LONDON (IT BOLTWISE) – Die Zahl der täglich aktiven Bitcoin-Adressen ist am 31. Juli von 645.000 auf fast 1 Mio. gestiegen. Laut On-Chain-Daten liegt der Wert damit auf dem höchsten Stand seit dem 10. Dezember 2024. Entscheidend war dabei nicht neue Nachfrage, sondern eine panikgetriebene Verschiebung aus Self-Custody-Wallets. Hintergrund ist ein Coldcard-Sicherheitsvorfall, der Coins offenbar gezielt in eine kleinere Zahl von Zielen umlenkte.

Ein einzelner On-Chain-Tag hat im Bitcoin-Netz zuletzt deutlich gemacht, wie stark Markt- und Sicherheitsereignisse das Nutzerverhalten prägen können: Die täglichen aktiven Adressen stiegen am 31. Juli von 645.000 (30. Juli) auf nahezu 1 Mio. Damit markierten sie den höchsten Stand seit dem 10. Dezember 2024. In den Stunden um diese Sprünge notierte Bitcoin (BTC) laut dem Datensatz im Umfeld der Veröffentlichung bei 60.347 US-Dollar und lag innerhalb von 24 Stunden um 1,24 % im Plus. Auffällig ist dabei die Interpretation der Daten: Die Aktivitätswelle wird nicht als Signal für plötzliches Käuferinteresse gelesen, sondern als Reaktion auf Stress im Umfeld von Self-Custody.
Technisch betrachtet zeigen die genannten On-Chain-Kennzahlen, wie sich das „Ziehen“ der Coins in den Transaktionsmustern niederschlägt. Einer der zentralen Punkte betrifft die Verteilung zwischen Sende- und Empfangsadressen: Aus den recherchierten Charts geht hervor, dass die Zuwächse bei den Wachstumstreibern nahezu vollständig aus dem Versand von Coins stammen. Empfangsadressen „bewegten“ sich demgegenüber nur in vergleichsweise geringem Maß, was typischerweise auf Konsolidierung hindeutet. Tausende einzelne Wallets entleerten sich dabei in Richtung deutlich weniger Zieladressen. Genau diese Struktur unterscheidet eine panische Umlagerung von einem breiteren Muster neuer Teilhabe am Netzwerk.
Die Ursache wird im Kontext eines Coldcard-Vorfalls verortet: Berichten zufolge sollen Angreifer über mehrere Wellen Coldcard-Hardware-Wallets abgegriffen haben, begünstigt durch einen fehlerhaften Zufallszahlengenerator. Konkret werden drei bestätigte Angriffswellen mit insgesamt 1.367 BTC genannt, deren Wert mit 88,6 Mio. US-Dollar angegeben wird; gestohlen worden seien diese Coins aus 4.585 Adressen. Zusätzlich wird von einer mutmaßlich vierten Welle gesprochen, die danach weitere 380 BTC erfasst haben soll. Entscheidend für die On-Chain-Auswertung ist die zeitliche Nähe zwischen Sicherheitsereignis und dem Aktivitätssprung: Das Muster wirkt wie ein Alarm- und Reaktionsmechanismus, nicht wie eine organische Ausweitung von Nutzung.
Dass die Aktivitätsdaten dennoch in einem engen Band zu „Retail-Verhalten“ passen, zeigt sich in den Spend-Output-Value-Bands: Laut den genannten Analysen summierten sich Übertragungen unter 1 BTC am 31. Juli auf 39.600 BTC. Als direkter Vergleich wird ein ähnlicher Tageswert vom 16. November 2022 herangezogen, ebenfalls im Bereich 39.900 BTC, also in einer Phase kurz nach dem Scheitern von FTX. Genau diese Bänder zielen methodisch auf kleinere, eher privat geprägte Walletgrößen ab und wirken damit wie ein Proxy für die Nutzerbasis, die typischerweise zu Self-Custody-Angeboten greift. In der Erzählung wird das durch eine konkrete Schadensgeschichte ergänzt: Ein Inhaber habe in weniger als sieben Minuten 18,25 BTC verloren, im genannten Gegenwert von 1,6 Mio. US-Dollar.
Der psychologische Hebel dahinter spiegelt sich in der Deutung der Migration: Julio Moreno, Head of Research bei CryptoQuant, wird mit einer Beobachtung zitiert, die den Reflexcharakter betont. Er schrieb: „The Bitcoin plebs had not move[d] this amount of BTC in a day since the FTX collapse… I like to see that people seem to be taking action.“ Das passt inhaltlich zu der weiteren Schlussfolgerung, dass viele Nutzer nicht „investitionsgetrieben“, sondern „risikogetrieben“ handeln. Interessant ist der zeitliche Vergleich: Nach 2022 zog es viele Anwender eher von Börsen weg in Richtung Cold Storage. Diesmal beschreibt die Quelle eine umgekehrte Richtung – als Folge eines Cold-Storage-Ausfalls flossen Coins offenbar stärker aus dem betroffenen Self-Custody-Umfeld heraus. Damit wird der Self-Custody-Debatte erneut Treibstoff geliefert, die auch durch Aussagen des Binance-Gründers Changpeng Zhao in jüngster Zeit erneut öffentlich geworden sei.
Für die Einordnung in den Markt ist außerdem die Form der Bewegung relevant: Historisch lag die Spanne aktiver Adressen über weite Teile des Jahres 2026 zwischen etwa 550.000 und 750.000, also deutlich unter der beschriebenen Spitze. Damit wirkt der Sprung am 31. Juli wie ein Einmalereignis, das eher durch ein klares Auslöserprofil (Sicherheitsvorfall, schnelle Reaktion, Konsolidierung) erklärt wird als durch eine nachhaltige Nachfrageverschiebung. Gerade weil die Aktivität sich über Sende- und Konsolidierungsstrukturen bündelt, ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass die Nutzer kurzfristig „Fehlkonfigurationen“ oder Sicherheitsrisiken umgehen wollen, statt dauerhaft mehr Transaktionen zu erzeugen. Für Betreiber von Wallet- und Infrastruktur-Ökosystemen bedeutet das: Nicht nur die kryptografische Stärke, sondern auch Zufallsquellen, Härtung der Implementierung und verständliche Notfallpfade entscheiden darüber, wie stark sich ein Vorfall im Netzwerkverhalten abbildet. Parallel bleibt die Frage, wie schnell sich solche Aktivitätsmuster normalisieren, wenn die Betroffenen ihre Next-Hop-Ziele stabilisiert haben.
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