LONDON (IT BOLTWISE) – Laut Kpler-Daten passiert die Straße von Hormus aktuell nur langsam wieder mehr Schiffe. Am Montag wurden lediglich neun Durchfahrten registriert, während es in der Vorwoche im Schnitt etwa 16 Schiffe pro Tag waren. Auch Bab al-Mandab am Ausgang des Roten Meers bleibt durch Angriffe im Jemengebiet belastet: 25 Passagen wurden am Montag bestätigt. Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran könnten die Lage zwar kurzfristig entspannen, eine nachhaltige Erholung könnte jedoch Zeit brauchen.

Die Engpässe im Nahen Osten treffen derzeit vor allem die Betreiber von Frachtschiffen und die Disponenten großer Reedereien: Sowohl die Straße von Hormus zwischen Persischem Golf und Golf von Oman als auch die Passage von Bab al-Mandab am Ausgang des Roten Meers bleiben nach wie vor schwer planbar. Daten des Analyseanbieters Kpler, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegen, zeigen dabei ein Bild, das weniger nach einem isolierten Ausreißer aussieht als nach anhaltend erhöhter Risikoaversion in der Seefracht. Am Montag sollen in Hormus lediglich neun Schiffe passiert sein – ein deutlicher Rückgang gegenüber dem Wochendurchschnitt von etwa 16 Schiffen pro Tag.
Technisch betrachtet hängt die Auslastung solcher Routen nicht nur von der globalen Güternachfrage ab, sondern auch von der „Entscheidungskurve“ der Reedereien unter Unsicherheit: Sobald Sicherheitsrisiken und mögliche Zwischenfälle wahrscheinlicher werden, verschieben sich Fahrpläne, werden Umwege eingeplant und die erwartete Wartezeit am jeweiligen Knotenpunkt steigt. Genau diese Mechanik spiegelt sich in den Kpler-Zahlen wider. In der vergangenen Woche lag das Niveau zwar höher als am einzelnen Montag, aber es blieb insgesamt unter dem Bereich, der für eine routinierte, durchgehende Fahrplanlogik typisch wäre. Eine Einigung zwischen den USA und dem Iran wird in diesem Zusammenhang als Hebel genannt, der den Seeverkehr kurzfristig wieder beleben könnte.
Während Hormus die direkte Verbindung zwischen wichtigen Energie- und Handelsströmen bildet, wirkt sich die Lage am Roten Meer über Bab al-Mandab zusätzlich aus. Hier bestätigte Kpler am Montag lediglich 25 Passagen. Der Rückgang lässt sich auch dynamisch ablesen: Am Freitag wurden noch 42 Durchfahrten gemeldet. In den letzten Tagen kam es demnach erneut zu Zwischenfällen in Form von Beschuss, etwa als „erst in der Nacht zum Dienstag“ ein Schiff vor der Küste des Omans unter Feuer geraten sein soll. Für die Logistik bedeutet das praktisch: Jede zusätzliche Verzögerung erhöht nicht nur die Transportdauer, sondern beeinflusst auch die Anschlussketten – von Hafenumschlägen über Lagerreichweiten bis hin zu Produktions-Taktungen bei Abnehmern.
Ein weiteres Element ist die Verbindung zwischen regionalen Akteurskonflikten und konkreten Routenentscheidungen. Im Text wird beschrieben, dass Drohungen und Angriffe der mit dem Iran verbündeten Huthi-Miliz im Jemen gegenüber Saudi-Arabien die Schifffahrt auf dem Seeweg beeinträchtigen. Das ist für Unternehmen vor allem deshalb relevant, weil solche Risiken in der Regel nicht nur „einen Hafen“ betreffen, sondern die Kalkulation der gesamten Kette: Versicherungsprämien, erforderliche Sicherheitsmaßnahmen an Bord, mögliche Charter-Vertragsänderungen und die Wahl alternativer Routen werden meist parallel betrachtet. Damit kann selbst eine kurzfristige Entspannung an einer Stelle nur begrenzt wirken, solange andere Risikopunkte bestehen bleiben.
Vor diesem Hintergrund ist auch die politische Ebene im Bericht konkret: Nach US-Angaben laufen Verhandlungen mit dem Iran. Aus Teheran heißt es außerdem, man sei mit dem Oman über eine Regelung der Schifffahrt in der Straße von Hormus im Gespräch. Für die maritime Praxis zählt dabei weniger die Schlagzeile als die technische Umsetzung: Eine „Regelung“ kann beispielsweise bedeuten, dass definiert wird, welche Korridore als passierbar gelten, welche Informationskanäle genutzt werden und wie Reaktionen auf Zwischenfälle koordiniert werden. Dass Risiko-Analysten dennoch von einer möglichen nachhaltigen Besserung erst nach einer gewissen Zeit sprechen, passt dazu: Selbst wenn sich das Nachrichtenbild verbessert, müssen Reedereien Fahrpläne, Besatzungsplanung und Sicherheitsprozesse häufig neu ausrollen.
Unter Marktgesichtspunkten verschiebt sich damit die Aufmerksamkeit von kurzfristigen Preisbewegungen hin zu Planbarkeit – und Planbarkeit ist in der Logistik häufig der Engpass. Wenn sich Durchfahrtszahlen wie in Hormus von 16 Schiffe pro Tag im Schnitt auf neun am Montag reduzieren, wirkt das wie ein Frühindikator für erhöhte „Kosten des Wartens“: Container, Bulk-Carrier und Tanker können nicht einfach „durchrutschen“, sondern brauchen Puffervolumen, während Häfen und Inlandstransporte erneut getaktet werden müssen. Ebenso können sich Effekte in der Verfügbarkeit bestimmter Schiffstypen zeigen, weil Kapitäne und Reedereien unter Unsicherheit lieber in bewährte Konfigurationen investieren oder bestimmte Zeitfenster meiden.
Für Unternehmen, die von dieser Route abhängig sind, lohnt sich deshalb ein operativer Blick auf Szenarien statt allein auf die tägliche Schlagzahl. Kpler-Zahlen liefern dafür eine konkrete Grundlage: Die Kombination aus den passierten Schiffen in Hormus und den bestätigten Passagen in Bab al-Mandab macht sichtbar, dass die Belastung nicht „nur eine Meerenge“ ist, sondern ein zusammenhängendes Netzwerk aus Risiken. Wenn Verhandlungen Fortschritte bringen, dürfte das zunächst vor allem die unmittelbare Durchfahrtswahrscheinlichkeit erhöhen. Ob sich daraus aber eine robuste, dauerhaft stabile Logistikkette entwickelt, entscheidet sich daran, wie schnell sich die operative Sicherheit in mehreren Engstellen zugleich verbessert – und wie konsequent Reedereien ihre Routen danach wieder hochfahren.
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