBook Air auf 24 Prozent kam. Zudem wird erwähnt, dass Microsoft Performance-Engpässe bei WebView2 eingeräumt hat und Optimierungen bis Ende 2026 nachreichen will. Für Unternehmen heißt das: Der Wechsel auf neue Ausführungsmodelle ist nicht nur eine Frage der „Funktion“, sondern auch der Betriebskontinuität in echten Nutzungsprofilen.

Abgerundet wird der Wandel schließlich durch die Betriebssystemseite. Apple veröffentlichte in der Woche bis zum 2. August 2026 Sicherheitsupdates für macOS 14.8.8, 15.7.8 und Tahoe 26.6 und schloss dabei mehr als 100 Schwachstellen. Zusätzlich sollen Optimierungen für den Tahoe-Spotlight-Index enthalten gewesen sein, um den Weg für macOS 27 zu ebnen. Branchenbeobachter im Artikel gehen davon aus, dass Tahoe 26.6 eines der letzten großen Updates für Intel-Macs sein dürfte – Sicherheitskorrekturen sollen zwar weiterlaufen, aber das Komfort-Nutzungsprofil wird zunehmend auf Apple Silicon fokussiert. Für CrossOver-Nutzer ergibt sich daraus eine klare Handlungslogik: Wer auf Kompatibilität angewiesen ist, sollte die native ARM64-Vorschau heute testen, Bottles und Launcher-Anforderungen früh prüfen und die Roadmap bis CrossOver 27 sowie die FEX-Emulation in Version 28 in die Migrationsplanung einbeziehen.


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