HERZOGENAURACH / LONDON (IT BOLTWISE) – Puma berichtet für das zweite Quartal rückläufige Erlöse und bleibt trotz laufender Restrukturierung in der Verlustzone. Der Konzern macht dafür vor allem den Umbau sowie eine schwächere Nachfrage im Kontext des Nahost-Konflikts verantwortlich. Arthur Hoeld bestätigt das „Übergangsjahr“ und erwartet, dass sich die Entwicklung im zweiten Halbjahr schrittweise verbessert. An der Börse reagierten Anleger skeptisch: Die Aktie fiel zeitweise deutlich, bevor sich der Rückgang später einpendelte.

Puma steckt nach den Zahlen zum zweiten Quartal mitten in dem, was Konzernchef Arthur Hoeld als „Übergangsjahr“ bezeichnet. Während der Konzernum- und abbau intern Effizienzhebel für die kommenden Quartale schaffen soll, wirkt sich das operative Durchrücken der Maßnahmen in der Gegenwart auf die finanzielle Entwicklung aus. Besonders deutlich wird das in der Kombination aus sinkenden Umsätzen und weiter negativen Ergebniskennzahlen: Das Unternehmen bestätigt ausdrücklich, dass sich die Lage im zweiten Halbjahr schrittweise normalisieren soll, obwohl die Ergebnisse im Jahresverlauf noch nicht drehen. Genau diese Verzahnung von Restrukturierung und Nachfrage ist für Entscheider relevant, weil sie zeigt, wie schnell ein Marken- und Vertriebskorrektiv in die Profitabilität durchschlägt – oder eben noch nicht.
Operativ nennt Puma als Belastungsfaktoren den Konzernumbau und eine schwächere Nachfrage im Zusammenhang mit dem Nahost-Konflikt. Der Blick auf die Segmentebene macht klar, wo die Lücke konkret sitzt: Vor allem das Großhandelsgeschäft in der amerikanischen und europäischen Region entwickelte sich schwächer. Der Konzern senkt dort aktuell die Verkaufe in diesen Kanal, „speziell in Nordamerika und Europa“, während parallel das E-Commerce-Geschäft leicht zulegt und der eigene Einzelhandel nur moderat nachgibt. Diese Mischung ist typisch für Restrukturierungsphasen: Der Konzern verschiebt Umsätze von breiten Händlerstrukturen hin zu direkteren Kontaktpunkten mit Endkunden, um die Margenstruktur langfristig zu verbessern. Gleichzeitig ist genau diese Umstellung in der Übergangsphase anfällig, wenn sich regionale Einkaufsentscheidungen verlangsamen.
Auch die Fußball-Weltmeisterschaft spielt in der Argumentation eine Rolle, ohne die Zahlen zu retten. Hoeld sagte in der Telefonkonferenz, dass es „keine signifikanten Auswirkungen auf den Umsatz“ gegeben habe. Puma rüstete dem Bericht zufolge neben der Schweiz vor allem afrikanische Mannschaften aus; allerdings ist der Markt für solche Ausrüster-Impulse deutlich kleiner als bei den Teams, die etwa Adidas im Umfeld der Finalisten sowie mit dem offiziellen WM-Ball stark in den Fokus stellte. Für die Bewertung heißt das: Der Konzern versucht sich nicht auf kurzfristige Turnier-Effekte zu stützen, sondern steuert über strukturelle Maßnahmen – etwa die Reduktion von Lagerbeständen und die Neuausrichtung des Produkt- und Vertriebsportfolios. In der Praxis bedeutet das, dass Ergebnisverbesserungen nicht nur von Marketing-Spitzen, sondern von sauberer Bestands- und Kanalsteuerung abhängen.
Finanziell zeigt sich die Belastung in den Ergebnisgrößen. Die Erlöse sanken im zweiten Quartal um knapp zehn Prozent auf knapp 1,7 Milliarden Euro. Beim bereinigten Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) verschlechterte sich der Wert deutlich: Der bereinigte Verlust vor Ebit stieg auf 41,9 Millionen Euro nach minus 24,5 Millionen Euro im Vorjahr. Unter dem Strich sank der Fehlbetrag allerdings um gut 70 Prozent auf 72,8 Millionen Euro, weil die Einmalkosten deutlich geringer ausfielen. Diese Entkopplung ist wichtig: Für Analysten und Treasury-Entscheider ist weniger die kurzfristige Ebit-Volatilität allein entscheidend als vielmehr, ob die Einmalbelastungen abnehmen und ob der operative Kernpfad mittelfristig wieder in Richtung Gewinnzone führt. Hoeld rechnet zudem im dritten Quartal mit einem weiteren Umsatzrückgang, erwartet jedoch gegenüber dem zweiten Quartal Verbesserungen bei Erlösen und operativem Ergebnis, bevor im Schlussquartal weitere Fortschritte folgen.
Der Konzernumbau selbst ist dabei der zentrale technische und organisatorische Treiber. Hoeld verwies auf bereits umgesetzte Schritte: „Wir haben Ineffizienzen abgebaut, unsere Kostenbasis optimiert und unsere Organisationsstruktur verbessert“. Dazu gehört ein Programm, das die Konzentration auf Kernsportarten stärkt, das Produktportfolio reduziert und das Direktgeschäft mit Konsumenten ausbauen soll. Das Unternehmen kündigt konkret den Abbau von Lagerbeständen, die Schließung unrentabler Läden und den Abbau von insgesamt 1.400 Stellen an; diese Maßnahmen sollen ab 2027 wieder ein „nachhaltiges“ Wachstum ermöglichen. In der wirtschaftlichen Logik ähnelt das Vorgehen einer zweistufigen Transformation: Erst werden Kosten und Kapitalbindung (Lager) bereinigt, danach wird die Nachfrage- und Margeffizienz über ein engeres Angebot und direkte Kundenkanäle aufgebaut. Allerdings braucht genau diese zweite Stufe Zeit, weshalb das „Übergangsjahr“ als Zeitraum mit bewusst akzeptierter Schwäche gelesen werden muss.
Auch die Prognose liefert Hinweise, wie Puma die Messlatte für den Jahresverlauf setzt. Für das Gesamtjahr erwartet der Konzernchef einen währungsbereinigten Umsatzrückgang im niedrigen bis mittleren einstelligen Prozentbereich; beim Ebit soll es – einschließlich der Kosten für das Effizienzprogramm in Höhe von minus 50 bis minus 150 Millionen Euro – im Minusbereich bleiben. Positiv wirken sollen zudem Rückzahlungen durch unrechtmäßig erhobene Zölle, die jedoch durch Belastungen im Zusammenhang mit dem Nahost-Konflikt wieder aufgehoben werden. Damit bleibt die zentrale Frage für die Marktseite: Ob sich die Restrukturierung bereits ab dem zweiten Halbjahr in einer stabileren Margendynamik zeigt, oder ob Anleger erst belastbare Zeichen in mehreren Quartalen sehen wollen. Jefferies-Analyst James Grzinic ordnete die Lage als einen „mühsamen Weg“ ein, wobei die Ergebnisse zwar weitgehend den Erwartungen entsprochen hätten, das Umsatzwachstum sich aber trotz Fußball-Weltmeisterschaft abgeschwächt habe. Für Unternehmen, die in den Handel und in die Lieferketten von Sport- und Konsumgütern investieren, ist das ein Signal dafür, wie stark Nachfragezyklen, Kanal-Shift und Kostenprogramm gemeinsam wirken – und warum die Kapitalmarktreaktion häufig schneller und härter ist als die operative Reife von Transformationen.
An der Börse spiegelte sich diese Spannung sofort wider. Das im MDax notierte Papier verlor zum Wochenschluss zunächst mehr als sechs Prozent, bevor sich der Rückgang auf rund 2,7 Prozent reduzierte. Puma betont derweil den Ausblick; Hoeld zeigte sich zuversichtlich und sagte: „Das stimmt uns für die weitere Entwicklung des Gesamtjahres zuversichtlich und wir bestätigen unseren Ausblick“. Entscheidend wird nun, ob die im zweiten Halbjahr erwartete schrittweise Verbesserung auch in belastbaren Kennzahlen sichtbar wird – etwa in der Entwicklung des Großhandels, in der Fähigkeit, Lagerbestände schneller abzubauen, und in der Stabilisierung des Direktkanals. Gerade weil Puma die Lager- und Ladenbereinigung als strukturelles Programm fährt, sollten Beobachter auf die Geschwindigkeit der Bestandsumschlags- und Kostenkennzahlen achten; sie sind oft der früheste Indikator dafür, ob aus der aktuellen roten Bilanz mittelfristig wieder ein nachhaltiger Ergebnishebel entsteht.
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