FREIBURG / LONDON (IT BOLTWISE) – Gebrauchte Reise- und Outdoorartikel werden im Onlinehandel deutlich stärker nachgefragt. Laut Vinted Impact Report 2025 ersetzen viele Käufer den Neuproduktkauf bereits durch Bestellungen über die Plattform. Besonders bei Reise-Sandalen steigt die Nachfrage: Flip-Flops werden um 308% häufiger gesucht. Parallel erweitert DHL sein Netz aus Paketstationen, um den Wiederverkauf logistisch einfacher zu machen.

Der Secondhand-Markt rund um Urlaubsbedarf zeigt aktuell, wie schnell sich Konsumgewohnheiten im Sommer verändern können. Nicht die „großen“ Anschaffungen stehen dabei im Vordergrund, sondern viele kleine, oft saisonale Produkte: Wer früher kurz vor der Reise neue Flip-Flops oder Camping-Accessoires kaufte, findet heute häufig eine preiswertere Alternative im Wiederverkauf. Diese Verschiebung wirkt auf den ersten Blick wie ein Lifestyle-Trend, ist aber vor allem ein Signal für funktionierende Ersatzbeschaffung im E-Commerce – inklusive Suchverhalten, Verfügbarkeit und Logistik.
Konkrete Zahlen aus der Vinted-Nutzungswelt unterstreichen das. Der Vinted Impact Report 2025 kommt zu dem Ergebnis, dass 76% der Bestellungen auf der Plattform den Kauf eines entsprechenden Neuprodukts ersetzt haben. Das macht die Plattform-Mechanik zu einem zentralen Treiber: Sobald Nutzer für eine Kategorie verlässlich Angebote finden, werden Suchanfragen zu konkreten Kaufentscheidungen. Für den Reise- und Outdoor-Bereich lässt sich zudem eine deutliche Dynamik im ersten Halbjahr 2026 beobachten. Auswertungen von Suchanfragen auf Vinted mit Stand Mai 2026 zeigen dabei enorme Sprünge: Flip-Flops werden um 308% häufiger gesucht, während das Interesse an Camping-Ausrüstung um 169% und an Zelten um 142% zunimmt.
Besonders interessant ist, dass die Nachfrage nicht nur bei „sichtbaren“ Reiseartikeln anzieht, sondern auch bei technischen Hilfsmitteln und Sicherheitsausrüstung. Die Suche nach Powerbanks steigt um 99%, Schwimmbrillen legen um 81% zu und Sandspielzeug wird um 73% häufiger gesucht. Auch Begriffe, die eher für die Urlaubsroutine stehen, ziehen an: Urlaub (+68%), Schlafsack (+55%) und Schwimmflügel (+49%). Hier verdichtet sich ein Muster, das man in vielen Handelsbereichen wiederfindet: Plattformen reagieren weniger auf einzelne Produkt-Launches als auf saisonale Nutzungsanlässe. Wenn sich die Saison nähert, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Nutzer gezielt nach preiswerten und nachhaltigen Optionen suchen, statt erst nach dem Kaufplan zu optimieren.
Damit allein die Nachfrage funktioniert, braucht es aber auch eine belastbare Liefer- und Rücksendeinfrastruktur. In der Praxis ist genau das der Engpass, den Secondhand-Händler häufig zuerst spüren: Wer verkauft, erwartet planbare Abwicklung; wer kauft, will die Ware schnell und unkompliziert erhalten. Der Text nennt für Deutschland, dass 67% der Online-Shopper regelmäßig gebrauchte Artikel verkaufen. Gleichzeitig wird die logistische Realität an einem konkreten Ausbauprojekt sichtbar: DHL und Vinted haben eine Kooperation zum Ausbau der Paketstationen initiiert. DHL betreibt derzeit rund 41.000 Abholpunkte und will die Zahl der Paketstationen von 18.500 auf 30.000 bis zum Jahr 2030 erhöhen.
Für den Alltag der Käufer ist zudem relevant, wie häufig alternative Abgabepunkte bereits genutzt werden. Laut den genannten Erhebungen nutzen 70% der Kunden bereits Paketshops oder automatisierte Stationen für ihre Abwicklungen. Das ist mehr als nur Bequemlichkeit: Paketstationen reduzieren Hürden im privaten Versand, weil sie unabhängig von Öffnungszeiten funktionieren und damit die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass eine Lieferung am selben Tag in die nächsten Prozessschritte übergeht. Genau diese Prozessglättung unterstützt den Wiederverkauf zwischen Privatpersonen und kann die Kreislaufwirtschaft im E-Commerce spürbar stärken, weil weniger Sendungen „hängen bleiben“ und die Umwandlung von Gebrauchtware in neue Nutzungsketten schneller abläuft.
Abseits der großen Marktplätze entstehen zudem spezialisierte Angebote und lokale Konzepte, die Secondhand stärker in den stationären Lebensalltag integrieren. Im Outdoor-Bereich wird im Text etwa Bergzeit RE-USE genannt, wo aufbereitete Markenartikel angeboten werden. Ein Beispiel: Ein Salomon-Wanderrucksack im Zustand „Sehr gut“ wird für 58,90 Euro geführt, wobei minimale Gebrauchsspuren wie leichte Verfärbungen transparent ausgewiesen sein sollen. Solche Detailinformationen sind kaufentscheidend, weil sie Unsicherheit reduzieren. Besonders bei Outdoor-Ausrüstung, bei der Qualität und Zustand sicherheitsrelevant wirken können, trägt Transparenz über Materialzustand und Mängel dazu bei, dass Käufer schneller Vertrauen fassen und Transaktionen weniger „risikobehaftet“ wirken.
Auch kommunale Infrastrukturen greifen den Trend auf. In Freiburg steht demnach die Eröffnung der Fundfabrik der ASF bevor: Das Gebrauchtwarenkaufhaus soll eine Fläche von 3.000 m² nutzen und über 120.000 gespendete Artikel beherbergen. Bemerkenswert ist die Verknüpfung mehrerer Rollen in einem Konzept: Der Verkauf soll mit Reparaturdienstleistungen und Umweltbildung kombiniert werden. Zugleich wird geplant, die Einrichtung künftig an fünf Tagen pro Woche für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Für die lokale Ökonomie und für Unternehmen bedeutet das: Secondhand wird nicht nur „als Restposten“ betrachtet, sondern als Service-Ökosystem mit Aufbereitung, Wissenstransfer und verlängerten Produktlebenszyklen. In der Summe deutet das darauf hin, dass sowohl digitale Plattformlogik (Suche, Angebote, Ersatzkauf) als auch physische Logistik- und Reparaturketten zusammenwirken müssen, damit Nachfrage nicht nur entsteht, sondern dauerhaft stabil bleibt.
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